Kommentare zu: TV-Tip bei Arte: Durch die Finanznacht mit Greenwald und Stiglitz http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: enigma http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/comment-page-1/#comment-1001 Thu, 19 Feb 2009 16:10:51 +0000 http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/#comment-1001 @ koe

Natürlich, Stiglitz kann man lesen, solange es um Mikroökonomie geht. Darunter zählt ja neben Produktions- und Markttheorie auch Institutionenökonomie u.v.m.. Diese Themen bekommen „Elite“ Studenten in US/GB bis zum Erbrechen eingebleut, bis sie glauben, daß die Welt nur noch aus Präferenzrelationen, Isoquanten und Angebots- und Nachfragekurven besteht. Stiglitz weiß ja immerhin, daß es auch auf mikroökonomischer Ebene Anreizprobleme gibt. (z.B. der Stiglitz / Weiss Artikel)

Aber eine Finanzkrise ist kein mikroökonomisches Thema! Nur leider wurde die ungeliebte Makroökonomie nach der erfolgten Diskreditierung der keynesianischen Globalsteuerung aufgrund der Stagflationskrise mit dem Schlagwort Mikrofundierung der Makroökonomie gleich (fast) völlig dem Erdboden gleichgemacht. vgl. z.B. Flassbeck! Das hat ganz nebenbei und wenig rezipiert dazu geführt, daß der Bereich Geldtheorie sowie das gesamtwirtschaftliche Denken insgesamt genauso unter die Räder kam. Das was in den Zeiten von L.A. Hahn und W. Lautenbach noch selbstverständlich war und bei W. Stützel z.T. kompendiumhaft dargestellt wird, ist doch längst vergessen. So hält sich immer noch hartnäckig die These, durch Ersparnis könne man Kaufkraft / Vermögen in die Zukunft transportieren, obwohl nun gerade das nicht passiert, im Gegenteil, wo nun die Finanzwerte z.Z. zwangsweise an die „Realwirtschaft“, d.h. die aktuell zu erwartenden zukünftigen Zahlungsströme, angepaßt werden. Den Ärger gibt es ja auch nicht bei Aktien, sondern den nominalwertfixierten Wertpapieren, wo sich alle Welt den Kopf darüber zerbricht, wie man um die eigentlich notwendigen Abschreibungen herumkommt. Wenn man das als Problem ernst nimmt, landet man sofort bei den Themen Zinstheorie und Einkommensverteilung – und da haben Mikroökonomen nichts anzubieten.

Deswegen: der anglosaxonische (Nobel-) Kaiser hat keine Kleider! Zumindest nicht, wenn es um Geldtheorie und Makroökonomie geht.

MfG

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Von: koe http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/comment-page-1/#comment-949 Fri, 13 Feb 2009 14:02:03 +0000 http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/#comment-949 @Enigma
Wer die Stiglitz‘ Buecher gelesen bzw. sich anderweitig mit dem Funktionieren „freier“ Maerkte, dem IMF und der Weltbank und weiteren vom Mensch gemachten finanziellen Institutionen und Regelungen beschaeftigt hat, weiss, dass natuerlich der Markt keine einzelne Person mit Masterplan sondern eher das Aggregat verschiedener durch Menschen ausgeloester und beeinflusster Prozesse ist.
Und im Gegensatz zu Vielen, die sich aktuell zu Wort melden, dabei aber eigentlich die Kernprobleme nicht so richtig verstanden haben (das kann man ziemlich gut in einschlaegigen deutschen Talkshows mit Finanzthemen nachvollziehen) und dementsprechend auch wenig oder keine laengerfristig sinnvollen Vorschlaege bringen, da sie 1. so kurz greifen und nicht umfassend genug sind, 2. an der falschen Stelle versuchen zu beheben was sich dadurch gar nicht beheben oder verhindern laesst und 3. systematischere Kritik als „unwirklich“ oder pauschalisiert darstellen, hat Stiglitz wenigstens eine ganze Palette (und das meine ich woertlich 😉 ) realistischer und auch gut umsetzbarer Vorschlaege gemacht, von Aenderungsvorschlaegen fuer das weltweite Waehrungsreservensystem (was alleine Entwicklungs- und Schwellenlaender de facto 300 Millarden p.a. kostet, eigentlich unnoetigerweise wohlbemerkt, wenn der Waehrungshandel etwas anders laufen wuerde) ueber den „Umgang“ mit transnationalen Konzernen bis hin zu umweltpolitischen und -oekonomischen Fragen.

Und p.s.: Er war nicht Praesident sondern eine zeitlang Vorsitzender und spaeter Chefoekonom.
Nicht, dass ich ihn jetzt krampfhaft verteidigen muss, aber durch ihn habe ich viele Einsichten bekommen, die teilweise wirklich elementar fuer das Verstaendnis bestimmter Vorgaenge war.
Ich habe ziemlich viel Literatur von ihm gelesen, eine Teil seiner Papers zur Informationsoekonomie etc., der Mann weiss schon, wovon er redet, mehr als viele andere US-Elite-Oekonomen, muss man dazu sagen.

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Von: enigma http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/comment-page-1/#comment-801 Fri, 30 Jan 2009 04:59:37 +0000 http://www.blicklog.com/2009/01/30/tv-tip-bei-arte-durch-die-finanznacht-mit-greenwald-und-stiglitz/#comment-801 Jetzt mal die ganze Ehrfurcht beiseite: was können denn die beiden Ökonomen zu der Bewältigung der gegenwärtigen Situation vernünftiges beisteuern, was nicht schon tausendfach von beliebigen Schreiberlingen in die Welt hinaus posaunt worden ist.

Und überhaupt: der Umstand, daß jemand Zugang zu Informationen hat, die nicht jedem zur Verfügung stehen (die Sache mit dem Auskennen) heißt doch noch lange nicht, daß diese Informationen von demjenigen adäquat interpretiert werden. Es muß einem doch zu denken geben, daß ein Ex – Weltbank Präsident sich sogar hinstellt und deklariert, daß „der freie Markt die Volkswirtschaften mehrerer Länder ruiniert“ haben soll. Der freie Markt ist eine Konzeption, wie Produktion gesteuert werden kann, aber das ist keine Person mit einem Masterplan!

Lassen wir doch die Kirche im Dorf: die Amis mit ihren ganzen Nobel Ökonomen eiern doch genauso herum wie Ingrid Steeger mit 12 cm Stilettos. (Na gut, die konnte das wenigstens!) Die ökonomische Qualität der angloamis beschränkt sich doch letztlich nur darauf, aus einer MERDE eine nette Show zu machen. Und das muß man ihnen lassen: wie man eine Show inszeniert, das wissen sie. Jetzt muß man nur noch sehen, ob das Publikum immer noch so ultra neurotisch konditioniert ist, da mitzumachen.

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