Krise ungleich Krise: Definition und Krisenphasen

Dies ist der zweite Beitrag der Serie zum Krisenmanagement für den Mittelstand. Der Einführungsbeitrag ist hier zu finden (Übersicht hier) . In diesem Beitrag geht es um das Verständnis einer Unternehmenskrise und die verschiedenen Krisenphasen, die wiederum maßgeblich den Handlungsspielraum bestimmen.

Alle reden und schreiben über die Krise, aber jeder meint etwas anderes. Bevor man tiefer einsteigt, sollte man daher klarstellen, was denn unter einer Krise verstanden wird und welche Krisenphasen es gibt, denn wie bei einer ärztlichen Therapie kommt es auch im Krisenmanagement darauf an, die verfügbaren Instrumente auf Basis der richtigen Diagnose einzusetzen.

Bekannt dürfte sein, dass mit Krise eine problematische und einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation bezeichnet wird. Das Wort geht zurück auf das griechische Wort „krisis“, das Wendepunkt bedeutet. Die chinesischen Schriftzeichen für Krise (wie-ji) setzen sich übrigens aus den Symbolen für „Gefahr“ und „gute Gelegenheit“ zusammen.

Zu differenzieren ist zunächst, ob von einer Marktkrise oder einer Unternehmenskrise gesprochen wird. Im Fall eine Marktkrise ist ein Unternehmen zwar ebenfalls betroffen (z.B. durch zurückgehende Nachfrage oder steigende Beschaffungspreise), muss aber nicht zwangsläufig selbst in eine Krise geraten.

Unter einer Unternehmenskrise im engeren Sinne wird häufig die Existenzgefährdung eines Unternehmens verstanden. Von einer solchen Gefährdung kann man sprechen, wenn die Finanz- und Erfolgsplanungen signalisieren, dass das Unternehmen bei unveränderter Fortführung der Tätigkeit in seinem Bestand gefährdet ist oder sogar eine Insolvenz droht [1].

Dieses Verständnis ist aber für die Wirtschaftspraxis zu eng, weil aus Sicht der in einem Unternehmen handelnden Personen häufig auch in weniger dramatischen Situationen von einer Krise gesprochen wird. So kann eine Krise auch dann vorliegen [2], wenn

  • betriebliche Ist-Kennziffern deutlich unter den Erwartungen liegen, also z.B. die Umsatzerlöse stark zurückgehen oder die Kosten stark ansteigen;
  • sich die Finanzierungsbedingungen so ändern, dass die Geschäftsplanungen nicht mehr in der geplanten Form realisiert werden können;
  • sich Marktbedingungen unerwartet so verändern, dass in absehbarer Zeit Auswirkungen auf die vorab genannten Punkte eintreten;
  • unerwartete Störung von der Eigentümerseite die Entscheidungsfähigkeit einschränken, wie eine (feindliche) Übernahme oder ein Streit der Gesellschafter. Auch eine ernste Krankheit oder der Tod eines Gesellschafters kann zu einer Krise führen;
  • Krise im Management des Unternehmens, wenn z.B. „wichtige“ Vorstandsmitglieder wechseln oder sie öffentlich in die Kritik geraten[3]

Um nicht mit den falschen Instrumenten an einer Krise zu arbeiten, schlage ich vor, sie in ihren Abstufungen bzw. Auswirkungen auf den Handlungsspielraum zu differenzieren[4]. Außerdem ist zu beachten, dass eine Krise auch nur einzelne Geschäftsbereiche eines Unternehmens bzw. rechtliche selbstständige Töchter betreffen kann.

Wenig überraschend dürfte sein, dass sowohl in den theoretischen als auch in der praktischen Betriebswirtschaftslehre unterschiedliche Auffassungen über die Krisenphasen existieren. Ich habe mich für folgende grundsätzliche Einteilung entschieden [5]:

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Abbildung 2: Krisenphasen (umfassendere Version der Mindmap hier abrufbar)

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Presseschau: Die Blicke in die Wirtschaft am 22. April 2009

Der Blick auf ausgewählte nationale und internationale Wirtschaftsschlagzeilen aus Nachrichtenmedien und Blogs. Meldungen zur deutschen Bad Bank Lösung hier. Alles zum Fußballhit zwischen dem HSV und Werder Bremen hier.

FAZ: Regierung könnte Prognose drastisch korrigieren

FTD: Unternehmen pessimistischer als Forscher

NZZ: Europäische Konjunkturexperten sehen positive Indikatoren

Zeit: Sind Inflationswarnungen Panikmache? Keinesfalls!

Zeit: Miese Lage, rosige Zukunft

Alphaville: Quote du jour, Roubini ‘green shoots’ edition

FTD: Regierung will Kreditvergabe ankurbeln

NYT: Credit Markets Still Tight, Geithner Says

HB: Commerzbank muss sich von Eurohypo trennen

Zeit: Banker gesucht

Zeit: Kaupthing-Anleger bekommen Geld zurück

Alphaville: Calculating the cost of accounting

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Keynes ist nichts für Sozialisten

Seit ein paar Wochen blättere ich am Montag in der aktuellen Handelsblattausgabe ja stets zuerst die vorletzte Seite des ersten Buchs auf. Dort gibt es die Keynes-Serie, die ich überaus spannend finde. Keynes ist ja seit einigen Monaten schwer in Mode gekommen. Nun bin ich zwar kein ausgebildeter Volkswirt, sondern “nur” Betriebswirt, dennoch bereichert gerade diese Serie auch Nicht-Volkswirte, die ihre nationalökonomischen Kenntnisse auffrischen wollen.

Im jüngsten Beitrag von Olaf Storbeck geht es um den “neuen Keynes”. Darin räumt Storbeck auch mit dem Mythos auf, dass die Ideen von Keynes  in der modernen Interpretation nur für Ewiggestrige . . . → Read More: Keynes ist nichts für Sozialisten

Statt mit Bonus mal mit Bindung motivieren

Für Aufsehen sorgte gestern die Meldung, dass der ehemalige Kapitalmarktchef der Dresdner Bank, Jens-Peter Neumann, trotz eines Verlusts seines Geschäftsbereichs in Höhe von 5,8 Mrd. € noch 3 Mill. € Bonus vereinnahmt hat und nun seinen ehemaligen Arbeitgeber auch noch auf 1,5 Mill. Euro verklagt (Details und Hintergründe hier bei Zeitenwende).

Es wird Zeit bei solchen Fällen, die Aufmerksamkeit auf die Personen zu richten, die Verträge abschließen, die ein solches Verhalten erst möglich machen. Auf übliche Motivationsmechanismen wird anscheinend keine Energie gesteckt. Es hält sich nachhaltig der Mythos: Maximales Gehalt = maximale Leistung durch die fähigsten Leistungsträger.

In einem Beitrag am vergangenen Wochenende hatte ich bereits die Praxis kritisiert, bei der Motivation von Führungskräften und Mitarbeitern allein auf monetäre Anreize zu setzen. Top-Bezahlung ist nicht gleichzusetzen ist mit einer Top-Qualität der Leistung.  Bestätigen tut dies auch der Unternehmensberater und Psychologe Winfried Neun in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Auf die Frage, was Leistung heutzutage noch mit Gehalt zu tun hat antwortet Neun:

“Relativ wenig, das war früher anders. Sobald die persönlichen Grundbedürfnisse gedeckt sind, lässt sich zusätzliche Leistung nicht über mehr Gehalt steuern. Das ist vielmehr eine Bestechung des Angestellten, um kurzfristig exorbitante Leistung einzukaufen. Dazu gibt es das Versprechen auf eine Abfindung, wenn es schiefgeht. Da kann nichts Gutes bei rauskommen. Geld steht in keiner Beziehung mehr zur Leistung.”

Sehr hohe Bonusversprechungen führen dazu, dass sich Mitarbeiter und Manager mit hoher Priorität auf die Steuerungskriterien konzentrieren, deren Erreichung für die Bonuszahlungen erforderlich sind. Aus Komplexitätsgründen gibt es aber in der betrieblichen Praxis keine Symmetrie zwischen den “wirklichen” Unternehmenszielen und den Kriterien der Zielvereinbarungen. Wer das mal nachvollziehen will, der kann sich mal die Zielfunktion eines Unternehmens in diesem Beitrag ansehen.

Ein mittelständischer Unternehmer oder viele “klassische” Manager kennen diesen Unterschied, der letztlich dazu führt, dass sich Manager nicht mehr in erste Priorität für das Unternehmen sondern für die Bonuskriterien einsetzen.

Was könnte also eine Konsequenz daraus sein für die Motivation auch der Führungskräfte? Die Entscheidungsträger in Unternehmen müssen sich Gedanken machen, wie es zu schaffen ist, ihre Führungskräfte und Mitarbeiter auch emotional an ihr Unternehmen zu binden. Die gleiche Frage müssen sich auch Gesellschafter oder Aufsichtsräte stellen, die über die Einstellung und Motivation von Vorständen und Geschäftsführern zu befinden haben.

Einen ausbaufähigen Ansatz stellt Jörg Felfe in der jüngsten Ausgabe von Gehirn&Geist vor. Zunächst geht es ihm um den Zusammenhang von Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung. Dazu schreibt Felfe:

“Von »Arbeitszufriedenheit« sprechen Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler, wenn jemand mit seiner aktuellen Arbeitssituation zufrieden ist. »Mitarbeiterbindung« hingegen bezeichnet die Qualität der Beziehung eines Mitarbeiters zu seinem Unternehmen. Der Unterschied erscheint zunächst eher theoretisch. Doch anhand der Mitarbeiterbindung – dem Commitment – lassen sich Kündigungen besser vorhersagen als anhand der Arbeitszufriedenheit”

Die Bindung an das eigene Unternehmen ist dann höher, haben Wissenschaftler herausgefunden, wenn sie Stolz auf ihr Unternehmen sind. Als Quelle des Stolzes sieht Felfe u.a. die Qualität der Produkte, besondere Dienstleistungen oder die Tradition eines Unternehmens. “Der damit verbundene Prestigegewinn stärkt das Selbstwertgefühl und ist deshalb ein starkes Motiv, sich mit dem Arbeitgeber zu identifizieren und für dessen Erfolg einzusetzen,” schreibt Felfe.

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Wie man das Kreditrisiko richtig misst

Ob sich die Experten der Bundesregierung, die sich aktuell Gedanken über eine Bad-Bank-Konstruktion machen, auch über diese Webseite informieren, ist unbekannt. Für die Controller von Kreditrisiken ist die Website defaultrisk.com allerdings eine echte Goldgrube, denn regelmäßig weist  die Seite auf aktuelle und fundierte Papiere hin. Ein umfangreiches neues Arbeitspapier der Bank for International Settlements zeigt jetzt, warum die Unsicherheit von Bewertungsparametern eine wichtige Rolle spielt. An dem Beitrag “Measuring portfolio credit risk correctly: why parameter uncertainty matters” (43 Seiten, pdf) werden allerdings nur Mathefreaks wirklich Freude haben.

Deutsche Bad Bank brauchbar aber ohne Marktkomponente

Ich habe bisher nur einen kurzen Blick auf die deutsche Bad Bank-Lösung für toxische Wertpapiere werfen können. Nach erster Lektüre des komplexen Modells scheint dies eine brauchbare Lösung ein. Unwahrscheinlich allerdings, dass hier kein Risiko für den Steuerzahler bestehen soll.

Etwas enttäuscht bin ich, dass nicht eine marktorientierte Lösung wie in den USA gesucht wird. Einen Markt, besser Interessenten für die “notleidenden” Assets gibt es nämlich auch hier. Eine tiefere Betrachtung muss ich in den nächsten Tagen nachliefern, denn es ist nun ziemlich spät. Daher folgend nur die Verweise auf entsprechende Artikel. Empfehlenswert dieser Beitrag bei Weissgarnix und die Diskussion dazu. Sehr viel mehr zu toxischen Wertpapiere und der Bad Bank Diskussion auf dieser Übersichtsseite.

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