Kommentare zu: Vom Rätsel der Ehrlichkeit bis zum Broken Window http://www.blicklog.com/2009/05/16/vom-rtsel-der-ehrlichkeit-bis-zum-broken-window/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: Hanskarl http://www.blicklog.com/2009/05/16/vom-rtsel-der-ehrlichkeit-bis-zum-broken-window/comment-page-1/#comment-1482 Sat, 16 May 2009 21:24:33 +0000 http://www.blicklog.com/2009/05/16/vom-rtsel-der-ehrlichkeit-bis-zum-broken-window/#comment-1482 @Nixda,
dieser Aussage „Im Rückblick würde ich den moralischen Wendepunkt, das erste zerbrochene Fenster, in der damals so genannten “Geistig Moralischen Wende” der 80er Jahre lokalisieren.“ stimme ich zu – und möchte daran erinnern, daß sie ( die geistig moralische Wende ) vom damaligen Kanzler Kohle proklamiert wurde. Einem Manne, von dem sich später zeigte, daß er selbst über die Maßen unmoralisch war.

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Von: Nixda http://www.blicklog.com/2009/05/16/vom-rtsel-der-ehrlichkeit-bis-zum-broken-window/comment-page-1/#comment-1480 Sat, 16 May 2009 11:15:16 +0000 http://www.blicklog.com/2009/05/16/vom-rtsel-der-ehrlichkeit-bis-zum-broken-window/#comment-1480 Die Meldung, dass Arcandor jetzt auch Staatshilfen beantragt, ist mir auch negativ aufgefallen. Hier sind erste Zeichen eines Dammbruchs zu erkennen.

Die Unternehmen (oder die Unternehmer?) und die bürgerlichen Parteien haben den Rückzug des Staates aus dem Wirtschaftsleben auch immer nur dann mit Monstranz vor sich hergetragen, wenn es andere betroffen hatte. Beim Thema Subventionsabbau oder dem Abbau von staatlicher Regulierung zB bei den hochregulierten Märkten von Handwerkern, Rechtsanwälten und Steuerberatern gab es noch nie einen Handlungsbedarf. Im Sinne einer Ehrlichkeit wäre das aber auch angezeigt gewesen.

Um den Bogen zum Thema ihres Beitrags zu spannen: Ich glaube nicht, dass der Skandal um MAN jetzt der Wendepunkt in Form des Broken Windows darstellt. Dazu ist die Kette von Skandalen (Infineon, Telekom, Bahn, Post, Siemens, Lidl etc) schon zu lang. Meine Berufserfahrung, in der ich u.A. als Berater Einblick auch in soziologischen Handlungsstrukturen auch diverser DAX-Unternehmen nehmen konnte (auch wenn sie nicht Gegenstand meiner Beratertätigkeit waren). zeigten mir doch deutlich, dass eine kleptokratische Grundtendenz des Managements sich schon vor Jahren anfing in den Unternehmen breit zu machen, und durchaus nicht mehr die seltene Ausnahme ist. Was sichtbar ist, ist eher die Spitze des Eisbergs.

Je größer das Unternehmen, desto stärker sind diese Strömungen, wahrscheinlich weil der Geschädigte bei der Angelegenheit immer weniger personifiziert und damit gesichtslos anonymisiert wurde. Einer wirklichen Führungselite, als die sich die Managerschaft im ihrem Selbstbild ja gerne versteht, hätte es gut zu Gesicht gestanden, und vielleicht wäre das sogar ihre eigentliche Führungsaufgabe gewesen, diesen Versuchungen entgegenzuwirken.

Im Rückblick würde ich den moralischen Wendepunkt, das erste zerbrochene Fenster, in der damals so genannten „Geistig Moralischen Wende“ der 80er Jahre lokalisieren. In dieser Wortfindung ist bereits die andere, nicht-bürgerliche Seite der Gesellschaft mit ihren Ansprüchen an das Unternehmen als unmoralisch stigmatisiert worden, und das eigene Handeln unabhängig von Anstand und Gesetz moralisch legitimiert worden. Das fehlende Schuldbewusstsein der Managerelite bei der Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter, bei Steuerdelikten und der Externalisierung von Kosten des eigenen Handelns ist Ausdruck dieses langsamen moralischen Verfalls, die Selbstgerechtigkeit bei dem Anspruch auf Bezüge und Abfindungen sind Ausdruck dieser Haltung.

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