Letzte Woche traf ich mich in München mit den Geschäftsführern eines mittelständischen Softwareunternehmen. Auch hier ging es, wie kann es in diesen Zeiten anders sein, um Finanzierungsthemen und die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe.
Ein Thema war mal wieder die Unternehmens- und Finanzplanung. Was ich hier sah, freute mich, denn die Geschäftsführer hatten für sich den Nutzen einer sachgerechten Planung erkannt und planen nicht nur für die Bank oder andere Kapitalgeber, sondern vor allem auch für sich.
Ein richtiger Ansatz. Leider empfinden immer noch viele Unternehmen und Gründer Planung als lästige Strafarbeit (siehe dazu auch „Muss ein Existenzgründer einen Businessplan haben?“). Entsprechend halbherzig wird sie priorisiert und durchgeführt. Die Halbherzigkeit beginnt dann meist schon beim Planungsmodell, wo ich es auch schon erlebt habe, dass einfach nur die Gesamtumsätze geplant werden und etwa auf Herunterbrechen auf Produkte, Preise, Kunden oder Regionen verzichtet wird.
Es ist schon fast eine Binsenweisheit, dass die Qualität der Finanzplanung bei der Mittelvergabe eine bedeutende Rolle spielt und daher nicht unterschätzt werden sollte. Dabei gilt, je höher das potentielle Risiko der Kapitalgeber, desto genauer wird auf eine Planung geachtet. Das ist klar, denn aus der Qualität der Planung wird, sofern keine anderen Informationen vorliegen, zunächst formal die Fähigkeit des Unternehmens abgeleitet, Mittel zurückzahlen zu können. Und oft liefert erst eine gute Unternehmensplanung die Einstiegspunkte für vertiefte Gespräche.
Dennoch, allein eine fundierte und möglichst integrierte Finanz- und Liquiditätsplanung reicht leider nicht aus, um das Rating zu verbessern. Gefühlte 95% der Kapitalgeber gewichten die in Form von Jahresabschlüssen vorgelegten Vergangenheitsdaten immer noch höher als eine solide Zukunftsplanung.
Genau diesen Punkte kritisierten in der vergangenen Woche in seltener Einmütigkeit IG Metall und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. „Die Banken sollten sich die Geschäftsmodelle und Prognosen der Unternehmen genauer ansehen und nicht so an den Bilanzen für das vergangene Jahr kleben“, zitiert das Handelsblatt den Verbandsgeschäftsführer Hannes Hesse.
Beiträge zum Thema Unternehmensplanung
BL: Management in rauen Zeiten: Finanz- und Liquiditätsplanung
BL: Management in rauen Zeiten: Simulation von Planungsrisiken
BL: Mit Szenario-Simulation Risikorobustheit zeigen und Finanzierungsklemme vorbeugen
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