Kommentare zu: Maturana und Varela oder was Ökonomen von Biologen über Vorhersagen lernen könnten http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: dels http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/comment-page-1/#comment-6154 Mon, 30 Aug 2010 16:57:19 +0000 http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/#comment-6154 Danke für die Rückmeldungen und die Vertiefungen, die ja tatsächlich zeigen, dass die Ökonomie sich hier etwas abschauen kann.

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Von: Thomas Schneider http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/comment-page-1/#comment-6150 Mon, 30 Aug 2010 09:35:24 +0000 http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/#comment-6150 Das war jetzt sehr zart an der Oberfläche.
Ein wenig mehr gefällig?

Wir leben in Sprache. Sprechend. Die Biologen haben schon seit längerem gefragt, ob es beim alltäglichen und ökonomischen Handeln/Managen/Organisieren tatsächlich nur verarbeitende (aber eben sehr komplexe) Maschinen sind die da agieren oder ob das aufgrund der erkennbaren biologischen Fakten nicht doch anders läuft. Sodass merkwürdige/unlogische/miese Entscheidungen/Einordnungen/Vorurteile nicht grundsätzliche Fehler oder Mangel von Charakteren wären, sondern etwas möglicherweise doch noch Korrigierbares. Das hätte mehr Beweglichkeit, weniger Verbissenheit, z.B. ein leichteres Wechseln von mieser zu guter Entscheidung zur Folge.

Wo endet die grundsätzliche (biologische) Möglichkeit meines Kollegen/Chefs/Mitarbeiters/Auftraggebers und wo beginnt die Sozialisierung (sein KnowHow/Handeln in seiner Sprache) an der ich mit den richtigen Worten so viel ändern kann, dass er in meinem Sinne mitspielt? Wo ist da die Hör-, Aktions– und Reaktions-Schwelle?

Daran haben sich zig Fachleute versucht. Das Besondere beim Ansatz der „Lebenden Systeme“ Maturanas ist, dass sie aus den Untersuchungen über das Sehen und „Verarbeiten“ von Reizen zu anderen Schlüssen kamen als die übrigen Neuro-Forscher (diverse Literatur unter seinem Namen, auch in Deutsch). Hier ist nur interessant: In diesem Ansatz sind Lebende Systeme Vorhersage-Systeme. Die tun gar nichts anderes! Aber – sie tun es in Sprache, mit Worten und Begriffen die für und in sich selbst wieder dauerhafte Bedeutung haben. Also die Leute als lebende Systeme sind in ständiger action und Veränderung, aber ihre Worte und das was sie bedeuten sind konstant und nachhaltig.
Man kann beobachten, dass für alle das Ziel besteht, möglichst erfolgreiche/sichere Vorhersagen für sich zu machen. Das ist soz. biologisch fundamental für alle! Und damit sind die sozialen Elemente die oft als Grundlagen von Handlungen und Aktionen gesehen werden, („wo bekomme ich mein nächstes Essen her, meinen nächsten Job, mein nächstes Auto….“), so gesehen nicht mehr so basic wie‘s die Volkswirtschaft gern hätte sondern schon verhandelbar und Teil einer Absprache mit anderen. Das so cool zu sehen bedeutet einen rieseigen Schmonzes von psychologischer Theorien und Kombinationen einfach weg streichen zu können wie bei einer Bruch-Rechnung. Es so zu sehen spart beim Managen Zeit und Nerven und bleibt dem einzelnen gegenüber angemessen.

Wenn man das anwenden will muß man sich klar machen, dass wir im west-europäischen und anglo-amerikanischen Raum Verhalten als Teil einer Situation beschreiben in der wir dann miteinander oder übereinander reden. Wenn man jedoch schaut was Körper und Nervensystem dann tatsächlich machen kann man diese Grund-Beschreibung nicht mehr aufrecht erhalten. Da ist SITUATION das, was sich vom jew. eigenen System an Vorhersagen in Worten zusammenfassen lässt – nämlich nur noch eine Beschreibung, nie das „richtig erkannte“ Original. Und Beschreibungen – das weis jedes Kind – kann man ändern und anpassen. An die Situation? Nein, an den Adressaten, den Zuhörer. Das widerum weis jeder erfolgreiche Verkäufer. Diese Interaktion oder Kommunikation zwischen Leuten zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiben wir dann in der 3. Person widerum als „die Situation“.
Wenn ich‘s jetzt einigermaßen richtig hinbekommen habe müssten Sie erkennen, dass es in dieser Sicht mind. 3 aktive Ebenen gibt mit denen man ständig zu tun hat und die drei verschiedene Einschätzungen von Vorhersagen anderer sinnvoll machen: 1. Die eigenen Vorhersage-Cluster (…was wir wissen…), 2. die Vorhersagen der benutzten Begriffe einer Meldung (die wir als Sachwissen z.B. in der Volkswirtschafts– und Betriebswirtschafts-Lehre weiterreichen), und 3. der Vorhersage-Cluster dessen der die Meldung verfasst hat.

Funktional haben wir haben es dann also nicht mit „richtigen“ und „falschen“ Einordnungen/Entscheidungen in dem und dem Markt zu tun, sondern mit Strategien jeweils eigener Vorhersagen desjenigen der da veröffentlicht, die bis dato für ihn zutrafen und die er nun mit seiner aktuellen Aussage ergänzt (zur Markt-Entwicklung oder was immer). Für viele scheint es praktisch zu sein, nur noch zu schauen von wem die Mitteilung ist und wer sie überbrachte. Das sieht auf den ersten Blick ökonomisch aus, aber die Dinge funktionieren eben nicht so! Wenn‘s trotzdem gut ging damit war es in erster Linie Glück!

Das bedeutet, dass man wenn man Vorhersagen über wichtige ökonomische oder politische Dinge durch die Medien bekommt gar keine „Nachrichten“ im dem Sinne erhält (selbst wenn die Überschrift das behauptet) sondern immer eine Bestätigung dessen was man ohnehin schon auf dem Zettel hat von einer bestimmten Person die man irgendwie einschätzt.
Für einen Manager bedeutet das, sich etwas zurück zu nehmen wenn neue externe Vorhersagen eintreffen und kurz die ganze Bandbreite zu durchdenken bevor er gleich darauf reagiert. Das ist die durchaus bekannte Haltung: „Ich weis dass ich nichts weis – also lass uns mal schauen“. In unserer Maschinen Vorstellung heute tut das ein wenig weh und manche legen es gar als Entscheidungs-Schwäche aus, aber in den meisten Fällen macht es schon Sinn, mehr Entscheidungs-Möglichkeiten zu haben.
H. R. Maurana und H. von Foerster haben das soz. aus der Sicht der Biologie und der Steuerung begründet, (Fachbegriff: Selbstorganisation, der Kybernetik zwischen lebenden Systemen). und die Reihenfolge vom Kopf wieder auf die Füße gestellt. Das ist an sich nicht sensationell, aber es macht ein paar Sachen im Management schlanker und schneller. (Denken Sie z.B. an den ganzen St. Gallener Ansatz).

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Von: enigma http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/comment-page-1/#comment-6144 Sun, 29 Aug 2010 23:21:51 +0000 http://www.blicklog.com/2010/08/29/maturana-und-varela-oder-was-konomen-von-biologen-ber-vorhersagen-lernen-knnten/#comment-6144 Der Verdienst von Maturana und Varela liegt m.E. auf einer anderen Ebene, nämlich auf einer Änderung der Grundvorstellung, wie soziale Systeme funktionieren.

Knapp gesagt: sie argumentieren, daß das Hauptanliegen von sozialen Systemen die Prozessierung eines systemspezifischen Sinnes ist, welches die Systemidentität definiert. Dazu prägen Systeme spezifische Kommunikationsformen aus, die es dazu befähigt, zu unterscheiden, was systemzugehörig ist und was nicht. Diese Sinndefinition ermöglicht es, zwischen systeminternen und systemexternen Interaktionen zu unterscheiden. Diese Aufrechterhaltung der Systemgrenze bedeutet, daß systemspezifischer Sinn einerseits Abgrenzung von der Umwelt bedeutet, andererseits auch definiert, wie das Überleben des Systems gewährleistet werden kann.

In der Konsequenz heißt das, daß erste Priorität von Systemen das Überleben qua Anpassung ist! Und hier ist die Differenz zur üblichen Ökonomie. Denn gegenwärtige Ökonomie ist eine Lehre von Optimierungen für die es von der „allgemeinen Gleichgewichtstheorie“ lediglich einen Existenzsatz über ein (im Pareto – Sinne) Preis – Gleichgewicht gibt. Wenn man Ökonomie für ein soziales System hält, ist es für Maturana/Varela durch eine Optimierungstheorie grundsätzlich falsch dargestellt.

Diese Sichtweise wurde mal von Luhmann vorgestellt, allerdings seinerseits von ihm falsch interpretiert. Egal. Wesentlich ist, daß das o.a. Konzept der Autopoiese viel mehr Inhalt hat, als jegliches Optimierungsmodell, denn dadurch kann man endlich mal einen Unterschied von der Werttheorie zur Geldtheorie ziehen, der sich, auf seinen Kern heruntergebrochen, darin zeigt, daß man sich insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften man an den aus der Informatik bekannten Dualismus von Hardware und Software gewöhnen muß.

Manchmal sind Dinge so einfach, wenn man sie auseinanderhalten kann!

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