Kommentare zu: Natürlich ist das AKW-Risiko versicherbar: Wie man einfach die Versicherungskosten für Kernenergie berechnen könnte http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: dels http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15697 Mon, 06 Jun 2011 09:13:09 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15697 Habe ich jetzt nicht verstanden, warum die 9,3 Cent +/- x um den Faktor 10 zu hoch gegriffen sind.
Die anderen Fragen sind natürlich ebenfalls sehr interessant und relevant. Wenn jemand einen entsprechenden Link kennt, dann nur her damit.

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Von: Hermes Conrad http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15693 Sat, 04 Jun 2011 17:52:36 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15693 Eine verdeckte Subvention ist das durchaus – keine Frage. Bei vernünftigen Sicherheitsauflagen für den Betrieb von Kernkraftwerken aufgrund der enormen Effizienz dieses Kraftwerkstyps im Vergleich zu allem, was uns als Alternative angeboten wird, allerdings eine recht geringe. Die 9,3 Cent dürften mindestens um den Faktor 10 zu hoch gegriffen sein.

Nun bliebe noch zu untersuchen, wie andere Formen der Energieerzeugung verdeckt subventioniert werden. Die offenen Subventionen über das EEG sind bekannt, aber wie hoch sind z.B. die Subventionen durch die Bereitstellung zusätzlicher Leitungskapazitäten etwa für Windstrom aus Mecklenburg-Vorpommern oder durch die Abnahmeverpflichtung für „Ökostrom“, auch wenn dieser nicht gebraucht wird? Wie hoch sind die Subventionen für Solarenergie dadurch, dass in PV-Modulen giftige Schwermetalle verbaut werden dürfen, die in allen anderen Produkten längst verboten sind und die sicherlich auf die eine oder andere Weise zu negativen Externalitäten führen werden?

Und wie hoch sind die Subventionen für Wasserkraft, die von den meisten Ökostromanbietern fast ausschließlich verkauft wird, weil sie im Gegensatz zu den EEG-Hauptnutznießern praktisch permanent verfügbar ist? Wikipedia weist ca. 100 Staudammunglücke in den letzten 60 Jahren nach, davon 36 mit mehr als 100 Toten, nennt aber in den seltensten Fällen Schadenssummen. Hier könnte man auch den Worst Case annehmen, was in diesem Fall nicht Tschernobyl, sondern Banqiao wäre. Die Eintrittshäufigkeit könnte man realistisch mit einem Maximalschaden pro zwei Jahren ansetzen. Eine Evaluation der Schadenshöhe ist mir nicht bekannt, aber es gab in Banqiao ca. 171000 Tote und mehrere tausend Quadratkilometer wurden überflutet.

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Von: MB http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15674 Thu, 02 Jun 2011 22:37:14 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15674 @dels
Einspruch.

Die Schadenshöhe hat (unabhängig von irgendwelchen Eintrittswahrscheinlichkeiten) zunächst

einmal Einfluss darauf, wer als Versicherungsgeber überhaupt in Frage kommt. Bei möglichen

Schäden im Billionenbereich scheiden private Versicherungsunternehmen von vorneherein aus.

Als Alternative werden in dem Beitrag Katastrophenanleihen genannt. Dabei sollte man aber

wissen, dass das Gesamtvolumen aller Cat-Bonds sich derzeit gerade mal auf einen

einstelligen Euro-Milliardenbetrag beläuft – also einem hundertstel bis tausendstel des

diskutierten Deckungsvolumens. Ob es eine gute Idee wäre, mit staatlichem Zwang diese Art

der Absicherung zu fördern, damit dann die „Investmentbanken […] ein Fass aufmachen“

können, wage ich zu bezweifeln. Letztlich verbleiben nur Staaten als potentielle

Versicherungsgeber.

Ferner hat die unterstellte Schadenshöhe – in Kombination mit der unterstellten

Eintrittswahrscheinlichkeit (hier: 4% pro Jahr = 1 Großschadensereignis alle 25 Jahre) –

Einfluss auf die Höhe der volkswirtschaftlichen Kosten der Kernkraftnutzung und damit auf die Frage, ob die Nutzung der Kernkraft aus volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt

sinnvoll ist, bzw. wenn man den AKW-Betreiber eine (fairen) Versicherungsprämie zur Deckung dieser Kosten abverlangt, für diese noch rentabel ist. Ich behaupte, dass die Nutzung der Kernkraft bei einer (fairen) Risikoprämie von 1,5 Cent/kWh (1 Bio EUR je 25-Jahres-Schadensereignis) volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, nicht aber bei einer (fairen) Risikoprämie von, wie im Beitrag unterstellt, rund 10 Cent/kWh (6 Bio EUR je 25-Jahres-Schadensereignis).

Unschön wäre es sicher, wenn der Staat diese (faire) Risikoprämie den AKW-Betreibern nicht in Rechnung stellte sondern als versteckte Subvention gewährte (auch wenn er sich die als Aktionär, sowie durch die Besteuerung von Gewinnen, Dividenden und Löhnen teilweise wieder hereinholt). Aber das tut er ja auch (künftig) nicht mehr: siehe Kernbrennstoffsteuer.

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Von: dels http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15669 Wed, 01 Jun 2011 22:07:15 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15669 @MB
Wie die Schadensumme berechnet wird, steht im Gutachten. Spielt aber letztlich keine Rolle, ob der Schaden 6 oder 1 Billion Euor beträgt. Das Risiko ist in jedem Fall versicherbar. Und das sollte dieser Beitrag zeigen.

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Von: MB http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15668 Wed, 01 Jun 2011 21:39:53 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15668 Nur mal zum Vergleich: das BIP Deutschlands beträgt ungefähr 2,5 Bio. EUR pro Jahr und der Gesamtwert des Sachvermögens Deutschlands ca. 11 Bio. EUR (siehe Statistisches Bundesamt, Vermögensbilanz).

Wie angesichts dieser Größenordnungen ein einziger GAU einen Schaden von 6 Bio. EUR anrichten können soll (jahrelanger vollständiger Produktionsausfall im ganzen Land? Zerstörung halb Deutschlands?), halte ich für erklärungsbedürftig.

Wenn man übrigens einen – wahrscheinlich immer noch deutlich zu pessimistischen – AKW-Schaden von 1000 Milliarden EUR aller 25 Jahre ansetzt, dann käme man folglich auf eine faire Versicherungsprämie für AKW von durchschnittlich 1,5 Cent/kWh, wobei die Prämie bei deutschen AKW aufgrund der überdurchschnittlich guten Sicherheitstechnik noch niedriger sein dürfte. Angesichts von staatlich garantierten (=subventionierten) Einspeisevergütungen von derzeit 30 Cent/kWh für Solarstrom und 13 Cent/ kWh für Off-Shore-Windenergie handelt es sich jedenfalls nur um homöopathische Beträge.

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Von: Meister http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15667 Wed, 01 Jun 2011 14:33:15 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15667 Jede noch so schöne Rechnung ist obsolet, wenn z.B. die EU unbewohnbar wird 😉

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Von: dels http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15655 Tue, 31 May 2011 07:11:20 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15655 Moin Egghat,
natürlich muss in der Praxis die Versicherungsprämienberechung differenzierter gerechnet werden. Aber hätte ich das dargestellt mit entsprechender Versicherungsmathematik und Wahrscheinlichkeitskalkulationen, hätte den Beitrag niemand mehr verstanden. Das soll ja hier nur eine Tendenz zeigen.

In jedem Fall halte ich die hier dargestellte Lösung für deutlich ausgewogener als dies die Studie vorstellt, die ja sogar 6 Bio. pro Kernkraftwerk in 10 Jahren ansammeln wollen, was aus meiner Sicht Unsinn wäre.

Dass Kernenergie damit teurer wird, ist klar. Aber durch den Verzicht auf die Versicherungspflicht und die Übernahme von großen Schäden durch den Staat, wird die Kernenergie faktisch hoch subventioniert.

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Von: egghat http://www.blicklog.com/2011/05/31/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/comment-page-1/#comment-15654 Tue, 31 May 2011 06:52:49 +0000 http://www.blicklog.com/2011/05/24/natrlich-ist-das-akw-risiko-versicherbar-wie-man-einfach-die-versicherungskosten-fr-kernenergie-berechnen-knnte/#comment-15654 Das Problem bei 9,3 Cent je KWh? Dann wäre Atomenergie nicht mehr wettbewerbsfähig …

Das Problem bei deiner Rechnung: Die 6 Billionen Schaden für 25 Jahre sind doch nicht „garantiert“, sondern es gibt eine Eintrittswahrscheinlichkeit, die kleiner als eins ist. Und nur das geht dann in die Kosten ein, nicht die gesamten 6 Billionen … Du klammerst (mMn) das entscheidende Problem aus der Rechnung aus …

Ansonsten noch zwei Anmerkungen:

Erstens macht es keinen Sinn, alle AKWs in einen Topf zu werfen. Sichere (=moderne) AKWs in sicheren Regionen würden dann genausoviel kosten wie alte AKWs auf Meereshöhe in Erdbeben- und Tsunamigefährdeten Regionen. Firmen, die schludern und vertuschen müsste genausoviel bezahlen wie Firmen, die in die Sicherheit investieren und transparent sind.

Zweitens kann es einem am Ende egal sein, ob es eine Versicherung gibt. Wenn die AKW-Betreiber es nicht schaffen, die Versicherung zu besorgen (egal ob bei Munich Re oder am Kapitalmarkt), dann müssen sie es eben akzeptieren und die AKWs abschalten. Das ist das „marktgerechte“ Umlegen der Risiken auf den Preis halt nur bis zum Ende durchgedacht: Bis zum Selbstreinigungsmechanismus des Kapitalismus: Der Pleite und dem Ausscheiden aus dem Markt.

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