Kommentare zu: Credit Default Swaps sind keine Massenvernichtungswaffen und dürfen keine Geheimwissenschaft bleiben http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: nigecus http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/comment-page-1/#comment-16402 Wed, 17 Aug 2011 21:46:44 +0000 http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/#comment-16402 @Beate

Warum wird das Kreditrisiko falsch eingeschätzt?
– Angenommen Sie vergeben HEUTE einem produzierende Unternehmen einen Kredit.
– Nach ausführlicher Bilanzanalyse halten Sie es für gerechtfertigt 10% Kupon für 3 Jahre zu verlangen.
– Das ist höher als eine alternative Anlage bspw. in Staatsanleihen, wofür es gerade 3% gäbe. Sie verlangen also einen Aufschlag von 7%, weil Sie ja riskante Dinge bei ihrer Kreditprüfung gefunden haben.
– Im 2.Jahr stürzt ein Flugzeug ab, und blöderweise genau auf die Fabrik dieser Firma. Zwar ist die Firma gegen alles mögliche versichert und die Fluggesellschaft auch. Aber das Verfahren zieht sich hin.
– Die Firma kann erstmal nichts produzieren. Hat keine Einnahmen und kann weder Kupons noch die Schuld im 2. und 3.Jahr begleichen.
– Im 2.Jahr überlegen Sie sich nun: Wie viel könnte ich dennoch (später) zurückbekommen? Sie schätzen, dass nachdem sich die Versicherungen geeinigt haben, sie im 4.Jahr ca. 60% der Schuld zurückerhalten und die Kupons futsch sind.
– Offensichtlich haben die 7% nicht ausgereicht, um den Ausfall dieser Ereignisse abzudecken. Ab dem 2.Jahr ist ihre Forderung auch entsprechend weniger wert.

Mit dem Beispiel will ich nur sagen, dass im Moment der Kreditvergabe keiner eine Glaskugel hat, um jede Eventualität zu berücksichtigen (low probability events). Ein Kreditgeber wird auf die wesentlichen Events gucken („low prob / high impact“ events, die einen auf die Füße fallen können, also nicht als „externe Kosten“ auf den Staat abgwälzt werden). Und der Kreditnehmer wird auch darauf pochen, weil ansonsten der Kredit unbezahlbar wird.

Nun stellen Sie ich vor, Sie fahren mit Ihrem Fahrrad eines schönen Tages zufällig im 2.Jahr eine Minute vor dem Event, an der Fabrik vorbei (in sicherer Entfernung). Und hörenn so ein komisches Pfeifen und gucken in den Himmel, wo sie sehen wie ein Flugzeug gerade auf die Fabrik Ihres Schuldners fällt. Was tun Sie? Genau, Sie rufen bei einer Investmentbank an, und kaufen einen CDS. Basispunkte? Egal, sagen Sie dem Banker, der widerum keinen Schimmer von dem Flugzeug hat.

@dels

Das mit dem Leerverkauf stimmt nicht so wirklich. Die CDS sind nur simple Derivatekontrakte. Die Kredite bzw. Forderungen müssen nicht leerverkauft werden. Man kann ja den Verkauf eines CDS mit dem Kauf eines CDS hedgen (Das finde ich so putzig, weil es insgesamt wirklich sinnfrei ist). Und wenn in der Kette, dann einer dabei ist, der sich nicht hedged, sich verrechnet, oder es irgendwie übersieht, dann… Siehe AIG.

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Von: Kleine Presseschau vom 15. August 2011 | Die Börsenblogger http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/comment-page-1/#comment-16365 Mon, 15 Aug 2011 12:37:26 +0000 http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/#comment-16365 […] Blick Log: Credit Default Swaps sind keine Massenvernichtungswaffen und dürfen keine Geheimwissenschaft bleibe… […]

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Von: dels http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/comment-page-1/#comment-16363 Mon, 15 Aug 2011 11:41:32 +0000 http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/#comment-16363 Es gibt zumindest kausal keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen bestimmten Unternehmensmerkmalen und dem Ausfallrisiko, sondern allenfalls statistische Merkmale. Deren Fehler wiederum ist, dass sie in Statistiken einfließen, die zwar eine Näherung in bestimmten Zeiten darstellen können, aber nicht müssen. Unvorhergesehene, komplexe Ereignisse oder vieleicht auch bewusst weggelassene Informationen beeinflussen die Einschätzung der Kreditgeber und Versicherer.

Es ist klar, dass Kreditversicherer versuchen, die Zahl der Risiken möglichst breit zu streuen. Sie arbeiten mit dem Gesetz der Großen Zahl, freilich unter der Voraussetzung, dass es auch passt. Das GdGZ passt aber nur Risiken, die wie bei einem Glückspiel verteilt sind. So läuft das in der Wirtschaftspraxis allerdings nicht, wie etwa Nassim N. Taleb gezeigt hat.

Dennoch, ein klassisches Schneeballsystem vermag ich darin nicht zu erkennen.

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Von: Beate http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/comment-page-1/#comment-16358 Mon, 15 Aug 2011 09:50:10 +0000 http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/#comment-16358 Ich habe ein Verständnisproblem.
Warum schätzen die Kreditgeber das Risiko des Zahlungsausfalls permanent falsch ein.
Und kaufen CDS.
Ist es ein konjunkturelles Phänomen?

Die CDS – Geber , also die Versicherer, woher wissen die die Risiken richtig einzuschätzen?
Seit wann kann die Ökonomie konjunkturelle Phänomene über mehere Jahre vorhersagen?
Welcher Geheimwissenschaft bedienen sich die Kreditversicherer?

Meiner Ansicht nach, versuchen die Kreditversicherer, den Pool der Kredite die gegen Zahlungsausfall versichert werden sollen, ständig zu erweitern. Um so das Gesamtrisiko minimieren.
Es ist also das klassische Schneeballsystem.

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Von: Sascha http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/comment-page-1/#comment-16357 Mon, 15 Aug 2011 06:55:43 +0000 http://www.blicklog.com/2011/08/15/credit-default-swaps-sind-keine-massenvernichtungswaffen-und-drfen-keine-geheimwissenschaft-bleiben/#comment-16357 Die Diskussionen zu CDS sind in der Tat immer wieder erstaunlich. Insbesondere wundert mich, dass CDS immer nur für den Worst Case Fall betrachtet werden: das Kreditereignis. Natürlich ist das Kreditereignis die Basis jeden CDS, und letztlich auch der einzige Unterschied zu einer „normalen“ Bürgschaft. Letztlich dienen Kreditereignisse jedoch nur der Rechtssicherheit und ermöglichen eine strukturierte Abwicklung indem sie Rechtsstreitigkeiten zwischen den Vertragspartner vermeiden.

Bzgl. der Sinnhaftigkeit von CDS auf Deutschland oder Ähnlichem ist mir die Diskussion auch nicht ganz klar. Natürlich setzt keiner, der Protection aktuell verkauft auf den „Bankrott“ von Deutschland. Und auch keiner der Protection kauft, hat wirklich akute Angst vor dem Bankrott von Deutschland.

Der Hintergrund für Geschäftsabschlüsse in CDS auf Deutschland liegt natürlich darin, wie bei jedem Finanzgeschäft, dass die aktuelle Marktbewertung des Ausfallrisikos für Deutschland, sprich der Credit Spread, von verschiedenen Marktteilnehmer unterschiedlich eingeschätzt wird. Jemand der Protection verkauft, schätzt die aktuellen Spreads von 80+ als zu hoch ein und geht davon aus, dass diese wieder zusammenlaufen. Jemand der Protection kauft, will (weitere) bonitätsinduzierte Marktwertverluste in seinen Bundesanleihen absichern oder geht von einer weiteren Verschlechterung der Bonität aus, er „spekuliert“ also. Auch das ist aus meiner Sicht legitim und gehört zum Finanzmarkt bzw. erhöht dessen Liquidität (und erschwert damit Marktmanipulation).

Die ganzen Verschwörungstheorien kann ich nicht wirklich ernst nehmen und scheinen tatsächlich aus Unwissenheit bzw. Unverständnis des Marktes zu resultieren…

Zum „Moral Hazard“: Restrukturierung ist eigentlich auch ein Kreditereignis, zumindest außerhalb der USA. In den USA ist Restrukturierung als Kreditereignis nur deshalb überflüssig, da Chapter 11 (=Kreditereignis) – im Unterschied zur Insolvenz in Deutschland – explizit auf die Unternehmensfortführung (=Umstrukturierung) ausgerichtet ist.

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