Kommentare zu: Machtbeben – Anmerkungen zur Zukunft der Medienindustrie http://www.blicklog.com/2012/09/19/machtbeben-anmerkungen-zur-zukunft-der-medienindustrie/ Notizen über Wirtschaft, Finanzen, Management und mehr Thu, 09 Oct 2025 13:01:47 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.0.25 Von: RalfKeuper http://www.blicklog.com/2012/09/19/machtbeben-anmerkungen-zur-zukunft-der-medienindustrie/comment-page-1/#comment-83160 Thu, 20 Sep 2012 14:31:09 +0000 http://www.blicklog.com/?p=29025#comment-83160 Der Qualitätsverlust bei den Printmedien wie auch in Film und Fernsehen ist nicht mehr zu übersehen – auch bei den sog. Leitmedien. Häufig sind es nur noch Durchlauferhitzer für Nachrichten mit überschaubaren Informationsgehalt. Die besten Artikel in den Zeitungen stammen sehr oft von Autoren, die hauptberuflich außerhalb des Mediensektors arbeiten. Hinzu kommt, dass viele Journalisten die selben Schulen besucht haben, wie z.B. die Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Da wundert es dann nicht mehr, wenn sich die Artikel zum verwechseln ähneln. Ob der Qualitätsanspruch der Konsumenten jetzt so angestiegen ist? Da bin ich skeptisch. Es ist allerdings nicht mehr so leicht wie früher, seine Ware am Markt zu platzieren, da das Angebot stark angestiegen und die Kanäle nicht mehr von einigen wenigen Anbieter kontrolliert werden können. In den Massenmedien herrscht noch immer die Kultur der Massenproduktion, daher auch die Probleme mit den „Sunk Costs“. Alles in allem stehen der Branche noch einige Umbrüche ins Haus.

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Von: RalfKeuper http://www.blicklog.com/2012/09/19/machtbeben-anmerkungen-zur-zukunft-der-medienindustrie/comment-page-1/#comment-83037 Wed, 19 Sep 2012 18:18:20 +0000 http://www.blicklog.com/?p=29025#comment-83037 @Wolfgang Gierls
Die Aussagen von Tim Renner, dass die Finanzkraft im Mediengeschäft an Bedeutung verlieren wird, halte ich auch für sehr optimistisch. Um die, wie Sie richtig sagen, nötige Aufmerksamkeit erzielen zu können, ist noch immer ein enormer Aufwand von „klassischem“ Marketing und damit von Finanzmitteln nötig. Mag sein, dass sich die Aufmerksamkeit auch mit viralem Marketing http://de.wikipedia.org/wiki/Virales_Marketing herstellen lässt ..
Der Ansatz von Renner klingt für mich eher wie eine Neuauflage des Genossenschaftswesens im Mediensektor – eine interessante und womöglich auch zukunftsweisende Idee. Das würde an der Bedeutung der Finanzmittel nicht allzu viel ändern, allerdings wären die Verteilung und Mitsprachemöglichkeiten andere. Renners Ansatz ist, wenn ich ihn richtig verstanden habe, eher dem Motto „Qualität statt Quantität“ verpflichtet. So gesehen braucht er dann auch nicht die Aufmerksamkeit, wie ein typischer MTV-Ohwurm. Das Geschäftsmodell entspräche dann dem, was Chris Anderson als „Long Tail“ bezeichnet hat. http://de.wikipedia.org/wiki/The_Long_Tail Damit würde sich dann auch die Bedeutung der Finanzkraft relativieren.
Für Apple & Co. ist dagegen die Kombination aus Finanzkraft und Marketing der entscheidende Hebel. Mit beidem ist Apple ja reichlich gesegnet -;) Schwieriger wird es dagegen für die „klassischen“ Medienkonzerne, die der Finanzkraft, dem Marketing-Geschick und der Technologie von Apple, Amazon und Google (und vielleicht auch noch Microsoft) nur wenig entgegenzusetzen haben.

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Von: Wolfgang Gierls http://www.blicklog.com/2012/09/19/machtbeben-anmerkungen-zur-zukunft-der-medienindustrie/comment-page-1/#comment-83030 Wed, 19 Sep 2012 17:18:19 +0000 http://www.blicklog.com/?p=29025#comment-83030 Danke, dass Sie darauf aufmerksam machen, dass uns nicht nur die Finanzwelt einen Wandel bescherrt. Als ökonomisch interessierter Beobachter verengt sich der Blick zuweilen. Aber eine Aussage fällt mir schwer zu akzeptieren: „Die Idee zählt, das Können ist wichtig, die Finanzkraft zunehmend vernachlässigbar.“
Gerade bei der Vielfalt der Möglichkeiten, die sich aus den neuen Medien ergeben, ist es doch von Bedeutung Aufmerksamkeit zu erzielen. Wenn wir im weiteren Sinne Apple zu den MEdienkonzernen zählen, so zeigen doch die letzten Berichte, dass sehr viel Kapital in Marketing investiert wurde.

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Von: Marsman http://www.blicklog.com/2012/09/19/machtbeben-anmerkungen-zur-zukunft-der-medienindustrie/comment-page-1/#comment-82934 Wed, 19 Sep 2012 07:31:10 +0000 http://www.blicklog.com/?p=29025#comment-82934 Die Ursachen für die Veränderungen in den Medienmärkten könnten vielleicht
auch damit zu tun haben dass die Medienunternehmen oft genug regelrecht
selbstmörderisch agieren, Lemminge sind, die aus eigenem Antrieb auf den
Abgrund zusteuern.

Beispiel: Jeff Jarvis, der Medienprofessor in New York, hat gerade unlängst wieder mal den Finger auf einen wunden Nerv gelegt. Er kritisierte wohl recht zutreffend den politischen Rummel der Medien in den USA. Er schrieb dazu:

I challenge every journalist in Tampa for the Republican convention — every one of the 15-16,000 of you — to answer this:
* Why are you there?
* What will we learn from you?
* What actual reporting can you possibly do that delivers anything of value more than the infomercial — light on the info, heavy on the ‘mercial — that the conventions have become?
* Would you be better off back at home covering voters and their issues?
* Can we in the strapped news business afford this luxury?

Figure that those 15k journos spend $300 a night each on a hotel room times five nights, plus $500 for transportion. That’s $2,000. And I’m figuring they’ll be slurping up free meals and drinks. So $2,000 is probably (pardon me) conservative. That’s $30,000,000. Now multiply that times two conventions. That’s $60,000,000.

Und er vermerkt weiter:
Note that even while newspapers and news organizations have shrunken drastically, we are sending the same number of journalists to the conventions that we sent in 2008 and 2004. ….
….At least 3,775 newspaper jobs were lost last year; 39,806 since mid-2007; one in three newsroom jobs have been eliminated since 1989. How’s that make you feel, convention press corps? ….
http://buzzmachine.com/2012/08/25/reporters-why-are-you-in-tampa/

Derselbe Jarvis schrieb vor einigen Jahren dass wenn bloss die Hälfte der politischen Journalisten gefeuert werden würden, es immer noch zu viele
gäbe. Es gibt wohl sehr viele mittlerweile verlorene Medienkonsumenten
in den USA die Jarvis nicht gelesen haben aber vo9n sich aus zur selben
Ansicht kamen und entsprechend reagierten, dh. den Medienkonsum wohl
auch diesem Grunde drosselten.

Dann gab es vor einigen Jahren mittlerweile sehr viel weniger gewordenen
Medienrummel zu allen mäglichen unsinnigen Themen. Man denke nur an
Meldungen über Britney Spears, Paris Hilton, usw., dreimal täglich.
Die Kommentarspalten vieler Zeitungen etwa waren damals voll von
Kommentaren von Lesern die verdrossen waren von solchen „frenzies.“
Die Medien konnten gaben nichts auf solche einzelnen Meinungen und
Leser und konnten, das gaben sie schon mal offen zu, auf diese verzichten.
Tatsache war, das es nicht bloss ein paar Einzelne waren, sondern eine ganze
Menge die sich verabschiedet haben.
Und die Medien haben das noch immer nicht begriffen. Ergo kommen wohl
die nächsten Quartalberichte die jeweils von reduzierten Einnahmen
berichten.
Die Kurve wird wohl weiter nach unten gehen, wie diese zum BeispielÖ
http://www.businessinsider.com/newspaper-advertising-collapse-2012-9

Dann gibt es etwa die Krise der Filmwirtschaft. Seit 2008 gibt es eine
akute „Krise“ dieser Branche. (Ich lebe in Irland und habe manchmal
geringfügig mit der irisch – nordamerikanischen Filmwirtschaft zu tun,
bin da manchmal sowas wie ein Zaungast.)
Seit Jahren ist bekannt dass nicht die Piraterie das Problem ist sondern der
Mangel an etwas geistreicheren und intelligenteren Filmen und Serien.
Man hat sich auch in dieser Branche auf den Markt mit den schlichten Gemütern,
man war da schon mal ganz offen in dieser Orientierung, verlassen. Man hielt dieser Geschäft für todsicher. Und hat jetzt eben „Krise“.

Mittlerweile zeichnet sich da, etwas sensitiver betrachtet, allerhand ab.
Nämlich dies dass das Ansehen von Filmen allein zum Zeitvertreib, zum
Todschlagen der Zeit, gravierend abnimmt. Bedingt gab es Leute die sich
irgendwie gratis bedient haben, das war für manche die Sache, der Zeitvertreib.
Bis es halt offensichtlich soweit kam dass die Leute schlichtweg auch davon
übersättigt waren und sich nicht mehr alles einziehen.

Während auf der einen Seite viel vom Leitungschutz, die Piraterie, usw. die
Rede ist, löst sich dieses Problem vielleicht ganz von selber, auf ganz andere
Weise. Die Leute die sich gestern noch alles eingezogen haben haben heute
ein ganz andere Problem, Nämlich wie sich die Zeit vertreiben sollen, und
womit vor allem, wenn es eben um Zeitvertreib und „Unterhaltung“ geht.
Das Filmangebot, so wie es wie bisher bestand, kommt dafür in immer
geringerem Umfang in Frage.
Das ist menschlich irgendwie auch verständlich sieht man sich nur das
ganze Angebot mal etwas umfassender an, ohne jeden Puritanismus,
Sektierei. Es bedarf wohl wirklicher Masochisten. und davon gibt es
längerfristig offensichtlich nicht genug.
U.a. „bemerkten“ vor kurzer Zeit sogar die Kulturfritzen der Medien in
England dass viele Filme nur wegen Steuerabschreibmodellen gedreht
wurden, aus diesem Grund überhaupt gedreht wurden. Wenn die notorischen
Kulturmenschen in den Medien mal was „bemerken“ kann es schon mal
sein dass wirklich wo nicht bloss Feuer am Dach ist, sondern das Haus lichterloh
in Brand steht. Oder mit anderen Worten, die Konsumenten in grösseren
Zahl endgültig von was genug haben.

Ähnliches gilt wohl auch für die Buchbranche.

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