Krise oder Skeptiker im Kielwasser der Krise?

by Udo Stähler on 12. März 2014

Ein Gastbeitrag von Udo Stähler*

Mittelständische Firmenkunden sind zu Recht stolz auf das deutsche Geschäftsmodell, auf die erfolgreiche Ergänzung von internationaler Ausrichtung, Innovationsstärke und Sozialpartnerschaft. Haben wir die Finanzkrise dank unserer breiten industriellen Basis überwunden oder steht uns eine Krise der Realwirtschaft bevor?

Es wurde viel darüber berichtet, dass Verbände und Politik ein entspanntes 2014 erwarten. Unternehmer, mit denen ich spreche, sind guter Dinge, doch so ganz wohl ist ihnen gerade vor dem Hintergrund des herben Rückschlags für die Wertschöpfung in der Finanzkrise, die überbordenden Staatsschulden und der wirtschaftlichen Probleme in den südeuropäischen Ländern der EU nicht. Nun wartet das Wall Street Journal mit einer Neuauflage der diesmal „kranken Männer Europas“ – inklusiv Deutschland – auf.

Noch Ende 2013 verkündete das Münchener ifo-Institut, die Rahmenbedingungen seien in Deutschland sehr günstig. Die Stimmung in den Unternehmen sei so gut wie seit über eineinhalb Jahren nicht mehr. Das bestärkt den Glauben an unser erfolgreiches Geschäftsmodell, doch der jüngst leichte Rückgang der Industrieproduktion, des Einzelhandelsumsatzes und der tendenziell sinkenden Investitionen im Inland schafft ein gewisses Unbehagen.

Auch die Nachricht über „Die Euro-Wette des George Soros“ (FAZ) gibt Anlass zu Fragen über die Einflüsse des Kapitalmarktes auf die Realwirtschaft und damit auf ihr Unternehmen. Unternehmer wollen wissen, ob dieser exzellente Kenner des Kapitalmarktes und gefürchtete Spekulant vielleicht offener und ehrlicher als Politiker und Verbände auf Umstände hinweist, die sie beachten sollten. Im Gespräch mit Gregor Peter Schmitz „Wetten auf Europa“ behauptet er, dass Deutschland Europa retten müsse, um sich selbst zu retten. Soros über Soros:„Wer wäre besser als ich qualifiziert, den Kapitalismus zu kritisieren?“

Noch etwas bewegt meine Kunden: Ist die Börse stabil, steigt der DAX weiter? Der Hintergrund ist wieder der gleiche: sie trauen dem Braten nicht. Spiegelt die Börse wider, wenn Unternehmen im Inland nicht investieren? Da mein Job das Management in kritischen Unternehmenssituationen ist, halte ich mich an harte Fakten: die Investitionsneigung steht auf gelb. Spekulanten können auch Geld verdienen, wenn sie auf Baisse wetten, Kapitalgesellschaften können Shareholder-Value generieren, doch die Pflege der Wertschöpfungsprozesse macht dem Mittelstand Sorgen.

Eine große Bedeutung hat unvermindert die Frage der Geld- und Währungsstabilität. Die Wehmut durch den Verlust der harten DM ist trotz der rational nachvollziehbaren Vorteile seit der Einführung des EURO unvermindert. Hinzu kommt aktuell eine weitere Frage: Was ist das mit dem „Krieg um das sichere Geld der Zukunft“?

Der Soziologieprofessor J. Huber von der Universität Halle erreicht mit seiner These, dass das jetzige Geldsystem immer schlimmere Krisen hervorbringe, viele um Geld- und Währungsstabilität besorgte Mittelständler. Andere, so der Euroskeptiker Frank Schäffler von der FDP, springen da gerne auf. Die aktuelle Diskussion über die Maßnahmen der EZB gegen die Krise im EURO-Raum bis hin zum Für und Wider von Bitcoins, erhöht die Aufmerksamkeit für diese Thesen. Verständliches Unbehagen wird für wissenschaftlichen Populismus benutzt: Die Geldschöpfung der Banken wird nicht mehr als Konsequenz der für die Produktivitätsentwicklung der Realwirtschaft unverzichtbaren Kreditvergabe gesehen, sondern als Vorbote der nächsten Blase, die platzen werde.

Trotz der positiven Konjunkturprognosen „lebt“ die Krise weiter, wie diese Beispiele zeigen. Im Kielwasser der ökonomischen Turbulenzen surfen Soros, Börsen- und Propheten des Untergangs. Aber die Situation ist beherrschbar, was diese Beispiele nicht zeigen. Der Wertschöpfungsprozess ist beim Mittelstand weiterhin in guten Händen. Diesbezüglich wäre beherztes Handeln der Politik von Vorteil (Blick Log 13.02.2014 Heißt neoliberal jetzt Handeln?). Die internationale Ausrichtung der deutschen Industrie wird den euroskeptischen Populisten im Kielwasser der Finanzkrise und ihrem ökonomischen Flügel in der AfD hoffentlich den Wind aus den Segeln nehmen.

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Udo Stähler ist Diplom Volkswirt und Interim Manager. Er war über 25 Jahre in leitenden Funktionen im Firmen- und gewerblichen Immobilienkundengeschäft von Bankkonzernen tätig.

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