Innovation in der Payment Industrie (Teil 2)

by Gastbeitrag on 6. Mai 2014

Gastbeitrag von Daniel Eckstein*

Direkte Fortsetzung vom hier erschienenen Teil 1

Innovation, resp. Convenience bedeutet höhere Transaktionspreise

Damit die Innovation möglich ist, werden oft neue Geschäftsmodelle und neue Entitäten in der Kartenwelt erfunden. Dies war schon im E-Commerce Bereich der Fall, als die Rolle des PSP (Payment Service Providers) erfunden wurde. Im MPOS Bereich sind es nun die Payment Facilitator. Diese ermöglichen den Kunden einen schnellen Vertragabschluss führen aber auch zu höheren Kommissionen. Grössere Händler sind üblicherweise nicht interessiert wenn die Kommissionen zu hoch werden. Grössere Händler wollen tiefe Kommissionen. Die Anschaffungskosten für die Hardware sind Ihnen nicht so wichtig wie die Transaktionskosten. Dies steht diametral gegen das Geschäftsmodell der MPOS Firmen.

Trend 2: der Kostendruck

Die Kosten für die Transaktionen sollen möglichst tief gehalten werden. Aus diesem Grund ist es nicht sehr geschickt immer mehr Firmen in die Transaktionskette zu integrieren, da alle diese Firmen überleben und etwas verdienen müssen.

Bank to Bank Payments

Die Kreditkartenfirmen haben viel Gutes für uns Konsumenten getan. Es wurde uns schon vor dreissig Jahren ermöglicht ins Flugzeug zu steigen, nach New York zu fliegen und dort ein Steak zu essen. Bezahlt haben wir mit unserer Kreditkarte. Das Geld floss dann irgendwie von Konsumenten zum Händler. Fast schon magisch. Es war total OK, dass man für diesen Service eine Kommission bezahlen muss. Aber ist das immer noch zeitgemäss?

Im heutigen Zeitalter wäre es eigentlich denkbar Zahlungen direkt von Konto zu Konto zu überweisen. Und dies sehr zeitnah. Oder Nahe an Real-Time. Leider sind die heutigen Bankennetze nicht dafür ausgelegt Zahlungen realtime zu verarbeiten. Aber bereits heute gibt es mehrere Anbieter die Bank to Bank Payments schon im Ecommerce anbieten da dort die Geschwindigkeit der Zahlungsabwicklung nicht so sehr im Fokus steht wie am POS.

Bank to Bank Payments sind kostengünstig. Aber auch hier müssen „Facilitator-Firmen“ Aufgaben übernehmen um die Zahlungsabwicklung für die Kunden zu ermöglichen. Nichts desto trotz sind die Zahlungen immer noch günstiger als Kreditkarten-Zahlungen. Normalerweise kosten diese Zahlungen  eine technische Transaktions-Gebühr. Dies ist ab einem Betrag von 50 Euro fast in jedem Fall billiger als eine prozentuale Kommission. Daher lohnt es sich diese Zahlungsmethoden bei höheren Beträgen anzubieten. Bereits gibt es einige Anbieter für solche Lösungen wie, Dwolla, Sofortüberweisung, Axoola, etc.

Sind Banken Innovations-Killer?

Aber wieso müssen eigentlich immer Drittfirmen für die Innovation sorgen. Es ist aus den obigen Ausführungen doch eigentlich klar, dass die schnellste und kostengünstigste Transaktion eine Zahlung von Bank zu Bank ist. Aber warum gibt es diese Möglichkeiten defacto nicht? Sind die Banken unfähig innovative respektive zeitgemässe Lösungen anzubieten? Technisch betrachtet denke ich eher nicht, politisch eher schon. Das Geschäft mit den Transaktionen ist ein riesiges Business. Die Lizenznehmer von VISA und Mastercard sind hauptsächlich Banken. Transaktions-Prozessoren gehören oft den Banken. Die Banken verdienen sehr viel Geld mit der Verarbeitung von Transaktionen. Wieso soll daher eine Innovation aus der Bankenwelt kommen, welche die bestehenden, gut etablierten und sehr ertragsstarken Geschäftsfelder kanibalisieren? Niemand aus der Bankenwelt hat Interesse an einem solchen Szenario. Daher muss die ganze Innovationskraft dieser Branche von kleinen Firmen stammen die in den Grauzonen der Regulationen neue Geschäftsideen realisieren.

Mobile NFC Payments

Das obige Problem trifft auch sehr schön auf „mobile NFC Payments“ zu. Es ist mittlerweile in aller Munde, dass scheinbar alle Konsumenten mit dem Handy bezahlen möchten. VISA und Mastercard haben einen Standard für kontaktlose Transaktionen erfunden, welcher es mittels NFC-Technologie ermöglicht, Zahlungen mit kontaktlosen Karten oder Mobiltelefonen abzuwickeln. Mit kontaktlosen Karten funktioniert der Standard einwandfrei. Bei Mobiltelefonen ist die Situation leicht anders. Ein Mobiltelefon ist gemäss den Standards der Kartenindustrie nicht sicher. Die Karteninformationen müssen aber im Telefon sicher gespeichert werden. Dazu braucht es im Telefon ein Secure Element und jemand der diesem Secure Element vertraut (Trust relation). Üblicherweise ist diese Secure Element die SIM Karte und die Organisation die die SIM Karte überprüfen kann sind die Telko’s. Dabei verfügen die Telko’s über sogenannte TSM-Dienste (Trust Service Manager) welche diese Trust-Relation herstellen können. Technisch ist das perfekt. Alles funktioniert bestens. Nur macht leider niemand bei diesem System mit.

Dies hat einen einfachen Grund: bei diesem System-Design sitzen die Telko im Transaktionsfluss. Das ist aber die Domäne der Banken. Die Banken haben alles andere als Freude ihre Erträge mit den Telko‘s zu teilen. Ebenso ist es nicht im Interesse der Banken, dass die Telko’s die Hoheit über die Transaktions-Sicherheit haben. Daher sind in der Schweiz die Fronten verhärtet und die Banken können sich maximal zu einigen kleinen Pilotversuchen überzeugen lassen. Das gleiche gilt auch in anderen Ländern. Banken kümmern sich um die Abwicklung von Zahlungen, Telko’s sollen die Konnektivität sicherstellen. Solang dies so ist, ist alles gut. Wenn sich die Kräfte verschieben, führt dies zu Stillstand im Markt.

Was gibt es sonst noch?

Die Manor hat seit einigen Wochen eine neue Payment Application für Mobiltelefone. Diese Lösung basiert auf der Kartenbasis von MyOne (Manorkarte) und ist somit nicht den Anforderungen der globalen Kartenanbieter wie VISA oder Mastercard unterstellt. Daher kann Manor die Technologie sowie die Verarbeitungsmethode der Transaktionen selber bestimmen. Hierbei setzt Manor, in Zusammenarbeit mit ihrer Tochterfirma Accarda, auf die Barcode Technologie. Diese Technologie wird von allen Smartphones unterstützt, inklusive den iPhones die bis heute kein NFC unterstützen. Möchte ein Kunde mit seinem Handy bezahlen, so wird auf dem Handy ein Barcode (Payment Token) erzeugt. Dieser Barcode wird dann von der Kasse gescannt. Da die Kasse mit dem EFTPOS Terminal verbunden ist, wir die Zahlung über die sichere Infrastruktur der EFTPOS Terminals abgewickelt. Hierbei kann ebenfalls mittels PIN-Eingabe am Terminal der Benutzer authentisiert werden.

Keine schlechte Lösung, da sie auf allen Mobiltelefonen verfügbar ist. Die Lösung verfügt über einen sehr hohen Sicherheitsstandard und Betrugsmöglichkeiten sind weitgehend ausgeschlossen. Im Moment ist nur die Zahlungsfunktion aktiviert. Dies ist noch nicht sehr sexy für die Benutzer. Da das System aber von Accarda, einem der grössten Loyality-Anbieter der Schweiz betrieben wird, könnte man sich vorstellen, dass die Zahlung mit Loyality kombiniert wird. Dann wird es schon richtig sexy für die Konsumenten. So kann z.B. bei Zahlung geprüft werden, ob für diesen Kunden ein Coupon oder ein Rabattgutschein vorliegt. Dieser könnte dann einfach eingelöst werden. Und dann hat die Lösung ein absolutes Alleistellungsmerkmal. Wenn man nämlich mit MyOne Mobile bezahlt, gibt es die Möglichkeit, dass man mittels einem Rabatt überrascht wird. Dies ist mir noch nie bei einer anderen Zahlkarte passiert.

Ganz generell hat Manor aber nun eine „Mobile-Zahlungsplattform“ und sie können Erfahrungen sammeln, und prüfen was funktioniert und was nicht. Diese Erfahrung sowie der weitere technologische Fortschritt ermöglichen es weitere innovative Zahlungsarten anzubieten.

Hand-free payment

Eine mögliche Evolution einer solchen Lösung wäre eine Hand-Free Payment Lösung. Diese wird bereits heute bei Starbucks angewendet. Hierbei meldet eine auf dem Smartphone installierte App der Starbucks-Kasse, dass man sich im Laden befindet. Hierzu wird die GPS Technologie verwendet. Auf der Kasse erscheint das Foto des Kunden und der Kunde wird so durch das Kassenpersonal identifiziert. Die Zahlung findet automatisch statt, ohne dass der Kunde das Mobiltelefon in die Hand nehmen muss. Ziemlich easy und sexy. (Diese Lösung wurde übrigens ebenfalls von Square erfunden.)

Diese Lösung funktioniert üblicherweise nur mit privaten Zahlkarten, in obigen Fall mit der Starbucks-Karte, welche nicht den VISA und Mastercard Rules unterstellt sind. Manor verfügt ebenfalls über eine private Zahlkarte sowie über eine mobile Zahlungsplattform. Daher ist Manor bestens für die Zukunft gerüstet.

Zukunftsprognose

Visa und Mastercard werden stärker werden und immer mehr Transaktionen abwickeln. Ich glaube nicht, dass jemand einen Kampf à la David gegen Goliath mit den Banken austragen will. Dies obschon mit PayPal, Google, Facebook, Apple, etc. einige David’s parat stehen welche die Geschäftsmodelle der Banken durchaus ein bisschen ins Wanken bringen könnten. Dies hätte aber auch schon heute passieren können, aber scheinbar hat niemand das Bedürfnis hier etwas zu ändern.

Sicherlich werden aber private Karten à la Starbucks und Manor erfolgreich sein, da es mit diesen Karten möglich ist ein gute „Customer Experience“ zu ermöglichen. Hierbei denke in vor allem an die Kombination von Payment, Loyalty und Convenience beim Zahlvorgang.

Im MPOS Markt werden diverse Firmen wieder verschwinden. Hier befinden wir uns in einer Blase die sicherlich platzen wird. Daraus werden aber Lösungen hervorgehen, die es kleinen Händlern ebenfalls ermöglichen Karten zu akzeptieren. Ich denke, dass wir uns hier in einer Phase vergleichbar mit dem Ecommerce-Boom 2001, kurz vor dem Platzen der Internetblase, befinden.

In Zukunft wird sicherlich mehr bargeldlos bezahlt. Hierbei werden alle möglichen Technologien verwendet werden: Handy, Karten, KeyFobs, BarCodes, etc. Dank den Mobiltelefonen wird es möglich sein, viele Karten auch sich zu tragen. Im Moment denke ich, es wird eher hunderte von Kartenapps mit unterschiedlichen Technologien geben, als ein Wallet welches alle Karten beinhaltet.

Hirngespinste oder Innovationen?

Hier möchte ich Ihnen noch meine „Lieblingsinnovationen“ vorstellen. Einiges davon ist sehr fragwürdig und daher eher unter dem Motto „Spiel, Spass und Sport“ zu verstehen.

Loop, in Gründung

http://www.kickstarter.com/projects/loop/pay-with-loop

Magnetkarten Emulator für Smartphones

Geode iCache

http://www.zdnet.com/first-look-icache-geode-digital-wallet-for-iphone-verdict-cool-but-half-baked-7000001440/

Ging leider in der Zwischenzeit Konkurs

COIN

https://onlycoin.com/

Programmierbare Magnetkarte

Card iO

https://www.card.io/

OCR Scanning von Kartennummern.

Google Glass Payments

1.4.2013 = 1. April Scherz

http://www.pymnts.com/briefing-room/mobile/mobile-payments/2013/google-glass-launches-stare-for-fare-visual-payments/

Jetzt scheinbar real.

http://www.itproportal.com/2013/10/21/google-glass-real-money-payments-way/

http://www.ibtimes.com/google-glass-gets-mobile-payment-app-intuit-adapts-gopayment-app-smart-glasses-1432604

Übersicht über MPOS Lösungen

http://www.pymnts.com/briefing-room/mobile/MPOS-Tracker/mpos-tracker/

Übersicht über „mobile Wallets“

https://www.pinterest.com/skipallums/mobile-wallets-payments/

weitere Links aus dem Vortrag:

https://squareup.com/

https://www.izettle.com/

http://www.manor.ch/de/mobile+card+app/mobile-payment.html

https://www.dwolla.com/

http://www.axoola.com

http://techcrunch.com/2012/11/07/square-wallet-will-now-be-accepted-in-over-7000-starbucks-stores-in-the-united-states/

https://masterpass.com/index_uk.html

https://www.v.me/

Studie über EMV-Kompatible Transaktionen mit einem Mobiltelefon ohne Partizipation der Telekommunikationsanbieter (HSR)


* Daniel Eckstein ist CEO der Abrantix AG Zürich. Der Beitrag ist zuerst im Blog der Abrantix AG erschienen und basiert auf einem Vortrag auf dem Swiss Payment Forum. Der Crosspost erfolgt mit Genehmigung von Daniel Eckstein.

Die Präsentation zu dem Vortrag findet sich hier.

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