Wie benehme ich mich als Mann politisch korrekt?

by Jakob Wega on 26. Juni 2015

Vor einigen Tagen gab es wieder einen Sexismus-Skandal, der in seinen Dimensionen noch den Fall Brüderle bei Weitem übertraf.

Der 72-jährige britische Biochemiker und Krebsforscher Tim Hunt, der 2001 für seine Arbeit über die Kontrolle des Zellzyklus den Nobelpreis für Medizin erhielt, wurde vor wenigen Tagen anlässlich einer Dinner-Speach in Süd-Korea als „Chauvinisten-Schwein“ entlarvt.

So sagte er ausgerechnet auf einer Konferenz von Wissenschaftsjournalistinnen in Seoul:

„Lassen Sie mich von meinen Problemen mit Mädchen berichten. Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen.“

Als Konsequenz forderte Hunt getrennte Labore für Frauen und Männer.

Da es sicher ist, dass man als Brite garantiert keinen Humor hat, nicht mal schlechten, war offensichtlich, dass Hunt es mit seinen Äußerungen ernst meinen musste. Ein medialer Sturm der Entrüstung brach los, der ihn gleich mehrere Jobs kostete: Er verlor seine Professur am University College London, seine Stelle am European Research Council (ERC) und einem Komitee der Royal Society. Ihm half auch nicht, dass sich diverse ehemalige Studentinnen meldeten, die sich von Hunt nicht diskriminiert, sondern im Gegenteil sogar gefördert fühlten.

Dumm für Hunt war, dass er zwar bekannte Tatsachen geschildert hatte, sie aber politisch inkorrekt formulierte. Hätte er gesagt: „Auf Frauen im Labor reagieren Männer triebgesteuert, dann fallen die Damen auf die falschen Versprechungen der geilen Kerle herein; und wenn man Frauen kritisiert, reagieren sie sensibler als die halbautistischen Männer“, wäre genau der gleiche Sachverhalt beschrieben worden, nur aber eben politisch korrekt.

Jedem Mann kann Ähnliches wie Herrn Hunt passieren: Er sagt irgendetwas oder macht irgendetwas Missverständliches, und wird dann mittels sozialer Medien an den Internetpranger gestellt, weil dies angeblich rassistisch oder sexistisch oder sonstwie verachtenswert war. Frauen können sich zwar auch politisch inkorrekt benehmen, allerdings nur in ökologischer oder rassistischer Hinsicht, ansonsten sind sie besser Opfer.

Ein jüngstes Beispiel für eine politisch inkorrekte Frau ist die Stewardess von United Airlines, die sich auf einem Flug weigerte, einer Muslimin aus angeblichen Sicherheitsgründen eine ungeöffnete Cola-Dose zu geben. Diese schwerwiegende Diskriminierung führte nach dem Posting der Untat auf Facebook natürlich sofort zu einem Aufschrei bei der Internet-Community.

Deswegen sprechen die folgenden Ratschläge, wie man sich im Zweifelsfalle politisch korrekt verhält, vor allem Männer an. Sie gelten im Bezug auf Ökologie und Rassismus aber auch für Frauen:

  • Kaufen Sie ruhig weiter Ihre Kleidung bei Primark. Achten Sie aber darauf, keinesfalls hinterher mit den dick gefüllten Tüten dieser Firma durch die Innenstadt zu laufen. Sonst müssen Sie sich noch mit irgendwelchen nervigen Bekannten, die zuffällig getroffen werden, über Arbeitsbedingungen in Bangladesh unterhalten. Ihr Smartphone brauchen Sie aber nicht verstecken. Dies ist zwar wahrscheinlich auch irgendwo in Asien zu ausbeuterischen Bedingungen hergestellt worden, was aber niemanden interessiert, weil es so fashionable ist.
  • Machen Sie nie Witze über Anhänger seltsamer Nischen-Religionen, Farbige, Homosexuelle, Frauen, Rentner, Beamte, Asylanten, etc. Wenn Sie Ihre schlechte Laune an einer Minderheit auslassen wollen, dann eignen sich Pädophile hervorragend dafür. Die hasst jeder, und zwar zurecht. Sie können auch Witze über Männer mittleren Alters oder Katholiken machen, mit denen identifiziert sich fast keiner. Wenn Sie selbst ein Mann mittleren Alters sind, signalisieren Sie mit lustigen Bemerkungen über Männer mittleren Alters eine gewisse Selbstironie. Am besten sind aber schlüpfrige Bemerkungen über pädophile Katholiken mittleren Alters.
  • Nehmen Sie immer nur undurchsichtige Mülltüten. So fällt Ihrem Nachbarn nicht auf, dass Sie Müll nur ganz selten trennen.
  • Kaufen Sie bei Aldi oder Lidl bevorzugt die Bio-Produkte. Damit können Sie von den Vorteilen der ökologischen Massentierhaltung profitieren und eine gesunde Lebensweise simulieren, ohne die irren Preise im Reformhaus oder Bioladen zahlen zu müssen.
  • Gewöhnen Sie sich daran, alles, was im Leben schief läuft, auf die Macht der Großkonzerne zu schieben. Insbesondere wenn man selbst ein Versager ist und es nicht geschafft hat, sich rechtzeitig verbeamten zu lassen, können nur ausbeuterische kapitalistische Mächte am eigenen Elend schuld sein. Mit dieser Einstellung finden Sie auch schnell neue Freunde und können ein erfülltes Sozialleben in einem großen Kreis von Gleichgesinnten führen.
  • Erzählen Sie allen Leuten, dass Sie sich den neuen BMW nur gekauft haben, weil er im Durchschnitt 0,3 Liter pro 100Km weniger verbraucht, wenn mit 200 km/h über die Autobahn geheizt wird. Diesen aktiven Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel kann man nicht groß genug herausstellen. Verschweigen hingegen sollte man, dass Sie auch im neuen Auto rauchen und Bier aus Dosen trinken. Politisch korrekter ist, auf Pfandflaschen umzusteigen, aber die sind beim Fahren halt so unpraktisch.
  • Verbieten Sie nie Ihren Abkömmlingen, mit zweitklassigen Kindern von ungeliebten Ausländern oder sozial schwacher Schichten zu spielen. Überschütten Sie diese lieber mit teuren Klamotten, Videospielen, Smartphones etc. Erstens baut dies eine unsichtbare Mauer zwischen Ihrem Nachwuchs und den Sprösslingen finanziell weniger gutgestellter Mitbürger auf; zweitens haben Ihre Kinder dann sowieso weniger Lust, sich mit anderen abzugeben. Richtig abschreckend wirkt, wenn Sie ihre Kinder regelmäßig dazu auffordern, sich um sozial schlechter Gestellte zu kümmern. Nichts ist so uncool, wie den Eltern zu folgen. Aber Sie können zumindest in der Aussendarstellung behaupten: „Ich tue alles, damit auch meine Kinder ihre soziale Verantwortung begreifen…“
  • Spenden Sie regelmäßig für die Betroffenen von Naturkatastrophen, monatlich aber nie mehr als das, was eine Kiste Bier kostet. Erstens können Sie sich bei Betrachten der Opfer im Fernsehen zufrieden zurücklehnen und sich sagen: Hier habe ich mal was Gutes getan, ohne zu viel dafür auszugeben. Zweitens saufen Sie sowieso zu viel. Auf eine Kiste Bier im Monat zu verzichten ist dann ganz gut; speziell, wenn es schon deutlich ansetzt. Man sollte aber nicht zu lange aufs Bier verzichten, sonst wird das Leben zu fad.
  • Wenn Sie regelmäßig Prostituierte aufsuchen, sollten Sie sich bitte immer vergewissern, dass diese nicht drogensüchtig sind; sich in keinem ausbeuterischen Verhältnis mit einem Zuhälter befinden; sowie ihre Sozialversicherungsbeiträge regelmäßig zahlen. Die Dienste einer Gunstgewerblerin in Anspruch zu nehmen ist nur dann politisch korrekt, wenn auch bei ihr eine freie Willensentscheidung dem Angebot zugrunde liegt sowie ihre Altersvorsorge gesichert ist.
  • Wenn Sie auf der Suche nach Zweisamkeit in einer Bar eine Nicht-Prostituerte angraben, lassen Sie diesen Vorgang immer von einem Freund per Handy-Video heimlich mitschneiden. Dies hat zwei Vorteile: Im Fall, dass Sie später wegen angeblicher Übergriffe angezeigt werden, gibt es handfestes Beweismaterial, das Sie entlastet. Ohne Video sind Sie als Mann sonst sowieso schuld und haben keine Chance. Falls Sie allerdings bei der Gelegenheit die Frau ihres Lebens kennenlernen, gibt es ein lustiges Erinnerungsvideo, an dem noch die Enkel ihre Freude haben können.
  • Verwenden Sie bei maskulinen Substantiven möglichst viele doppelgeschlechtliche Endungen. Sagen Sie z. B. nicht: „Ich packe meinen Koffer,“  sondern lieber „ich packe meine – Querstrich – n Koffer – Querstrich – in“. Bei femininen Substantiven empfiehlt sich die Doppelendung nicht. Denn erstens sind diese sowieso schon feminin und würden durch die Vermännlichung nur noch weiter erniedrigt. Und zweitens hört sich dies noch  doofer an: z.B. wenn statt „ich werfe eine Granate“ „ich werfe ein – Querstrich- e Granat-Querstrich – e“ gesagt wird.
  • Suchen Sie sich Facebook-Freunde bevorzugt bei politisch korrekten Minderheiten wie Transgender, etc.. So können Sie sich in Gesprächen immer Ihrer Toleranz im täglichen Leben rühmen, ohne den Leuten tatsächlich begegnen zu müssen.

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