Hack a thon

by Dirk Elsner on 29. Februar 2016

Diese Woche wird für mich eine sehr interessante Woche, denn ich erlebe meinen ersten Finanzhackathon. Bevor ich mich morgen in die Praxis stürze, habe ich am Wochenende ein wenig im Netz geblättert, was es dort dazu zu lesen gibt.

Passender Ort für einen Hackathon? Eisenbahngebäude in Atlanta

Wichtig ist zunächst, diese Wortschöpfung Hackathon zu verstehen. Hilfreich ist dabei die Wikipedia, die schreibt:

“Ein Hackathon (Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“) ist eine kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung. Alternative Bezeichnungen sind „Hack Day“, „Hackfest“ und „codefest“. Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb der Dauer dieser Veranstaltung, gemeinsam nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte herzustellen. Die Teilnehmer kommen üblicherweise aus verschiedenen Gebieten der Software- oder Hardwareindustrie und bearbeiten ihre Projekte häufig in crossfunktionalen Teams. Hackathons haben oft ein spezifisches Thema oder sind technologiebezogen.”

Hackathons fanden im Finanzbereich in Deutschland bereits im vergangene Jahr im April und November (hier ein Bericht von André Bajorat zum Bankathon 2.0) statt. Ich konnte damals aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen, was ich sehr bedauert habe. Umso besser, dass ich nun aus beruflichen Gründen am ersten GenoHackathon teilnehmen darf.

Der Blog Online-Recruiting erklärt das Grundprinzip:

“Bei Hackathons wird nicht theoretisiert (jedenfalls nicht lange), hier wird eine Fragestellung angepackt, und die Antwort darauf in eine Programmiersprache übersetzt. Am Ende entstehen Prototypen, welche die Probleme lösen sollen. Jeder hat dabei eine Menge Spaß, die Umgebung ist produktiv, und es wird hart gearbeitet.”

Bei meinem kleinen Surfausflug durch die Berichte über Hackathons erfährt man, dass immer mehr Unternehmen und Branchen diese Veranstaltungsform wählen, um außerhalb des Tagesgeschäfts in sich selbstorganisierenden Teams Innovationen zu fördern.

Auch wenn Hackathons ein in der Praxis entstandenes Format ist, scheint dieses Format wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, wenn man nachliest, wie die Wissenschaft Innovationsprozesse betrachtet. Günter W. Maier et al. charakterisieren Innovationsprozesse dadurch, dass sie unsicher, wissensintensiv, politisch und grenzüberschreitend sind. Sie erklären das so:

  • Unsicher ist er, weil Ausgang und Erfolg meist offen sind.

  • Er ist wissensintensiv, weil zur Initiierung ein bestimmtes Maß an Wissen benötigt wird und die Beteiligten sich zusätzliches Wissen in kurzer Zeit aneignen, ohne dass es dann aber sofort allen anderen Organisationsmitgliedern zur Verfügung steht.

  • Innovationsprozesse sind politisch, weil sie organisationsintern zumindest  Kontroversen, oft sogar Widerstände auslösen (z.B. durch Neuverteilung von Ressourcen, Infragestellen etablierter Prozesse).

  • Schließlich sind Innovationsprozesse grenzüberschreitend, weil bisher voneinander unabhängige Bereiche bzw. Abteilungen zusammenarbeiten oder die Einführung einer Innovation in einer Abteilung auch Auswirkungen auf die Produktion, die Prozesse oder die verwendeten Produkte in einer anderen Abteilung hat.

Die Autoren stellen auch klar, dass innovative Einfälle auf der Interaktion verschiedener beruhen. “Im Gegensatz zu verbreiteter Meinung entspringen die meisten Innovationen weniger einem genialen Geistesblitz, sondern sind das Ergebnis bewusster und absichtsvoller Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.” Gruppenprozesse sind also wichtig. Und die stehen bei einem Hackathon im Vordergrund: 

“Auch die Art und Weise der Zusammenarbeit in Gruppen beeinflusst die Innovativität. So führt ein hohes Maß an Partizipation und Autonomie in Gruppen, eine gute Kommunikationsstruktur, i.S. häufiger problemorientierter Diskussionen sowie aktive Unterstützung, eine gemeinsam geteilte Vision und wechselseitige Rückmeldungen durch Teammitglieder zu kreativerer Gruppenleistung.”

Gut ist auch, dass Teilnehmer an einem Hackathon außerhalb gewohnter Hierarchie arbeiten dürften, denn die Autoren meinen, dass eine starke Kontrolle durch die Führungskraft innovatives Verhalten behindere, “weil damit die intrinsische Motivation der Beschäftigten unterminiert wird.” Aber die Autoren halten auch fest, dass Führungsverhalten nicht grundsätzlich und unmittelbar auf die Kreativität wirkt, sondern im Zusammenspiel mit weiteren Gegebenheiten: “So fördert etwa ein unterstützender Führungsstil besonders bei den Geführten innovatives Verhalten, die über hohes kreatives Potential verfügen und deren Tätigkeit erhebliche Komplexität aufweist. Ein stark kontrollierender Führungsstil hemmt demgegenüber besonders die Kreativität jener Mitarbeiter, die sich durch ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit auszeichnen.”

Hackathons sind praktische Innovationsprozesse. Hier stehen Menschen, ihre Kompetenzen und ihre Kreativität im Mittelpunkt. Solche Verfahren machen dann besonders Sinn, wenn  formalisierte und standardisierte Problemlösungsprozesse im stillen Kämmerlein an ihre Grenzen stoßen und Handeln nach vorgegebenen Schemata sogar kontraproduktiv wirken kann. “Das konkrete erfahrungsgeleitete Arbeitshandeln der  Subjekte, ihr Arbeitsvermögen stellt eine der „CoreKompetenzen“ im Umgang mit Komplexität und Unwägbarkeiten dar … Eine  Arbeitsweise, die das jeweilige Fachwissen, das verstandes- sowie planmäßige  Problemlösungsverhalten ergänzt um ein assoziatives Arbeiten nach Gespür und mit sinnlichen Anteilen. Und nirgendwo gibt es davon so viel wie in Innovationsprozessen und damit in Innovationsarbeit.” (Sabine Pfeiffer, Petra Schütt, Daniela Wühr).

Nach so viel Theorie freue ich mich nun auf die Praxis.

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