Ist der Cost Average Effekt beim Fondssparen wirklich irrelevant?

by mnockerl on 30. September 2013

Neulich unterhielten wir uns mit einigen Kollegen angesichts der Austrocknung der Lebensversicherung über die Möglichkeiten von Alternativen für die Altersvorsorge. Dabei kamen wir dann ziemlich schnell auf Fondsparpläne und den “Cost Average Effect”. Die Wikipedia erklärt dazu:

Der Durchschnittskosteneffekt (englisch cost average effect oder dollar cost averaging) ist ein Effekt, der bei der regelmäßigen Anlage gleich bleibender Beträge in Wertpapiere (meist Fonds) entstehen soll. Dabei führen die Wertschwankungen der Wertpapiere dazu, dass der Anleger im Durchschnitt seine Anteile bei gleich bleibenden Raten günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft. Denn bei hohen Anteilspreisen werden automatisch weniger Anteile gekauft, bei niedrigen Anteilspreisen entsprechend mehr. Dadurch wird je Anteil/Aktie das harmonische Mittel der Kurse bezahlt. Dieses liegt gegebenenfalls etwas unter dem arithmetischen Mittel, das bei regelmäßigem Kauf gleicher Stückzahlen bezahlt würde.”

Hervorgehoben wird der Effekt insbesondere von Fondsgesellschaften oder Vermittlern, wie etwa hier von Fondsvermittlung24. Persönlich finde ich den Effekt ziemlich plausibel, weil er ein antizyklisches Anlageverhalten simuliert, ohne dass man sich groß darum kümmern muss.  Patrick Bernau wies aber bereits 2007 in einem Beitrag für FAZ-Online darauf hin, dass der Sparplan überschätzt würde.  Bernau verweist dabei auf eine Studie von Finanzprofessor Thomas Langer von der Universität Münster, der verschiedene Kursverläufe untersucht hat und zeigt, dass eine andere Strategie höhere Gewinne bringen kann: “Statt einen konstanten Betrag zu sparen, kaufen die Anleger immer die gleiche Anzahl an Aktien oder Fonds. Denn: Wer stets die gleiche Anzahl ordert, kauft zwar im Durchschnitt teurer. Aber wenn die Kurse nach oben gehen, hat er auch mehr Anteile im Depot als bei der „Cost Average“-Strategie. Und wenn die Kurse nach unten gehen, macht er mit weniger Anteilen Verlust.”

Langer vergleicht die CA-Strategie mit der IS-Strategie, bei der regelmäßig in eine identische Stückzahl gleicher Aktien oder Fondsanteile investiert wird. Persönlich finde ich das schwer vergleichbar und ziemlich akademisch, weil der Kapitaleinsatz sehr unterschiedlich ist. Verdoppeln sich die Kurse, müsste man bei der IS-Strategie doppelt so viel sparen. Langer schreibt außerdem selbst in seiner Untersuchung (S. 5):

Es ist auffällig, dass in jedem einzelnen Kursszenario (und damit auch im Erwartungswert) mit einer CA-Strategie eine höhere Rendite auf das insgesamt eingesetzte Kapital erwirtschaftet wird als mit einer IS-Strategie. Dies ist eine direkte Implikation des Durchschnittskosten-Arguments, das auch nur relative und nicht absolute Größen betrachtet. Nichtsdestotrotz erzielt die IS-Strategie im Erwartungswert den höheren Gewinn (15,50€ gegenüber 15,25€). Ausschlaggebend hierfür ist die unterschiedliche Kapitalbindung der IS-Strategie in den verschiedenen Szenarien.”

Mag sein, dass ich Langers Argumente nicht richtig durchdrungen habe. Aber ich finde sie nicht überzeugend mit Blick auf eine praktisch handhabbare Alternative. Ebenso geht sein Vorschlag statt auf Cost Average eher auf eine Einmalanlage zu setzen, an der Realität vorbei. Dies passt nicht in die Bedürfnisstruktur der meisten Menschen, die regelmäßig sparen wollen.  Richtig ist, dass es stets andere Strategien gibt, von denen einige überlegen sein sollten.  In der 80er und 90er Jahren wurden insbesondere die dynamische Portfolio Insurance Strategien gehypt.

Und Langer sagt ja auch nicht in seiner Studie, von der CA-Strategie die Finger zu lassen und stattdessen auf Festgeld zu setzen. Er sagt lediglich, die CA-Strategie sei nicht die beste Anlagestrategie. Aber wer kennt dies schon? Und wer erinnert sich nicht noch an “Long-Term Capital Management”. Hier holte man sich sogar zwei Wirtschaftsnobelpreisträger für die Bewertung von Optionen an Bord und glaubte eine überlegene Strategie entwickelt zu haben. Das Ergebnis lässt sich hier nachlesen: Historische Finanzkrisen: LTCM 1998 Der Schock durch den Fonds der Nobelpreisträger.

Aber ich glaube, wenn ich da jetzt tiefer darauf eingehe, würde das diesen Beitrag wirklich sprengen. Ich hätte aber nichts dagegen wenn Fondsvermittler und Kapitalanlagegesellschaften sich weitere Gedanken machen, um vielleicht einmal die eine oder andere neue Strategie anzubieten und diese ebenso leicht zu vermitteln wie den Durchschnittskostenansatz.

Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, der sollte sich die Untersuchung “Der Cost Average Effekt in der Anlageberatung – Einsatzmöglichkeiten und Grenzen sowie deren mathematische Hintergründe” der TU-Chemnitz ansehen.

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