Frauen in Führungspositionen: “Kein Grund, sich auszuruhen“

by on 3. September 2015

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen nimmt stetig zu. Doch im Vergleich zu den männlichen Kollegen gibt es nach wie vor großen Nachholbedarf. Das zeigt der aktuelle „Führungskräfte-Monitor 2015“ des Deutschen Instituts fürs Wirtschaftsforschung (DIW). In Kooperation mit der Universität Hamburg hat die Studie Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, um die berufliche und private Situation deutscher Führungskräfte möglichst umfassend abzubilden. Untersucht wurden Kennzahlen aus den Themenfeldern Arbeitsmarkt- und Sozialstruktur, Arbeitszeit, Bildung und Berufserfahrung, Lebensstil, Haus- und Familienarbeit, Sondervergütungen, Arbeitsbelastung, Anerkennung und soziale Unterstützung.

Der Gender Pay Gap ist kaum geschrumpft

Immerhin sind Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, mittlerweile gleich häufig Vorgesetzte wie Männer (jeweils etwa 65 Prozent) – auf dem Stellenmarkt starten Führungskräfte beider Geschlechter also mit gleichen Voraussetzungen, könnte man meinen. Doch damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon zu Ende. Weibliche Führungskräfte haben im Durchschnitt deutlich weniger Mitarbeiter unter sich, da sie besonders in kleinen und mittleren Unternehmen vertreten sind – die Führungsspitzen großer Unternehmen sind nach wie vor eine Männerdomäne.

Auch in Sachen Gender Pay Gap, sprich der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen für dieselbe Arbeit, hat sich seit Jahren kaum etwas bewegt. Zwar ist die Verdienstlücke von 29 Prozent im Jahr 2001 auf inzwischen 20 Prozent geschrumpft. Doch nimmt man zur Auswertung nicht den arithmetischen Mittelwert sondern den Median, was die statistisch solidere Grundlage ist, ist auch dieser behauptete Fortschritt dahin. Die Studie kommt bei dieser Berechnungsgrundlage auf Werte von 29 Prozent im Jahr 2013 und verzeichnet eine minimale Senkung auf 27 Prozent im Jahr 2015. Auch bei den über das Gehalt hinausgehenden Sondervergütungen räumen die Männer durchschnittlich mehr ab, was die Lücke noch größer werden lässt.

Nach der Arbeit noch die Hausarbeit

Frauen in Führungspositionen arbeiten durchschnittlich 45 Wochenstunden – eine Stunde weniger als ihre männlichen Kollegen. Aber beide Geschlechter würden ihre Arbeitszeit gerne um sieben bis acht Wochenstunden verkürzen. Hauptgrund dafür ist der Wunsch, die Karriere besser mit der Familienplanung vereinbaren zu können. Das trifft besonders auf Frauen zu, die sich nach der Arbeit noch um die Hausarbeit kümmern müssen, während die männlichen Kollegen das öfter der Partnerin oder einer Haushaltshilfe überlassen.

In Westdeutschland bekommen Mütter in Führungspositionen ihr erstes Kind relativ spät, etwa die Hälfte mit 30 Jahren oder später, in Ostdeutschland hingegen durchschnittlich mit 25 Jahren. Für Ost und West gilt, dass Frauen in Führungspositionen weitaus seltener verheiratet sind als Männer. Für die Karriere sind viele Frauen in Führungspositionen offenbar bereit, die Familienplanung hintenanzustellen, so die Studie.

Initiatoren fordern Wandel der Unternehmenskultur

Elke Holst, Leiterin der DIW-Studie, sieht in den aktuellen Ergebnissen in Hinblick auf die Gleichstellung in Deutschlands Führungsebenen „keinen Grund, sich auszuruhen“ – im Gegenteil. Sie schlägt einen Fünf-Punkte-Plan vor, der die Gleichstellung im Management als festes Unternehmensziel verankert und eine entsprechende Unternehmenskultur aktiv befördert. Verbindliche Milestones und Zeitfahrpläne, mehr Transparenz in der Besetzung des Managements und eine größere Offenheit für flexible Beschäftigungsmodelle, die Beruf und Familie vereinbarer machen, sind vonnöten, so Holst. Immer mehr Frauen seien ausgezeichnet ausgebildet, immer mehr von ihnen folglich auch für Führungsaufgaben bestens geeignet. Schon allein aus Gründen des demografischen Wandels kann es sich die Gesellschaft nicht länger leisten, auf dieses Potenzial zu verzichten. Die Studie „Führungskräfte-Monitor 2015“ kann hier eingesehen werden.

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