Wir brauchen eine Debatte über eine neue Finanzmarktordnung!

by Dirk Elsner on 10. September 2008

Im Grunde ist es unglaublich, was die Finanzwelt uns in den letzten 14 Monaten zumutet und mit welcher Selbstverständlichkeit erwartet wird, dass Verluste von der Gesellschaft sozialisiert werden. Machen die Institute Gewinne, dann freuen sich die Angestellten über üppige Boni und die Aktionäre über die Ausschüttungen. Eine Risikoprämie für die negativen externen Effekte, die Institute wie Lehman, IKB, Landesbanken und andere jetzt verursachen, ist aber nie gezahlt worden.

Es muss jetzt eine Debatte beginnen über Änderungen der bestehenden Finanzmarktordnung. Die Lösung kann auf Dauer nicht sein, dass staatliche Institutionen ständig die Verluste auffangen, weil der potentielle volkswirtschaftliche Schaden einer Bankenpleite höher wäre. Wenn Banken und andere Finanzinstitute trotz eines ausgefeilten Regulierungs– und Kontrollsystems die Gesellschaft und Weltwirtschaft alle Jahre wieder in solche Verlegenheiten bringen, dann muss man sich neue Gedanken machen.

Trotz intensiver Lektüre der einschlägigen Fachpresse vermisse ich aber bisher eine solche Debatte. Die wird auch nicht einfach zu führen sein. Einfach Verbote für bestimmte Geschäfte auszusprechen, wird weder den Funktionen der Finanzintermediäre noch den Bedürfnissen der Kapitalmarktteilnehmer gerecht. Noch strengere Vorschriften und Kontrollen werfen sofort die Kompetenzfrage auf. Schon jetzt sind viele Banker aber auch Prüfer überfordert mit den gegenwärtigen Vorschriften. Insbesondere Basel II hat zu riesigen aufgeblähten Kontrollabteilungen in Banken geführt. Der Nutzen solcher Regulierungen ist angesichts des aktuellen Desasters fraglich.

Es muss über neue Formen der Bankenregulierung nachgedacht werden. Es wird dabei vor allem zu überlegen sein, wie die Kosten, die die Banken jetzt verursachen, auch tatsächlich von ihren Verursachern getragen werden können.

Die Geschäfte vieler Finanzinstitute haben ganz offensichtlich Auswirkungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer. In der Ökonomie werden solche Auswirkungen als externe Effekte bezeichnet. Sie werden häufig nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen. Extern heißt dabei, dass die Effekte (Nebenwirkungen) eines Verhaltens nicht (ausreichend) im Markt berücksichtigt werden. Ein Geschädigter erhält keine Entschädigung und ein Nutznießer muss keine Gegenleistung entrichten, ohne sich zwangsweise dessen bewusst sein zu müssen.

Hier könnte also z.B. ein Ansatz liegen, nämlich die Finanzinstitute an den von ihnen verursachten externen Effekten zu beteiligen. Wie genau und in welcher Form das zu erfolgen hätte, könnte ja eine herausfordernde Aufgabe z. B. für den  Basler Ausschuss für Bankenaufsicht sein. Diesem Gremium darf aber diese Aufgabe gemau so wenig allein überlassen werden wie der Politik. Das ist eine Debatte, die alle etwas angeht, die von den Finanzmärkten beeinflusst werden, und sei es nur dadurch, dass das eigene Unternehmen plötzlich keinen Kredit mehr erhält.

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