Aktien Wunschanalyse Bayer

by sharewise on 24. Oktober 2008

Wunschanalyse Bayer als Rezessionsabsicherung mit guter Kurschance

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise.com in Zusammenarbeit mit dem Heibel-Ticker.de Börsenbrief. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer gewünscht.

Bayer laut Sharewise.com:

Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
7 Mitglieder Ø 56,66 € 6 1
17 Analysten Ø 61,43 € 14 3

Bayer (WKN 575 200, ISIN DE0005752000)

DIE 3 GESCHÄFTSFELDER: PHARMA, AGRAR & PLASTIK

Jeder Bayer-Mitarbeiter würde mich für diese Überschrift kreuzigen: Pharma heißt eigentlich Health Care, weil nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch Gesundheitsprodukte für Konsumenten darin enthalten sind. Und Agrar heißt eigentlich Crop Science, weil eigentlich kein Ackerbau betrieben wird, sondern Saatgut gezüchtet und Dünger entwickelt werden. Na, und Plastik ist schon immer das Schlagwort, das den Leiter der Technischen Kunststoffe (Material Science) auf die Palme bringt: Es geht nicht um Plastikeimer und Schlümpfe, sondern um Kunststoffe mit ganz bestimmten Eigenschaften hinsichtlich der Hitzebeständigkeit, Dehnbarkeit bis hin zur Haptik und vieles mehr. Darüber hinaus zählen auch Lacke und Farben in diesen Bereich.

Nun gut, ich schreibe Ihre Wunschanalyse nicht für Bayer, sondern für Sie. Daher bleiben wir bei Pharma, Agrar und Plastik.

PHARMA NICHT ZYKLISCH

Im Pharmabereich gibt es geringe Einsatzkosten, aber große Aufwendungen für Forschung und Patentschutz. Der Absatz von Pharmaartikeln ist weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, denn die Menschen werden ungeachtet der Wirtschaftslage mal krank. Und mit Hauptumsatzbringern aus den Bereichen Diabetes und Multiple Sklerose hat Bayer ohnehin Bereiche, in denen kontinuierliche Behandlungen erforderlich sind.

Mit der Übernahme des Berliner Pharmaunternehmens Schering im Jahr 2007 wuchs der Pharmabereich um 35% an.

Immer wieder geht es an den Patentschutz: Je früher Patente auslaufen, desto früher dürften Generika-Anbieter Medikamente mit den gleichen Wirkstoffen selber herstellen und anbieten. Generika-Hersteller haben jedoch nicht die Forschungs- und Entwicklungskosten, die Bayer einst aufwenden musste, um überhaupt den entsprechenden Wirkstoff nutzbar zu machen. Daher legt Bayer diese Kosten auf den Medikamentenpreis um und verkauft das Medikament zum Vielfachen der puren Herstellungskosten. Der Generika-Hersteller kann also deutlich günstiger verkaufen und macht immer noch seinen Gewinn.

Inzwischen sind Medikamentenpreise ein Politikum: Die Politik mischt sich stark in den Patentschutz und in die Preisfindung ein, um neue Medikamente möglichst schnell der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Doch wenn dieser Trend überhand nimmt, dann lohnt es sich nicht mehr zu forschen und es wird in einigen Jahren keine neuen, besseren Medikamente mehr geben.

Es ist also eine zweischneidige Klinge, die Pharmaindustrie Geld verdienen zu lassen. Grundsätzlich sind linksorientierte Politiker eher geneigt, den Preis von patentrechtlich geschützten Medikamenten zu drücken, während die rechten Politiker dem Unternehmen mehr Freiheit in der Preisgestaltung zugestehen. Da wir in den USA kurz vor Präsidentschaftswahlen stehen, die meiner Erwartung nach Obama knapp gewinnen könnte – und Obama ist Demokrat (also links) – wird es schwerer für die Pharmakonzerne in den USA werden.

In Deutschland hingegen wird der Gesundheitsfonds eingeführt. Dies wird meiner Erwartung nach trotz einer Frau Merkel als Kanzlerin dazu führen, dass auch in Deutschland die Preise mit der Politik verhandelt werden müssen und die Politik als Verhandlungspartner hat weitreichende Möglichkeiten, die Preise weiter zu drücken.

AGRAR IN SONDERZYKLUS, LANGFRISTIG ABER STABILES WACHSTUM

Dieser Bereich war im vergangenen Jahr der absolute Boombereich. Insbesondere Saatgut wurde dem Konzern aus allen Regionen der Welt aus den Händen gerissen. Aufgrund der Umstellung der US-Anbauflächen von Soja und Baumwolle zu Mais konnte Bayer seine Pflanzenschutzmittel, die eben insbesondere für Soja und Baumwolle geeignet waren, nicht mehr so gut an den Mann bringen. Dennoch sorgten die angestiegenen Saatgutpreise für einen Ergebnissprung von 30% in diesem Bereich.

In den USA ist es derzeit unter Politikern angesagt, aus Mais gewonnenes Ethanol in den Benzintank der Autos zu schütten. Daher wurde nach Einführung der Ethanolbeimischungsvorschrift viele Baumwoll- und Sojafelder in Maisfelder gewandelt, die Agrarpreise weltweit sind vorrübergehend aus dem Gleichgewicht geraten. Große Preissteigerungen waren die Folge und mit dicken Taschen konnten die Bauern bei Bayer neues, optimiertes, manchmal sogar genmanipuliertes Saatgut einkaufen.

In Europa hat man glücklicherweise einen Rückzieher gemacht (Umweltminister Gabriel hat in letzter Sekunde einen entsprechenden Gesetzesentwurf gestoppt). Und inzwischen sind die Agrarpreise auch schon wieder deutlich zurück gekommen. Doch neben dem Überraschungsschock der Ethanolbeimischung in den USA gibt es weltweit immer mehr Menschen, die ernährt werden müssen. Die Agrarindustrie, insbesondere die Herstellung von Saatgut, erfreut sich seit Jahren einer steigenden Nachfrage. Die Preise befinden sich in einem langfristigen Aufwärtstrend.

Ich kann mir nun gut vorstellen, dass der außerordentliche Erfolg der Agrarsparte im Jahr 2007 nicht nochmals wiederholt werden kann. Dort wird der Gewinn im laufenden Jahr einbrechen. Doch der Gewinn sollte nicht unter das Niveau des Jahres 2006 fallen, denn damals gab es den Sondereffekt der Ethanolbeimischung noch nicht und die Preise waren damals nur mäßig angestiegen. Diesen mäßigen Preisanstieg erwarte ich weiterhin. Gründe dafür finden Sie im wachsenden Wohlstand der BRICs (Brasilien, Russland, Indien, China), deren Einwohner nicht mehr nur Getreide sondern immer mehr Fleisch essen wollen. Und für ein Kilo Fleisch braucht man 3-7 Kilo Getreide.

PLASTIK ALS GÜNSTIGE ALTERNATIVE ZU ROHSTOFFEN

Für die Herstellung von Technischen Kunststoffen verbraucht man die Kosten zu über 90% für Öl bzw. Energie. Der Preis des Plastiks ist also vom Ölpreis abhängig. Doch Technische Kunststoffe sind gerade in Zeiten hoher Rohstoffpreise aufgekommen, denn sie gelten als Substitut, also Ersatz, von Rohstoffen. Früher gab es Metall-Lenkräder in den Autos, die Armaturen waren aus Holz und der Sitzbezug aus Leder. Heute gibt es Kunststoffe für all diese Bereiche. War die Mechanik des Sicherheitsgurtes früher noch aus Metall, so sorgt heute eine Kunststoffmechanik dafür, dass der Gurt bei schnellen Bewegungen einrastet.

Somit spielt es kaum eine Rolle, ob der Ölpreis hoch oder niedrig ist, solange die anderen Rohstoffpreise parallel mitlaufen. Besser noch: Je schlechter es der Wirtschaft geht, desto intensiver wird nach Kosteneinsparmöglichkeiten gesucht. Und Plastikelemente sind häufig billiger als ihre natürlichen Vorbilder. Dieser Bereich ist in meinen Augen daher sehr konjunkturresistent.

BEWERTUNGSNIVEAU GÜNSTIG

Na gut, ein Umsatzwachstum von 2% (nachdem der Sondereffekt der Übernahme von Schering herausgerechnet wurde) ist nicht gerade etwas, was man attraktiv findet. Doch dafür ist der Gewinn um 10% angestiegen, aus oben genannten Gründen. Ein überproportionales Gewinnwachstum kann nicht ewig anhalten, sonst müsste der Gewinn irgendwann über dem Umsatz liegen – und das geht ja nicht. Ich sehe aber derzeit keine Gründe für einen baldigen Umsatzsprung. Daher dürfte das Gewinnwachstum schon bald wieder etwas kleiner ausfallen.

Aber immerhin sehe ich auch keine große Gefahr eines Umsatzeinbruchs, denn dazu hat Bayer zu konjunkturunabhängige Geschäftsfelder. Die Wachstumsgeschwindigkeit von 2% p.a. könnte das Unternehmen auf absehbare Zeit beibehalten. Selbst wenn das Wachstum aufgrund einer unglücklichen Gesundheitspolitik auf 0% fallen würde, wäre das kein Drama für diese Aktie.

Denn das KGV steht bereits bei 10, es gibt eine Dividendenrendite von 6%. Bayer hat also ein stabiles Geschäft, generiert ausreichend Cashflow, selbst in Krisenzeiten, und verzinst die Einlagen seiner Aktionäre mit 6%. Die Dividende ist in meinen Augen gesichert, da ich keine Probleme bei der Aufrechterhaltung des Cashflows sehe.

Das kann man sich doch in ein langfristiges Depot legen, oder?

Nun, einen Wermutstropfen gibt es: mit 10 Mrd. Euro langfristigen Schulden ist Bayer recht hoch verschuldet. Bei nur 33 Mrd. Euro Umsatz ist das fast ein Drittel des Umsatzes, der an Schulden angehäuft wurde. Ein guter Teil kam erst jüngst durch die Schering-Übernahme hinzu.

So haben Aktionäre die Bayer Aktie letztlich doch noch herunter geprügelt, denn auch Bayer braucht einen funktionierenden Kreditmarkt um seine hohe Schuldenquote zu finanzieren.

KURSVERLAUF: DIE BESTEN TRIFFT ES ZULETZT

In einer Baisse gilt die Regel: Die besten trifft es zum Schluss. Wenn also als erstes die Verursacher der Krise, also die Immobilienunternehmen, in den Keller geprügelt werden, als nächstes die Banken und alle daran angehangenen Unternehmen (Versicherungen, Broker, überschuldete Unternehmen wie General Motors, usw.), trifft es die Bereiche, die eigentlich mit der Krise nichts zu tun haben, ganz zum Schluss. Denn Anleger, die in den betroffenen Bereichen viel Geld in den Sand gesetzt haben suchen nun nach Werten, aus denen Sie noch Kapital ziehen können. Und die Bayer Aktie brach zwar im Januar von 60 auf 50 Euro ein, konnte sich jedoch anschließend bis Ende September über 55 Euro halten, während alle anderen DAX Aktien bereits 20% unter ihren Höchstkursen notierten. Doch seit Anfang Oktober ist nun auch die Bayer Aktie ausverkauft worden, der Kurs fiel vorrübergehend bis auf 38,28 Euro, aktuell notiert die Aktie bei 41,72 Euro.

Der Relative Strength Index (RSI) zeigt eine völlig überverkaufte Situation an, so dass ich mir kurzfristig eine Gegenreaktion bis auf 48 Euro gut vorstellen kann.

FAZIT

Während kurzfristig fundamentale Gründe keine Rolle spielen, sondern allein technische Analysen zu Kursausschlägen führen, kann ich mir auch mittelfristig gut einen Kursanstieg vorstellen. Denn als krisensicheres Unternehmen  werden die Aktien von Bayer insbesondere vor einer drohenden Rezession gekauft. Und eine Rezession droht, das haben wir inzwischen oft genug gesagt bekommen. Also wird die Aktie von Bayer steigen, egal wie sich das Geschäft von Bayer entwickelt – solange es zumindest stabil bleibt.

Kurzfristig haben sich fundamentale Gesichtspunkte von der Börse verabschiedet: Die Kursbewegungen sind in der Hand von automatischen, technisch orientierten computergestützten Handelsprogrammen. Diese könnten einfach aus dem Kursverlauf der anderen DAX Aktien, die zu einem großen Teil schon wieder auf ihre Kursniveaus von 2004 zurück geholt wurden, nochmals einen Ausverkauf der Bayer Aktien starten. Dies würde den Kurs auf 25 Euro drücken. Dort wäre das KGV bei 6 und die Dividendenrendite bei 11%. Unglaublich, aber ich habe schon ganz andere Sachen gesehen. Ich würde dieses Horrorszenario also nicht gänzlich vom Tisch fegen.

Grundsätzlich halte ich die Bayer Aktie für eine gute Anlage mit der Chance, schon bald bei 48 Euro zu stehen. Doch das Risiko eines Einbruchs auf 25 Euro sollten Sie mit einem engen Stopp Loss unter 38 Euro absichern.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet. Sie können sich unter http://www.heibel-ticker.de unverbindlich eintragen.

Take Share,

Stephan Heibel

NÄCHSTE WOCHE: KONSUMAKTIEN – WEIHNACHTEN IN DER REZESSION

Die Finanzkrise drohte zur weltweiten Wirtschaftskrise zu werden, bis in letzter Minute die Regierungen eingriffen und das Finanzsystem mit (alleine in den USA und der EU) 2,5 Billionen US$ retteten. Doch um eine Rezession zu verhindern, war das wohl zu spät und so droht uns nun ein Weihnachten in der Rezession. Und da stellt sich vielen Anlegern und Anlegerinnen die Frage, ob man – wie sonst wegen des Weihnachtsgeschäfts üblich – auch dieses Jahr im Vorfeld des „Festes der Liebe“ auf Konsumaktien setzen sollte oder lieber doch nicht?

Stimmen Sie daher hier ab, welche „Konsumaktie“ ShareWise Experte Sascha Huber für Sie nächste Woche analysieren soll:

  • Amazon.com, USA
  • Carrefour, Frankreich
  • Metro, Deutschland
  • Tesco, Großbritannien
  • Wal-Mart Stores, USA

Hier können Sie abstimmen

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