Die Idee einer Klagenfurterin, ihre Villa per Los zu verkaufen, hat Schlagzeilen gemacht und findet viele Nachahmer. Die Idee ist pfiffig und kreativ und hat der Verkäuferin, sorry der Losverkäuferin 9999 mal 99 Euro gebracht. Wie so häufig, wenn eine neue Idee geboren wird, treten die Neider auf den Plan und versuchen die Ausbreitung der Kreativität zu behindern.
Die Familie Daniel, die ihre Villa über den üblichen Weg nicht los wurde, hatte 16.000 Anfragen für Lose. Ein Notar stellt fest, wer die ersten 9999 Einzahler waren. Alle anderen bekamen ihr Geld zurück. Das Anwesen, so gab die Klagenfurter Hausverloserin an, sei geschätzte 700 000 bis 800 000 Euro wert.
Die Differenz zwischen dem Wert ihres Hauses und den Einnahmen aus dem Losverkauf von knapp einer Million Euro gehe für Spesen, Honorare und Steuern auf. Allein zwölf Prozent vom Gesamtwert der ausgegebenen Lose werden als Rechtsgeschäftsgebühr für Glücksverträge an den Staat fällig. Außerdem muss der Gewinner keine Kosten tragen, so trägt die „Verkäuferin“ die Grunderwerbsteuer (3,5 Prozent) und die Kosten für der Grundbucheintrag (1 Prozent).
Die Idee hat schnell Nachahmer gefunden. Doch schnell sind auch die Neider auf dem Plan und versuchen die Ausbreitung der neuen Welle zu stören. Gegen die Hausverlosung in Klagenfurt haben Makler gar Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft prüfe, schreibt die FAS in ihrer heutigen Printausgabe. Experten der Immobilienbranche versuchen die Idee madig zu machen mit Hinweisen auf Nebenkostenfallen wie Grunderwerbsteuer, Einkommensteuer (die auch bei normalem Kauf und Verkauf anfallen). Sehr „fürsorglich“ warnen sie vor hohen Erhaltungskosten und überhaupt davor, eine „Katze im Sack“ zu kaufen: Man wisse nicht, ob das Haus mit Hypotheken belastet sei, gar Schimmel habe oder vielleicht keine Zufahrt.
Die Skepsis der Immobilienbranche ist verständlich, denn lt. FAS zählen ihre gesetzlich geschützten Provisionen zu den teuersten Europas zählen. Die Zeitung schreibt weiter über den Kampf der Lobbyisten: „ Die Verlosung einer Villa im noblen Wien-Hietzing ist freilich ins Stocken gekommen – der Notar ist abgesprungen. Die Notariatskammer rät mittlerweile von den „problematischen“ Verlosungen ab. Privatdozenten referieren das Glücksspielgesetz und die darin vorgesehenen „Objektverlosungen“, deuten ungelöste Rechtsprobleme und „mögliche Berührungspunkte mit strafrechtlichen Bestimmungen“ an, kurz: Der Kampf der Lobbyisten ist im vollen Gang, um das Schlupfloch im Immobilienreich zu stopfen. „Die Branche ist nervös“, heißt es. Michael Pisecky, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters der Sparkassen, ist jedoch doppelt zuversichtlich; er gehe davon aus, „dass der Zauber bald vorbei sein wird und Immobilienverlosungen relativ schnell verboten werden.“
Meine Vermutung, in Deutschland würden die Lobbyisten ähnlich restriktiv, natürlich unter dem Denkmantel des Verbraucherschutzes reagieren und dafür sorgen, dass sich diese neue Idee nicht verbreitet. Natürlich brauchen wir neue Ideen in diesen Krisenzeiten, aber bitte nur solche, die niemanden etwas wegnehmen.
Weitere Berichte zum Thema
Badische Zeitung: Ein Hunderter für eine Villa
Sehr guter und objektiver Artikel.
Nur die Überschrift stimmt nicht ganz. Die Lobbyisten verhindern nicht die Kreativität, sondern stellen neue Herausforderungen an Kreative 🙂
Eine umfassende Berichterstattung zum Thema österreichische Hausverlosungen gibts auf
http://www.hausverlosungen.biz
LG, Thomas
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