Immobilienverlosung in Österreich: Wie Lobbys Kreativität behindern

by Dirk Elsner on 25. Januar 2009

Die Idee einer Klagenfurterin, ihre Villa per Los zu verkaufen, hat Schlagzeilen gemacht und findet viele Nachahmer. Die Idee ist pfiffig und kreativ und hat der Verkäuferin, sorry der Losverkäuferin 9999 mal 99 Euro gebracht. Wie so häufig, wenn eine neue Idee geboren wird, treten die Neider auf den Plan und versuchen die Ausbreitung der Kreativität zu behindern.

Die Familie Daniel, die ihre Villa über den üblichen Weg nicht los wurde, hatte 16.000 Anfragen für Lose. Ein Notar stellt fest, wer die ersten 9999 Einzahler waren. Alle anderen bekamen ihr Geld zurück. Das Anwesen, so gab die Klagenfurter Hausverloserin an, sei ge­schätzte 700 000 bis 800 000 Euro wert. 

Die Differenz zwischen dem Wert ihres Hauses und den Einnahmen aus dem Losverkauf von knapp einer Milli­on Euro gehe für Spesen, Honora­re und Steuern auf. Allein zwölf Prozent vom Gesamtwert der aus­gegebenen Lose werden als Rechts­geschäftsgebühr für Glücksverträ­ge an den Staat fällig.  Außerdem muss der Gewinner keine Kosten tragen, so trägt die „Verkäuferin“ die Grunderwerbsteuer (3,5 Prozent) und die Kosten für der Grundbucheintrag (1 Prozent).

Die Idee hat schnell Nachahmer gefunden. Doch schnell sind auch die Neider auf dem Plan und versuchen die Ausbreitung der neuen Welle zu stören. Gegen die Hausverlosung in Klagenfurt haben Makler gar An­zeige erstattet, die Staatsanwalt­schaft prüfe, schreibt die FAS in ihrer heutigen Printausgabe.  Experten der Immobilienbranche versuchen die Idee madig zu machen mit Hinweisen auf Ne­benkostenfallen wie Grunderwerb­steuer, Einkommensteuer (die auch bei normalem Kauf und Verkauf anfal­len). Sehr „fürsorglich“ warnen sie vor hohen Erhal­tungskosten und über­haupt davor, eine „Katze im Sack“ zu kaufen: Man wisse nicht, ob das Haus mit Hypotheken belastet sei, gar Schimmel habe oder vielleicht kei­ne Zufahrt.

Die Skepsis der Immobilienbranche ist verständlich, denn lt. FAS zählen ihre gesetzlich geschützten Provisionen zu den teuersten Europas zählen. Die Zeitung schreibt weiter über den Kampf der Lobbyisten: „ Die Verlosung einer Villa im no­blen Wien-Hietzing ist freilich ins Stocken gekommen – der Notar ist abgesprungen. Die Notariatskam­mer rät mittlerweile von den „pro­blematischen“ Verlosungen ab. Pri­vatdozenten referieren das Glücks­spielgesetz und die darin vorgese­henen „Objektverlosungen“, deu­ten ungelöste Rechtsprobleme und „mögliche Berührungspunkte mit strafrechtlichen Bestimmungen“ an, kurz: Der Kampf der Lobbyis­ten ist im vollen Gang, um das Schlupfloch im Immobilienreich zu stopfen. „Die Branche ist ner­vös“, heißt es. Michael Pisecky, Ge­schäftsführer   des   Immobilien­dienstleisters der Sparkassen, ist je­doch doppelt zuversichtlich; er gehe davon aus, „dass der Zauber bald vorbei sein wird und Immobilienverlosungen relativ schnell ver­boten werden.“

Meine Vermutung, in Deutschland würden die Lobbyisten ähnlich restriktiv, natürlich unter dem Denkmantel des Verbraucherschutzes reagieren und dafür sorgen, dass sich diese neue Idee nicht verbreitet. Natürlich brauchen wir neue Ideen in diesen Krisenzeiten, aber bitte nur solche, die niemanden etwas wegnehmen.

Weitere Berichte zum Thema

Badische Zeitung: Ein Hunderter für eine Villa

Welt: Luxusvilla für 99 Euro zu verkaufen

Die Presse: Villa verlost: Gewinner saß beim Zahnarzt

Thomas Riemer Januar 25, 2009 um 21:58 Uhr

Sehr guter und objektiver Artikel.
Nur die Überschrift stimmt nicht ganz. Die Lobbyisten verhindern nicht die Kreativität, sondern stellen neue Herausforderungen an Kreative 🙂
Eine umfassende Berichterstattung zum Thema österreichische Hausverlosungen gibts auf

http://www.hausverlosungen.biz

LG, Thomas

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