Automobilindustrie bedankt sich für Abwrackprämie mit Investitionskürzungen

by dels on 27. März 2009

Ein wesentliches Argument für die Umweltprämie (vulgo Abwrackprämie) ist, dass mit der dadurch erfolgten Stützung der Automobilindustrie auch der Zuliefererindustrie geholfen werden soll. Nur einen Tag nach dem Beschluss über die Verlängerung des “Geschenks” für die Autoindustrie liest man aber von weiteren Problemen der Zulieferindustrie und von Stellenabbau.

“Salzgitter verschiebt Investitionen” ist im Handelsblatt zu lesen. Als Grund werden vor allem zurückgehende Bestellungen der Auto- und Maschinenbauer angegeben. Peugeot sorgt sich um seine Zulieferer und das obwohl Peugeot inzwischen mehr Autos in Deutschland verkauft als in Frankreich. Und beim Automobilzulieferers Continental wird weiter am Abbau von Arbeitsplätzen festgehalten.

Ich denke, dass sich die Politiker, die nun fleißig auf die Verlängerung des populären Instruments setzen, sich dies anders vorstellen, zumindest sollten sie sich das anders vorstellen. Denn aktuell scheint die Prämie nur einen Effekt zu haben, nämlich den vorgezogenen Kauf bestimmter PKW-Klassen zu fördern. Beschäftigungseffekte in der Zuliefer- und Autoinvestitionsindustrie bleiben offensichtlich aus. Und unter den Zulieferern haben schon jetzt viele Insolvenz angemeldet (siehe diese Karte), was eigentlich erstaunlich ist angesichts der massiven Hilfen für die Fahrzeughersteller.

Daneben gibt es weitere bisher kaum beachtete negative Aspekte der Prämie, wie z.B. einen höheren Druck auf die Schrottpreise oder Auswirkungen auf den Einzelhandel, der die einseitige Förderung ablehnt. Möglicherweise wäre es sinnvoller gewesen, statt die Abwrackprämie zeitlich auszudehnen, sie auf andere Fahrzeugklassen auszudehnen. So hatte z.B. der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks jüngst die Ausweitung auf Nutzfahrzeuge gefordert. Immerhin hätten so auch Klein- und Mittelbetriebe von der Subvention profitiert.

Daneben hört man aus mittelständischen Unternehmen, die der Autoindustrie in Deutschland zuliefern, von vergleichsweise rabiaten Methoden, um die Preise noch weiter zu drücken. Klar, dass darüber kein Mittelständler öffentlich sprechen will. Gleichwohl sollte man sich den einen oder anderen Insolvenzfall von Zulieferern mal etwas näher ansehen.

Jedenfalls verstärkt sich mein Eindruck, die Prämie sorge letztlich nur für ein Strohfeuer und dient dem Abverkauf von Lagerware. Und im Prinzip bewahrheitet sich mit den rückläufigen Investitionen das, was der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt, gesagt hat: Allein wegen der Prämie werde “wohl kaum jemand auf die Idee kommen, sich ein neues Auto zu kaufen. Vielmehr werden hauptsächlich geplante Käufe vorgezogen.” Die Folge sei, dass nach Auslaufen der Prämie der Absatz einbreche. “Längerfristig kommt die Automobilindustrie nicht daran vorbei, ihre derzeitigen Überkapazitäten an die Nachfrage anzupassen”, sagte Schmidt. Und ich kann mir jetzt schon das Jammern und die Aktivitäten der Autolobby im Herbst vorstellen, wenn sich die Prämie ihrem zeitlichen Ende nähert? Weitere Kritik an der Prämie hier und hier hochkarätig im Ökonomenblog.

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