Die Bauschschmerzen des Mittelstands mit der Autoindustrie

by Dirk Elsner on 2. April 2009

In diesen Wochen grummelt es ganz gewaltig in den Bäuchen mittelständischer Unternehmen. Sehr wohl wird hier registriert, wie sehr sich Politiker und anderen Berufene für den zentralen Wirtschaftszweig in Deutschland öffentlich einsetzen, nämlich gar nicht. Schaut man auf die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse, dann gibt sich die Politik sehr viel “Mühe”, einen Nachfolger für Herrn Mehdorn zu finden, die Weltwirtschaft zu retten und vor allem die Autoindustrie zu beglücken. Und hier ist insbesondere Opel zum Lieblingsspielzeug des politökonomischen Wettkampfs geworden.

Möglicherweise wäre das sogar vielen Unternehmen egal, wenn sie nicht gerade selbst kämpfen müssten. Überhaupt nicht egal ist ihnen aber, weil die geförderten Automobilbauer 1. das Auftragsvolumen deutlich zurück gefahren haben oder 2. die Daumenschrauben über das unter Kaufleuten vertretbare Maß hinaus anziehen.

Zu 1. herrscht aktuell der Eindruck bei mittelständischen Zulieferern (wobei diese Aussagen keineswegs repräsentativ sind), die Autobauer nutzen die öffentlichen Fördermittel vor allem, um ihre Läger zu räumen. Die Autoteilezulieferer verzeichnen stärkere Rückgänge bei ihren Bestellungen als dies dem Rückgang  der Absatzzahlen neuer PKWs entspräche, hört man. Daneben seien die Bestellung für Investitionsaufträge zurückgegangen sein. Letzteres könnte dafür sprechen, dass die Autoindustrie zwar den Segen der Umweltprämie mitnimmt, aber nicht in die Zukunft investiert, wie dies eigentlich bei aufgrund der strukturellen Schwäche erforderlich wäre.

Auch die These von der kaskadierenden Wirkung der Abwrackprämie auch auf die Zulieferer wäre somit widerlegt. Die Prämie würde dann nur das bewirken, was viele ohnehin vermuten: Ein Strohfeuer, das spätestens Ende des Jahres erlischt.

Zu 2. Eine Geschichte, die ich zwar nicht überprüfen konnte, die aber durchaus plausibel klingt, hörte ich in der vergangenen Woche von einem mittelständischen Unternehmen, das u.a. eine große deutsche Automarke zu seinen Kunden zählt. Dieser Mittelständler ärgert sich besonders über die einseitige Unterstützung für die Autoindustrie, weil sein Kunde, mit dem er einen langfristigen Liefervertrag geschlossen hat, ihn unter erheblichen Druck setzte, den Vertrag zu ändern und die Preise um etwa 1/4 abzusenken. Das Unternehmen hat nun die Wahl zwischen den Qualen: dem “Wunsch” zustimmen und kurz vor der Insolvenz zu stehen oder den Vorschlag ablehnen und damit einen zentralen Kunden zu verlieren.

Natürlich ist es in der Marktwirtschaft legitim, im Einvernehmen Verträge zu ändern. Problematischer wird dies, wenn zwischen den Geschäftspartnern eine gewisse Kräfteasymmetrie besteht. Aber auch dies gehört zum Spiel unserer Wirtschaftsordnung. Bedenklich wird es, wenn der stärkere Partner direkt oder indirekt staatlich unterstützt wird und dieser Position der Stärke für sich (aus-)nutzt. Ich kenne zwar zu wenig Details über diesen Einzelfall, kann aber das stärker werdende Rumoren immer besser verstehen.

Klar, dass das betroffene Unternehmen nicht genannt werden möchte. Und auch an anderen Stellen haben mittelständischen Unternehmen kaum Interesse, solche Fälle öffentlich zu machen, schließlich will man sich nicht am Markt verbrennen. Daher schlucken viele Betriebe die bitteren Pillen und hoffen auf bessere Zeiten. Meine Vermutung erhärtet sich aber, dass es noch viel mehr solcher Fälle gibt.

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