Warum unangenehme Fragen an Banken unbeantwortet bleiben

by Dirk Elsner on 4. September 2009

Insider wundern sich mittlerweile nicht mehr darüber, dass die Banken seit Monaten auf Tauchstation gegangen sind, was die öffentliche Aufarbeitung der Finanzkrise betrifft. Mut- und profillos lassen sie die öffentliche Kritik aus allen Richtungen abperlen und hoffen durch Schweigen und Aussitzen durch die Krise zu kommen.

Anschauungsunterricht lieferte dazu das Handelsblatt in dem Beitrag “Die das Dunkel lieben” über die Hauptversammlung der krisenerfahrensten Bank, der Industriekreditbank (IKB).

Auf der Hauptversammlung wollte der neue Eigentümer einen Schlussstrich ziehen. “Vergangenheitsbewältigung Fehlanzeige,” konstatiert Nicole Bastian. Weiter schreibt sie:

“Die Bank will die Verantwortlichkeiten öffentlich nicht aufarbeiten. Im März setzte sie mit ihrem Stimmanteil einen im Jahr zuvor eingesetzten Sonderprüfer ab. „Derzeit überwiegt das Interesse der Gesellschaft, einstweilen frühere Pflichtverletzungen (?) nicht geltend zu machen“, leiert IKB-Chef Schüttler die Begründung zum wiederholten Mal ins Mikrofon. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers hat einen Bericht für den Aufsichtsrat erstellt. Veröffentlicht wurde dieser nicht. Und auch das Gutachten des Krefelder Wirtschaftsprüfers Harald Ring zur Misere, an dem er über ein Jahr lang arbeitete und für das er bereits 1,6 Millionen Euro bekommen hat, wollte die IKB einmotten.”

Was sind die Gründe für diese Zurückhaltung? Die Vermutung von Frau Bastian:

“Die Bank und der Hauptaktionär Lone Star befürchten, dass zum Beispiel die 1,9 und 1,7 Milliarden Euro hohen Klagen des US-Anleiheversicherers FGIC und der französischen Investmentbank Calyon Nahrung erhalten könnten durch einen öffentlichen Bericht über die damaligen Fehltritte.”

Sehr plausibel, dass daher die Furcht vor der Aufdeckung welcher Rechtsverstöße auch immer, die Organe der Banken zum Schweigen bringt. Freuen werden sich darüber nicht nur ehemalige Aufsichtsräte, sondern auch Prüfungsgesellschaften, Berater und Bankenaufsicht, die sich ebenfalls anrechnen lassen müssen, nicht genau hingeschaut oder zweifelhafte Empfehlungen gegeben zu haben.

Und mittlerweile hat sich die Öffentlichkeit anscheinend daran gewöhnt, dass Banken Fehler nur dann einräumen, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Ein weiteres Beispiel dafür liefert die Apotheker- und Ärztebank. Erst weil die Genossenschaftsbanken der krisengeschüttelten Apobank finanziell unter die Arme greifen müssen, wird bekannt, dass sich das Genossenschaftsinstitut mit strukturierten Wertpapieren verhoben hat.

Nach Angaben des Handelsblatts hatte die Bank bestritten, “dass ihr Wertpapierportfolio ein größeres Problem sei. Auch am Donnerstag betonte Pfennig, dass er an die Qualität der Papiere glaube. Dennoch will er nun die besonders komplexen Wertpapiere aus dem Bestand, die ein Volumen von fünf Mrd. Euro haben, extern überprüfen lassen.” Von wirklicher Aufarbeitung liegen solche Äußerungen meilenweit entfernt (siehe dazu auch Apobank: Späte Nebenwirkungen). Und im Zweifel war ja ohnehin eine anonyme Bestie mit dem Namen Finanzkrise schuld und die hat ja weder die IKB noch die Apobank zu verantworten. Schon klar.

.

Previous post:

Next post: