Der Hype um den Jahrestag der Lehman-Pleite ist längst abgeflaut. Das ist aber kein Grund, die Finanzkrise zu vergessen. Daher heute Teil 3 der Miniserie mit Äußerungen von „wichtigen“ Bankern rund um die Finanzkrise. Heute geht es um die Lehren, die Banken daraus gezogen haben.
Stephen Green (HSBC):
An den Märkten hat sich während des Booms die Meinung durchgesetzt, dass alle Geschäfte die legal sind, auch rechtens sind. Fragen über die moralische Rechtfertigung dieser Geschäfte oder über die Werte der Finanzindustrie wurden nicht gestellt. Das hat sich geändert und das ist eine sehr gute Sache. Wir werden sicher nicht plötzlich in einer perfekten Welt leben. Aber die Krise, die wir zurzeit erleben, ist so schwer, dass Politik, Regulierer und Öffentlichkeit nicht erlauben werden, dass wir einfach zur Tagesordnung zurückkehren.
Man kann die Krise sicherlich als faustische Erfahrung beschreiben. Zu viele Menschen haben einen Vertrag mit dem Teufel geschlossen. Den wahren Moment der Erfüllung erlebt Faust ganz am Ende erst, als er nicht mehr das persönliche Glück, sondern das Gemeinwohl der Gesellschaft in den Vordergrund rückt.
Lloyd Blankfein – CEO Goldman Sachs: Blankfein ging auch auf die Konsequenzen aus der Finanzkrise ein, wobei er drei zentrale Themen ausmachte: die Gegenreaktion auf die Komplexität von Finanzprodukten und-märkten, die Notwendigkeit einer Regulierung, um mit systemischen Risiken umzugehen zu können, und die Überprüfung der Vergütungspraxis mit dem Ziel, Anreize für das Eingehen übermäßiger Risiken zu beseitigen.
Walid Chammah, Co-Präsident von Morgan Stanley: Ich glaube, dass die Bankbranche einige wichtige Lektionen aus der Krise gelernt hat und sich in Zukunft anders verhalten wird. Das Bankgeschäft umfasst das Eingehen von Risiken, und Banken werden auch in Zukunft Risiken eingehen. Aber die Risiken werden messbarer und quantifizierbarer sein. Finanzaufseher und Investoren haben ebenfalls wichtige Lektionen gelernt. Es besteht kein Zweifel, dass die Steuerung und Beaufsichtigung von Banken sich verbessern werden – durch höhere Eigenkapitalanforderungen als bisher, durch Vorgaben, dass sich Banken langfristiger refinanzieren und durch die Verhinderung von Missmanagement in den Chefetagen.
„Tatsache ist, dass die Banken bei der Umsetzung der Lehren aus der Finanzkrise gut vorankommen“, verteidigte sich Ackermann. So hat die Branche nach Angaben des Schweizer Managers, der auch Präsident des Internationalen Bankenverbands IIF ist, Verbesserungen der Bonus-Regeln und der Risikomodelle erzielt. Besonders beim Thema Boni kämen die Banken gut voran. Hier gehe es darum, die Sonderzahlungen stärker am langfristigen Erfolg einer Bank auszurichten. Auf dem Weltfinanzgipfel Ende des Monats in den USA wollen die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) härtere Bonus-Regeln beschließen.
Quellen
Die Zeit: Stephen Green – Chairman HSBC: „Garantie-Boni sind verwerflich“
FTD: Richard Fuld – Ex-Lehman-Chef: „Sie haben keine Pistole dabei – das ist gut“
HB: Lloyd Blankfein – CEO Goldman Sachs: Goldman-Chef Blankfein atmet auf
FTD: HSH Nonnenmacher – Chef der HSH Nordbank: „Es ist herausfordernd und spannend, die Zukunftsfähigkeit der Bank zu … „
FAZ: Ackermann warnt vor hohen Kreditzinsen
HB: Deutsche Banken laufen Sturm
HB: Banker fordert Pleitegehen nach festen Regeln
HB: Andreas Schmitz, Präsident des Bankenverbandes BdB, „Herausforderung für den Markt“
HB: Ackermann sieht Europas Banken zurückfallen
HB: Walid Chammah, Co-Präsident von Morgan Stanley: „Erholung ging zu schnell“
HB: Commerzbank-Chef Blessing, Deutsche Bank-Chef Ackermann, Goldman Sachs Deutschland-Chef Dibelius
HB: Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzende der WestLB, WestLB: „Konsolidierung ist klare Präferenz“
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