DFB-Pokal: Werder Bremen vs. Bayern München: DAS Finale (inkl. Statistik und Wettquoten)

by Dirk Elsner on 15. Mai 2010

image Die nationale Fußballsaison wird mit dem Pokalfinale zwischen Werder Bremen und Bayern München beendet. Auf das Duell freut sich Fußball-Deutschland, denn es treffen nicht nur die beiden offensivsten Teams dieser Saison aufeinander, sondern auch der erste und zweite der ewigen Tabelle der Bundesliga. Die Saison ist für Bayern München bisher optimal gelaufen und für Werder Bremen war sie ok. Immerhin ist Werder wieder Meister in der Preis-Tor-Tabelle geworden.

Zum Finale schaue ich gern in die Studie des Hamburgischen Welt Wirtschaftsarchivs über den Faktor Zufall im Fußball. Die Untersuchung ist interessant, weil sich wohl sonst bisher niemand im Zusammenhang mit Fußball und Wettmärkten mit der Effizienzmarkthypothese befasst hat. Die Autoren, Jörn Quitzau und Henning Vöpel, bringen das zusammen. Und sie kommen zum Ergebnis, dass in der Bundesliga der Einfluss des Zufalls auf den Spielausgang durchschnittlich immerhin 52,7 Prozent beträgt, in der Premier League 49,5 Prozent. Sie schrieben dazu:

“Im Fußball fallen nur wenige Tore. Es ist daher oft schwierig, sportliche Überlegenheit auch in einen zählbaren Erfolg umzusetzen. Entsprechend groß ist aufgrund von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, Pfostenschüssen, abgefälschten Toren oder Verletzungen von Spielern der Einfluss des Faktors Zufall auf das Spielergebnis. Der Zufall kann die Dynamik eines Spiels und sogar einer ganzen Saison beeinflussen. Nicht selten spielen personell fast identische Mannschaften eines Vereins mal um die Meisterschaft, mal gegen den Abstieg.”

Dass der Faktor Zufall heute eine Rolle spielt, werden sich vor allem die Bremer Freunde wünschen, denn die Erwartungen für das Finale sehen die Wettmärkte ziemlich klar für die reguläre Spielzeit (Quelle: Wettmarkt von Betfair):

Sieg Bayern: 50%

Sieg Werder: 33%

Unentschieden: 17%

Und auch die “ewige” Statistik spricht für die Münchener (Details hier). Hier die Pflichtspiel-Daten aus Sicht der Bremer:

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Und was hat das jetzt mit der Effizienzmarkthypothese zu tun? Quitzau und Vöpel schreiben dazu:

“Anhand von Wettquoten können die Siegwahrscheinlichkeiten und daraus abgeleitet der Einfluss des Zufalls quantifiziert werden. Ausgehend von der Annahme informationseffizienter Wettmärkte („Effizienzmarkthypothese“) spiegeln die Wettquoten die wahre Stärke der gegeneinander antretenden Mannschaften wider. Wettquoten müssen so kalkuliert sein, dass der Gewinnerwartungswert für jede Wette gleich ist – denn damit existiert ein Gleichgewicht auf dem Wettmarkt. Entsprechend sind die im Gleichgewicht gesetzten Geldbeträge für alle angebotenen Wetten identisch. Unter dieser Voraussetzung entsprechen die Wettquoten zugleich der besten Prognose und es sind keine systematischen Gewinne realisierbar.”

Alles klar? Wenn nicht, macht es auch nichts, denn interessant sind weiter ist zu lesen:

“Ein glücklicher Umstand zu einem relativ frühen Zeitpunkt des Spiels kann sich positiv auf die Tagesform auswirken oder den Spielverlauf dahingehend beeinflussen, dass die Taktik der Teams sich verändert. Die intertemporalen Interdependenzen müssen sich allerdings nicht auf ein einzelnes Spiel beschränken, sondern können ganze Glücks- oder Pechsträhnen verursachen. Siege stärken und Niederlagen reduzieren das Selbstvertrauen für künftige Spiele. Die Erklärung des Zufalls durch den französischen Mathematiker Poincaré bringt die zuletzt geschilderten Zusammenhänge auf den Punkt: „Eine sehr kleine Ursache, die uns verborgen bleibt,  verursacht einen beträchtlichen Effekt, den wir nicht übersehen können, und dann sagen wir, dieser Effekt sei zufallsbedingt… Es kann vorkommen, dass kleine Differenzen bei den Anfangsbedingungen zu sehr großen Differenzen bei den endgültigen Phänomenen führen… Die Vorhersage wird unmöglich, und wir haben eine zufällige Entscheidung.“

Wer mehr wissen will, der kann sich die 26 Seiten umfassende Studie “Der Faktor Zufall im Fußball Eine empirische Untersuchung für die Saison 2007/08”  hier als pdf herunterladen. Wer einfach nur die Vorberichte des heutigen Finals studieren will, der wird unter den folgenden Schlagzeilen fündig:

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