Warnhinweise für die Wirtschaft und Börse

by Isik on 8. Juli 2010

Gastbeitrag von Erkan Isik*

Es sieht danach aus, dass den Aktienmärkten die Käufer ausgehen. An Tagen, wenn der Markt steigt, ist das Volumen sehr dünn, aber an anderen Tagen, wenn der Markt fällt, dann ist das Volumen sehr hoch. Viele ehemalige Pessimisten wie z.B. Herr Faber etc. sind schon in das Bullenlager gewechselt und in den Wirtschaftsnachrichten ist die Überzahl an bullisch gestimmten Ökonomen auch nicht zu übersehen. Im Grunde stiegen die Unternehmensgewinne im ersten Quartal 2010 um ca. 36%. Seit 1947 gibt es Aufzeichnungen der Unternehmensgewinne und sie waren nie höher als in diesem Quartal. Da die Rendite von Anleihen so erbärmlich niedrig ist, gibt es keine andere Anlagealternative als den Aktienmarkt, so die Aussagen von zahlreichen bullisch gestimmten Akteuren.
All diese Argumente sind in ihrem Aussagegehalt zwar wahr, aber leider gibt es einige Anzeichen dafür, dass es an den Märkten nochmals brenzlig werden könnte. Die Gefahr für einen zweiten deflationären Crash steigt und dieser könnte den ersten Crash in 2008 weit in den Schatten stellen. Auch könnte dies der eigentliche Grund sein, warum zahlreiche Investoren nicht mehr gewillt sind, diese wirtschaftliche Erholung zu kaufen. Darüber hinaus gibt es 7 Warnhinweise, die eine nächste größere Bewegung des Marktes andeuten:

  1. Die chinesische Wirtschaft kühlt sich langsam ab. Einige führende Wirtschaftsindikatoren wachsen seit April nicht mehr so stark wie z.B. der offizielle Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI), der nach 55,7 im April, 53,9 im Mai auf 52,1 im Juni gefallen ist. Auch die Autoverkäufe in China schwächeln. Die PKW-Verkäufe stiegen nur noch auf 10,9% zum Vorjahresmonat aber fielen im Juni um 7,5 % im Vergleich zum Vormonat. Steffen Bogs von wirtschaftsquerschuss, dessen Blog ich sehr gerne lese, hat hierzu zwei sehr gut recherchierte Artikel zum chinesischen PMI Indikator[1] und den Autoverkäufen in China[2] verfasst. Darüber hinaus hat auch der Shanghai Composite Index nun den niedrigsten Stand seit April letzten Jahres erreicht. Fühlen sich die Chinesen nicht mehr so bullisch?
  2. Auch im US-Häusermarkt zeichnet sich ein erneutes Abfallen in die Rezession ab. Die Hypothekenanträge sind auf dem Niedrigesten Stand seit 13 Jahren. Trotz steuerlicher Anreizprogramme der Obama-Regierung reicht das nicht aus, um den Häusermarkt zu stabilisieren, geschweige denn eine erneute Häuserblase zu entfachen. Der folgende Chart suggeriert, dass die Häuserverkäufe wieder sehr tief fallen könnten. In den USA sind die Häuserverkäufe ein wichtiger Maßstab für das US Verbrauchervertrauen. Die US-Bürger kaufen keine Häuser, wenn es ihnen schlecht geht, weil sie überschuldet sind und keine Jobs mehr haben.
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  3. Das US-Vebrauchervertrauen kippt. Die US-Verbraucher machen sich Sorgen über die Zukunft Ihrer Jobs und Wirtschaft. Der Index des Vebrauchervertrauen fiel auf 52,9 im Juni – der niedrigste Stand seit März – Das entscheidende für die US-Bürger sind nun mal Jobs, Jobs und nochmals Jobs.
  4. Der US-Arbeitsmarkt lieferte letzte Woche Freitag den 02.07. 2010 auch ein sehr schlechtes Bild. Der Stellenabbau außerhalb der Landwirtschaft lag bei -125.000 in den USA. Auch nahmen die befristeten Jobs im Rahmen der Volkszählung um -225.000 Stellen ab. Ohne neue Jobs und die daraus resultierenden Einkommen, gibt es keinen Weg aus der Schuldenkrise herauszukommen.
  5. Auch die Auswirkungen des von BP verursachten Öldesasters steigen. Das BP Leck im Golf von Mexiko hat sowohl einen wirtschaftlichen und auch einen ökologischen Einfluss. Louisiana’s Fisch- und Ölindustrie ist dadurch schwer getroffen. Floridas Tourismusindustrie, die jährlich 60 Milliarden Dollar umsetzt, ist in Gefahr und  auch Texas ist  betroffen, weil viele der Belegschaften der Tiefbohranlagen in diesem Staate leben. So oder so, ist es ein tiefer Schlag für die Wirtschaft. Solange dieser offene Ölleck nicht geschlossen wird, wird der Schaden weiter steigen.
  6. Gemäß einem Bericht der Behörde „Center on Budget and Policy Priorities (CBPP)“ könnten die US Staaten im Fiskaljahr 2011 mit der schlimmsten Budgetsituation seit der Rezession in 2007 konfrontiert werden. Dieser Bericht gibt wieder, dass Staaten von Maine bis Kalifornien ein Budgetdefizit von 140 Milliarden Dollar im Jahr 2011 aufweisen werden. Dies wäre das größte Defizit aller Zeiten. Alle Staaten müssen das Defizit abbauen. Dies ist nur möglich, in dem Einsparungen wie z.B. Einschnitte bei den Gehältern der Staatsbediensteten erforderlich sein werden. Damit würde sich auch das wirtschaftliche Klima in den USA erneut verschlechtern.
  7. Beim kürzlich veranstalteten G20 Treffen in Toronto wurde entschieden die Defizite der Industriestaaten bis 2013 zu halbieren. Wenn der monetäre Fluss an Regierungsgeldern austrocknet, dann wird es auch die Aktienmärkte negativ beeinflussen. Die 30iger Jahre lassen grüßen.

Quellen:

[1] http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/07/chinas-pmi-schwacht-sich-ab.html
[2] http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/07/chinas-autoverkaufe-schwacheln.html

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