So ungleich sind Lebensläufe in Wirtschaft und Politik verteilt: Top-Staatssekretär Weidmann wird Bundesbankpräsident, Otremba arbeitslos

by mnockerl on 12. März 2011

Manche mögen ja noch an der Legende von der Leistungsgerechtigkeit glauben und daran, dass gute Jobs allein auf Basis fachlicher Expertise vergeben werden. Zweifel an diesem Mythos nähren jedenfalls die unterschiedlichen jüngsten Karriereverläufe zweier Staatssekretäre der Bundesregierung.

Das ist einmal Jens Weidmann, der Nachfolger von Axel Weber im Amt des Bundesbankpräsidenten werden soll. Weidmann, dessen Berufung  Tagesspiegel und Zeit richtig finden, ist eng mit der Kanzlerin verbunden und hat im Hintergrund mit seinem Stab die Detailarbeit zu Wirtschaftsgipfeln, Euro-Schuldenkrise und Bankenrettung (gemeinsam mit dem ihm nachfolgenden Jörg Asmussen) gleistet. Diese Arbeit kam gut an, wenn man sich nur die politische Wirkung anschaut.

Ökonomisch betrachtet, darf man den verschiedenen von den Vorgaben der Politik geleiteten Aktivitäten von Weidmann, Asmussen und Co. durchaus Zweifel entgegen bringen. Bankenhilfe und Euro-Rettungsfonds werden rückwirkend schon lange nicht mehr als “alternativlos” angesehen, sondern zunehmend kritisch betrachtet. Das gilt vor allem für den einer parlamentarischen Demokratie nicht angemessenen Schnelldurchgang der Gesetzgebung und die weiterhin sehr hohe Intransparenz der Verwendung der Gelder und Garantien, die uns Steuerzahlen Milliardenrisiken aufbürdet. Weidmann war hier nicht verantwortlich, er gilt aber zusammen mit Jörg Asmussen zu den Architekten der Finanz- und Wirtschaftspolitik während der Finanzkrise.

Der andere Staatssekretär ist, sorry war Walther Otremba. Er war zuletzt unter zu Guttenberg im Amt und wurde unmittelbar nach Amtsantritt vom neuen Verteidigungsminister, Thomas de Maizière, aus dem Amt entfernt und ohne Gründe in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Über Otremba schrieb die FR:

 

“Otremba war die graue Eminenz, ohne deren Hilfe Guttenbergs glückloser Vorgänger Michael Glos vermutlich als Wirtschaftsminister noch unglücklichere Zeiten verlebt hätte. Und er war es auch, der dem jungen Nachfolger zur Seite stand, als der Amts- und Fachneuling im Februar 2009 Glos beerbte. Der Ordnungspolitiker Otremba hatte erheblichen Einfluss auf Guttenbergs Bremsmanöver bei der umstrittenen Opel-Rettung. Und der Finanzexperte Otremba war es, der im Krisenjahr 2009 staatliche Schutzschirme für Banken und Firmen mitersann.”

Irgendwie ähneln und kreuzten sich die beiden Karrieren der Spitzenbeamten Otremba und Weidmann häufiger. Auch Otremba gehört zu den insgesamt von der FTD als Viererbande bezeichneten Gruppe von Spitzenbeamten, die “das Finanzsystem und die deutsche Wirtschaft vor dem Untergang” retteten (FTD). Es sei einmal dahin gestellt, ob die Wirtschaftsgeschichtsschreibung dies bestätigen wird. In jedem Fall habend diese vier Männer größeren Einfluss auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik in den Jahren 2007 bis 2008 gehabt als die viel bekannteren Wirtschafts- und Finanzminister dieser Zeit.

Aus der jüngsten Berichterstattung erschließt sich freilich nicht, warum der eine (Weidmann) mit einem Top-Job geadelt und der andere aufs Abstellgleis geschoben wird. Möglich, dass Weidmann als “Musterschüler Merkels” (Spiegel Online) einfach das geschicktere Händchen hatte als Walther Otremba, der häufiger mit dem damaligen Kanzleramtsminister de Maizière aneinander geraten sein soll, hier einfach Pech hatte. So unterschiedlich können also Karrieren verlaufen und erinnern damit an so manch einen Lebenslauf in der Wirtschaft.

Interview aus dem März 2009 mit Otremba

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