Keine Karnevalsscherz: ETF auf US-Staatsanleihen enthält hauptsächlich italienische Anleihen

by mnockerl on 11. November 2011

Exchange Traded Funds (ETFs) haben sich in den letzten Jahren zu einem neuen Liebling der Anleger entwickelt. 2010 sollen in Deutschland Anleger mehr Geld in ETFs eingezahlt haben als in klassische Investmentfonds. ETFs bilden den Index einer Anlageklasse, wie etwa den DAX, nahezu identisch ab und “kopieren” so die Wertentwicklung dieser Anlageklasse. ETFS gelten als transparent, leicht handelbar und verschlingen weniger Gebühren als aktiv gemanagte Fonds, so zumindest die gängige Auffassung.

In diesem Jahr sind ETFs in das Blickfeld der Finanzaufsicht gekommen, weil in der Finanzwelt nichts ist, wie es scheint. Anleger erwarten eigentlich, dass die Fondszusammensetzung eines ETF, wenn er z.B. den DAX nachbildet, genau die gleichen 30 Anteile enthält, die im DAX zusammen gefasst sind. Das muss aber nicht so sein, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten die Wertentwicklung eines Index nachzubilden. Drei Methoden erklärte im Sommer das Handelsblatt:

  1. Full Replication: „Full replication“ heißt übersetzt volle Nachbildung. Bei der Methode steckt das Vermögen des ETFs in den Aktien des zugrundeliegenden Index – und zwar entsprechend der Gewichtung der Aktien im Index. Das heißt, das Börsenbarometer wird eins zu eins nachgebildet.
  2. Optimised Sampling: Diese selektive Teilnahme bedeutet, dass der ETF einige aber nicht alle Aktien eines Index erwirbt. So bildet er den Index näherungsweise ab. Dieses Verfahren wird – häufig aus Kostengründen – vor allem bei Indizes verwendet, in denen besonders viele Aktien notiert sind.
  3. Swap: Bei Swap-ETFs (Swap = Tausch) wird das Fondsvermögen in Wertpapiere, beispielsweise Aktien oder Anleihen, investiert. Zusätzlich zu diesem Basisportfolio wird mit einer Bank ein sogenannter Swap abgeschlossen. Der ETF-Anbieter tauscht so die Wertentwicklung des Basisportfolios gegen die Performance des abzubildenden Index. Die Kombination aus Basisportfolio und Swap stellt sicher, dass der ETF die Wertentwicklung des jeweiligen Index möglichst exakt nachvollzieht. (siehe dazu auch diese FAQ der Commerzbank)

Ich will hier jetzt nicht auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden eingehen. Die Deutsche Bank erklärt in einer Broschüre (S. 4), warum diverse ETFs per Swap versuchen die Referenz nachbilden. Aber gerade die swapbasierten ETFs stehen im Mittelpunkt der Kritik, weil beim Ausfall des Swappartners dann plötzlich der Index nicht mehr voll abgebildet werden kann.

Ein anschauliches Beispiel hat Alphaville, der Blog der Financial Times, in dieser Woche geliefert. Der Fonds Lyxor ETF iBoxx $ Treasuries 5-7 year bildet die Wertentwicklung von US-Treasuries nach. Die Wertentwicklung wird auch hier über Swaps erzielt. Schaut man sich die Zusammensetzung des Fonds an (aktuell abrufbar über diese Seite), dann stellt man fest, dass dieser ETF vergleichsweise wenig US-Treasuries hält. Die größte Position bilden Anleihen der Republik Italien, also italienische Staatsanleihen. Hier die Zusammensetzung per 8.11.

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Swappartner ist hier die Societe Generale, die übrigens auch hinter dem ETF-Anbieter steckt. Das Fondsmanagement bemüht sich gegenüber Alphaville deutlich zu machen, dass bei einem Ausfall des Swap Partners (also hier der Societe Generale) ausreichend Sicherheiten gestellt seien. Die Übersicherung beinhaltet außerdem einen Puffer gegen das Risiko des Ausfalls der gehaltenen Anleihen. Im Klartext bedeutet dies, nur ein Teil des Ausfallrisikos für italienische Anleihen, die nach den Erwartungen der Anleger gar nicht im Bestand dieses Fonds sein sollten, ist abgesichert. Was beim kompletten Ausfall passiert, ist unklar. Wie hoch die Besicherung ist, wird nicht jedoch verraten. Transparenz also bestenfalls light.

Mehr Beiträge über ETFs hat der Blick Log auf dieser Seite zusammen gestellt.

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