Wunschanalyse Deutsche Post AG

by sharewise on 8. Februar 2013

Herzlich Willkommen zu unserer Wunschanalyse in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de) und Terrell Trowbridge von LRT-Finanzresearch.de. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse der Aktie der Deutschen Post AG gewünscht.

Deutsche Post AG – Sentiment:

Prognostiziertes Kursziel kaufen halten verkaufen
19 Mitglieder Ø ca. 18,67 € 16 3
12 Analysten Ø ca. 18,10 € 7 5 0

Deutsche Post AG (WKN 555 200, ISIN: DE0005552004, Marktkapitalisierung: ca. 20,55 Mrd. )


               Firmenlogo Deutsche Post AG

Die Suche nach einem sicheren Hafen bewegt derzeit viele Privatanleger. Doch Vorsicht, der eine oder andere sichere Hafen ist bereits überfüllt, wir müssen bedacht und selektiv vorgehen. Ein paar Anhaltspunkte finden Sie in der heutigen Wunschanalyse. Für die Aktie der Deutschen Post AG heißt dies, dass ich sie zwar noch immer als einen sicheren Hafen betrachte, Käufe jedoch inzwischen nur noch bei Kursrückschlägen ratsam sind. Doch der Reihe nach!

Wohl noch nie war die Resonanz auf eine Wunschanalyse bereits im Vorfeld, während der Abstimmung, so stark wie dieses Mal. Das zeigt, dass wir damit den Nerv getroffen haben: Wo gibt es heute noch eine Rendite, die höher ist als die Inflation, ohne ein großes Risiko eingehen zu müssen? Ich will daher zunächst die verschiedenen Themen ansprechen, bevor wir uns dann den Abstimmungssieger, die Aktie der Deutschen Post AG, im Detail anschauen.

SICHERER HAFEN NR. 5: ALSTRIA OFFICE REIT-AG (IMMOBILIEN)

Dieses Thema ist sehr komplex, deshalb habe ich keine pauschale Kurzmeinung für Sie. Ich werde jedoch in den kommenden Wochen in meinem Heibel-Ticker.de Börsenbrief nicht nur auf alstria office REIT-AG, sondern auf eine ganze Reihe von Immobilienaktien eingehen.

SICHERER HAFEN NR. 4: UNTERNEHMENSANLEIHE NORDEX SE

Nach Jahren mit Problemen, verhunzter Energiewende und Überkapazitäten in der Windbranche könnte das Jahr 2013 in meinen Augen eine Trendwende einläuten. Entsprechend dürfte die gestern noch hochverzinsliche Unternehmensanleihe der Nordex SE (ISIN XS0601426538, WKN A1H 3DX) in den Augen der Anleger an Vertrauen gewinnen. Mit derzeit 6% Rendite ist das Papier deutlich attraktiver als viele Staatsanleihen. Doch eine Investition in eine Unternehmensanleihe verpflichtet Sie dazu, sich regelmäßig mit der Verfassung des Unternehmens auseinanderzusetzen. Kaufen und vergessen geht hier also leider nicht!

SICHERER HAFEN NR. 3: STAATSANLEIHE BRASILIEN

Auf der Suche nach Rendite im Anleihenmarkt strömt Kapital in die Schwellenländer. Dort gibt es noch hohe Renditen, aber wie sieht es mit den Risiken aus? Am Beispiel der Staatsanleihe Brasiliens (ISIN XS0077157575, WKN 193 052) schauen wir uns dieses Thema näher an.

Im Jahr 1997 wurde diese Staatsanleihe mit einem Nominalzins von 11% ausgegeben. Doch inzwischen gilt Brasilien als finanziell so solide wie Deutschland. Die Staatsanleihe wurde hochgekauft, der aktuelle Kurs steht bei 139% und das ergibt eine magere Rendite von nur noch 1,5%. Die Demographie, der Aufholbedarf und vor allem die Fußball-WM 2014 sowie Olympischen Sommerspiele 2016 haben dieses „ferne“ Land in den Fokus der Anleger gerückt und so gibt es kaum noch einen Risikoabschlag für das Schwellenland.

1,5% sind in meinen Augen nicht attraktiv genug, da schauen Sie sich lieber nach einem Festgeldkonto um!

SICHERER HAFEN NR. 2: XETRA-GOLD (EDELMETALL)

Mitte 2011 war der Goldpreis kurzzeitig über 1.900 US-Dollar je Feinunze gestiegen, seither läuft das gelbe Edelmetall seitwärts bis leicht abwärts. 2012 konnte Gold nach 10 Jahren in Folge dann erstmals nicht mehr mit dem DAX mithalten. Ist die Goldhausse zu Ende? Ist es jetzt vielleicht an der Zeit, alles Gold zu verkaufen?

Nicht so schnell! Mein Kompass hat mich 2001 bis 2012 Gold kaufen lassen. Ab 2017 werde ich Gold konsequent verkaufen. In den Jahren 2013 bis 2017 erwarte ich starke Schwankungen. Dabei ist es durchaus möglich, dass der Goldpreis nochmals über 2.000 US-Dollar je Feinunze springt. Aber auch Korrekturen unter 1.400 US-Dollar je Feinunze und tiefer sind jederzeit möglich. Die Zeit, in der Sie sorglos Gold als sicheren Hafen ins Portfolio kaufen konnten, ist vorbei. Sie müssen nun etwas selektiver mit dem Gold umgehen.

Ich würde bis auf weiteres Kurse über 1.700 US-Dollar je Feinunze zum Verkauf von kleinen Teilen nutzen und erst ab 1.500 US-Dollar je Feinunze über Nachkäufe nachdenken. Gold als Versicherung gegen ein mögliches Finanzmarktchaos hat nach wie vor seine Berechtigung. Doch die Zeit des „No-Brainers“ Gold (völlig sorgloser Kauf zu jeder Zeit und zu fast jedem Preis) ist vorbei. Sie müssen nun, wie bei allen Anlageformen, den Preis sehr genau beobachten. Unterm Strich sollte Gold – als Versicherung in Ihrem Portfolio – meiner Ansicht nach daher nun nicht mehr 10% bis 20% ausmachen sondern nur noch 5% bis 10%.

SICHERER HAFEN NR. 1: DEUTSCHE POST AG

Nun aber endlich zum Sieger der Abstimmung, der Aktie der Deutschen Post AG.

 

OLIGOPOL VORERST GESICHERT

Die Meldung schlug Mitte Januar ein wie eine Bombe: Die Brüsseler Wettbewerbsbehörde hatte die Übernahme der niederländischen TNT Express N.V. durch die amerikanische United Parcel Service (UPS) untersagt. Es gibt in Europa zur Zeit nur vier große Paketzusteller, neben den beiden oben genannten noch die Deutsche Post AG mit ihrer Tochter DHL sowie FedEx Corp. Und dieses, aus vier Wettbewerbern bestehende, Oligopol wird nun auch weiter Bestand haben.

Der Vorstoß von UPS, durch die Übernahme der TNT Express N.V. insbesondere seinen interkontinentalen Expressdienst auszubauen, wurde also vereitelt. DHL braucht sich um einen sich verschärfenden Wettbewerb also vorerst keine Sorgen mehr zu machen. Denn die Gefahr war leicht verständlich: In der Logistik gibt es hohe Skalenerträge. Je größer einer der Wettbewerber ist, desto günstiger kann er einzelne Lieferungen anbieten.

Einem verschärften Wettbewerb würde dann gegebenenfalls wohl einer der drei noch verbliebenen Wettbewerber zum Opfer fallen. Die beiden verbleibenden Wettbewerber würden sich anschließend den Markt aufteilen und die Gebühren hochschrauben. In einem Duopol braucht es kaum Absprachen, damit man sich nicht weiter zerfleischt. Für einen nachhaltigen Wettbewerb sind vier Konkurrenten daher deutlich gesünder. Es findet zwar kein ruinöser Wettbewerb statt, aber Absprachen untereinander, auch unausgesprochene, sind unter vier Konkurrenten ebenfalls fast nicht möglich.

Es bleibt also alles wie es ist – und die Deutsche Post Tochter DHL ist dankbar dafür.

 

AUCH NACH DER KURSRALLY NOCH FAIR BEWERTET

Mitte Juli letzten Jahres hatte ich Ihnen die Aktie der Deutschen Post AG bereits im Rahmen der Wunschanalyse (siehe: http://www.de.sharewise.com/finanznachrichten/53823) zu einem Kurs von damals ca. 14,00 Euro zum Kauf empfohlen. Seither ist die Aktie um mehr als +20% angesprungen, und viele Kunden fragen mich, ob nun der Zeitpunkt für einen Verkauf gekommen sei. Nun, schauen wir uns also die Bewertung einmal näher an!

Noch immer bietet die Deutsche Post AG eine erwartete Dividendenrendite von stolzen 4,6%, noch dazu steuerfrei! Aus der Aufspaltung der Bundespost trägt die Deutsche Post AG noch eine Bilanzposition mit sich herum, die steuerfrei an die Aktionäre ausgeschüttet werden kann. Eine Besonderheit, die nur wenige Unternehmen bieten und die insbesondere für Anleger interessant ist, die über den Steuerfreibetrag hinaus kommen, was bei den meisten Anlegern wohl der Fall sein dürfte.

Das KGV 2013e steht inzwischen bei 12,5 und spiegelt somit das Umsatzwachstum von 4,5% wider. Wachstumstreiber ist tatsächlich in erster Linie die Logistiksparte DHL, denn dieser Bereich profitiert von der Zunahme des Internethandels. Dank Amazon und Co. klingelt der DHL-Zusteller fast täglich bei uns zu Hause. Dieser Bereich wird Markterwartungen zufolge bis 2020 daher auch weiterhin um jährlich 5% bis 7% wachsen. DHL ist wesenlich profitabler als das Briefzustellungsgeschäft, und somit steigen die Gewinne der Deutschen Post AG überproportional zum Umsatzwachstum mit jährlich rund 7% an.

In meinen Augen ist das KGV 2013e von 12,5 für ein Gewinnwachstum von 7% p.a. angemessen. Die attraktive Dividendenrendite versüsst die Zeit.

ZUKUNFTSPHANTASIE

Es wird schwer für die Deutsche Post AG, den Umsatz durch den Zugewinn von Marktanteilen auszuweiten. Der Markt ist aufgeteilt, und die Preise sind auf einem Niveau, auf dem alle überleben können, aber gleichzeitig niemand einen Preiskampf anzetteln würde. Zusätzliches Wachstum muss aus neuen Märkten kommen. Zum Beispiel aus den Schwellenländern.

Dort gibt es nämlich noch hohe Wachstumsraten beim Bruttosozialprodukt und überproportionale Wachstumsraten bei der Nutzung von Lieferdiensten. Erst Mitte vergangenen Jahres hat die Deutsche Post AG daher auch eine Unternehmensanleihe zur Finanzierung der Expansion in die Schwellenländer ausgegeben. Die Deutsche Post AG ist zwar schon in 220 Ländern der Erde vertreten (viel mehr Länder gibt es nicht!), aber das jeweilige lokale Netzwerk kann natürlich noch stark ausgebaut werden. Insbesondere eben in den Schwellenländern, wo die Wirtschaft sich immer enger verzahnt, kann gerade DHL überproportional wachsen.

Ein weiterer Wachstumsbereich sind neue Logistikdienste. Jeder Einzelhändler in Deutschland betreibt aufwendige dezentrale Lager, von wo aus die einzelnen Filialen beliefert werden. Die Deutsche Post AG hat ebenfalls unzählige dezentrale Lager und kann somit vielen Einzelhändlern bei der Logistik attraktive Angebote unterbreiten. Hier sind natürlich jeweils spezielle Anforderungen der jeweiligen Unternehmen einzuarbeiten, was solche Projekte sehr aufwendig macht. Doch grundsätzlich ist das alles lösbar und hätte am Ende für beide Seiten Kostenvorteile.

 

RISIKO EINES KONJUNKTURELLEN ABSCHWUNGS

Dieses Risiko sehe ich derzeit als recht gering an. Zwar befindet sich die Welt derzeit in Aufbruchstimmung: China hat die Talsohle durchschritten, die USA liefern wieder Wachstumszahlen und in Europa stabilisiert sich die Lage zusehends. Doch die Probleme der Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise sind zwar angegangen, aber noch nicht ganz vom Tisch. Es kann in meinen Augen daher jederzeit zu Rückschlägen kommen. Und solche Rückschläge würden gerade ein konjunktursensibles Unternehmen wie die Deutsche Post AG besonders hart treffen.

Doch ich sehe dieses Risiko als relativ überschaubar an, weil inzwischen Instrumente verfügbar sind, um erneut auftretende Katastrophen zu meistern. Negative Überraschungen würden zwar kurzfristig natürlich nochmal die Wirtschaft erschüttern, dürften jedoch schnell in den Griff bekommen werden.

CHARTTECHNIK

Hier finden Sie eine ausführliche charttechnische Analyse der Aktie der Deutschen Post AG von unserem Kooperationspartner in Sachen Charttechnik, LRT-Finanzresearch.de.

 

FAZIT: NOCH IMMER EIN SICHERER HAFEN!

Die Unterbewertung von letztem Jahr ist zwar inzwischen nicht mehr gegeben, die Aktie ist in meinen Augen fair bewertet. Die Deutsche Post AG ist als guter Dividendentitel inzwischen als sicherer Hafen bekannt und viele, insbesondere institutionelle Anleger, haben sie in den vergangenen Monaten in ihr Depot geholt. Nach mehr als +20% Kursgewinn wird es sicherlich auch einmal ein paar Gewinnmitnahmen geben, spätestens nach der Ausschüttung der nächsten Dividende im Mai.

Aber langfristig ist die Deutsche Post AG sehr solide aufgestellt. Die Steuerfreiheit der Dividende kann noch „einige Jahre“ (so die Deutsche Post AG selbst) aufrechterhalten werden. Das Wachstum ist ordentlich und der Wettbewerb überschaubar. Von daher ist die Deutsche Post AG nach wie vor eine gute Komponente für den sicheren Hafen in Ihrem Portfolio. Vielleicht warten Sie mit einem Kauf auf einen kurzfristigen Rücksetzer in den Bereich um 16,00 Euro.

Wenn Sie weiterhin über die Aktie der Deutsche Post AG auf dem Laufenden gehalten werden wollen, dann melden Sie sich doch einfach und unverbindlich für meinen kostenfreien Heibel-Ticker.de Börsenbrief an.

 

ÜBER DEN AUTOR: STEPHAN HEIBEL

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker.de Börsenbriefs, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet. Sie können sich unter http://www.heibel-ticker.de unverbindlich eintragen.

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Stephan Heibel

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