Was ist Korruption?

by Jakob Wega on 22. November 2013

Der derzeit stattfindende Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff hat viele Bundesbürger verwirrt. Wird hier jemand wegen einer Nichtigkeit verfolgt, bloß weil er prominent ist und das falsche Parteibuch hat? Werden gar Rechnungen aus der Vergangenheit beglichen? Oder ist das Ganze ein Musterbeispiel für einen funktionierenden Rechtsstaat, in dem jeder, aber auch wirklich jeder, ungeachtet von Rang und Person, unabhängig von der Schwere des Vergehens und vor allem völlig losgelöst von den mit der Verfolgung verbundenen Kosten, seine gerechte Strafe erhält.

Die Thematik ist auch für Experten oft verwirrend. Viele Menschen kommen in Situationen, in denen sie korrumpiert werden, ohne es selbst so recht zu merken. Deshalb wurden folgende Musterbeispiele erarbeitet, um dem Leser klar zu zeigen, was Korruption ist und was nicht:

Korruption ist,

wenn man einem Politiker einen Umschlag mit 1.000 € in die Tasche schiebt und dazu sagt: „Du weißt schon.“

Korruption ist hingegen nicht,

wenn man als Industrieller aus staatsbürgerlichem Verantwortungsgefühl heraus einer Partei eine sechsstellige Summe spendet, kurz vor oder nachdem eine wichtige Entscheidung zur eigenen Branche wie erwünscht gefällt wurde. Voraussetzungen sind allerdings, dass die Bestimmungen des Parteispendengesetzes eingehalten werden und regelmäßig gespendet wird. Wenn die Spende viermal höher ausfällt als sonst, ist dies irrelevant.

Korruption ist,

wenn man seinem Postboten zu Weihnachten ein Geschenk macht, dessen Wert über 10,- € hinaus geht. Dies würde in keiner angemessenen Relation zur Höhe seines Lohns stehen und ihn indirekt auffordern, unzulässige Vorteile bei der Briefzustellung zu gewähren.

Korruption ist hingegen nicht,

wenn man auf der Jacht eines Geschäftsfreundes ein Wochenende mit drei osteuropäischen Luxusnutten verbringt. Voraussetzung ist allerdings, dass man in den Erholungspausen ein Gespräch mit den Damen über die Lebensumstände im Heimatland führt und so einen unverfälschten Eindruck über den Fortschritt der Annäherung an die EU bekommt. Zudem muss man die Flugkosten als Dienstreise abrechnen, sonst könnte in Zweifel gezogen werden, dass es für den Jachtaufenthalt einen beruflichen Grund gab.

Korruption ist,

wenn Hilfsorganisationen in der Dritten Welt Schmiergelder an die örtlichen War Lords zahlen, damit sie ihre Projekte durchführen können. Denn dann werden gerade in Entwicklungsländern falsche Anreize gesetzt und repressive Strukturen gestützt.

Korruption ist hingegen nicht,

wenn US-Investmentbanken in China und anderen Schwellenländern die Kinder von führenden Parteifunktionären als Manager einstellen, selbst wenn diese außer Ferraris kaputt zu fahren nichts gelernt haben. Es handelt sich dann nämlich um ein Sozialprogramm für ansonsten schwer in die Gesellschaft zu integrierende Jugendliche.

Korruption ist,

wenn man bei einer Alkoholkontrolle anstatt ins Röhrchen zu blasen dem Polizisten zulallt: „Können wir dies nicht auch anders regeln?“

Korruption ist hingegen nicht,

wenn man von einer Dienstreise nach Afghanistan einen Teppich mitbringt und versucht, diesen einzuschmuggeln. Dies ist einfach nur dämlich.

Korruption ist,

wenn man Scheinrechnungen über nicht erbrachte Leistungen erstellt.

Korruption ist hingegen nicht,

wenn man ein Gutachten aus Wikipedia zusammenkopiert und dann für € 50.000,- an Regierungsstellen verkauft, die rein zufällig mit guten Parteifreunden besetzt sind. Denn hier ist ja offensichtlich eine Leistung erbracht worden, die hohe Marge spricht dann nur für eine besondere Fähigkeit zur Wertschöpfung.

Korruption ist,

wenn man einen Beamten zu einem Essen einlädt, das über Würstchen, Pommes und einen Plastikbecher Cola Light hinausgeht. Denn durch gesündere Kost (bei Anhängern der Grünen) oder Alkohol (bei den übrigen Beamten) könnte die Objektivität eines deutschen Staatsdieners ernsthaft beeinflusst werden.

Korruption ist hingegen nicht,

wenn man als Minister noch das Ruhestandsgehalt von einer anderen Behörde bezieht. Denn für Letzteres wird ja offensichtlich keine Gegenleistung erbracht.

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