Vorfälligkeitsentschädigung und Widerrufsjoker bei Krediten – FAQ

by mnockerl on 5. Mai 2014

Bei einer größeren Anschaffung, wie einer Immobilie, ist es oft nötig, einen Kredit aufzunehmen. Nur selten können Personen den Kaufpreis von ihrem Erspartem bezahlen, sodass die Hilfe eines Finanzinstituts nötig ist. Da Darlehen allerdings nur selten in Anspruch genommen werden – immerhin steht ein Immobilienkauf nicht jeden Tag an – wissen viele nicht, worauf sie beim Abschluss achten müssen und welche Möglichkeiten sie auch später haben, von eventuell gesunkenen Zinsen profitieren zu können, trotz der Zinsbindung. Dieser Text beantwortet die häufigsten Fragen zur Aufnahme eines Kredits wie auch zu den weiteren Vorgehensweisen, falls die Zinsen sinken und der Darlehensnehmer davon profitieren möchte. Dies funktioniert allerdings nicht in jedem Fall.

1. Wie wird ein Kredit abgeschlossen?

2. Welche Vorteile hat der Kreditnehmer?

3. Welche Vorteile hat das Finanzinstitut?

4. Gibt es ein Widerrufsrecht?

5. Kann ein Kredit vorzeitig abbezahlt werden?

6. Ist ein Kredit umzuschulden?

7. Was ist die Vorfälligkeitsentschädigung?

8. Kann die Vorfälligkeitsentschädigung umgangen werden?

9. Wie funktioniert der Widerrufsjoker?

10. Was ist vor Einsatz des Jokers zu beachten?

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Abbildung 1: Wer auf mehr Geld angewiesen ist, als er zurzeit zur Verfügung hat, muss in den meisten Fällen einen Kredit aufnehmen

Quelle:  pixabay.com © PublicDomainPictures CC0 1.0

 

1. Wie wird ein Kredit abgeschlossen?

Ein Kreditnehmer hat die Möglichkeit, sich direkt bei seiner Bank für eine Hypothek beraten zu lassen. Mit den Möglichkeiten des Internets hat sich aber eine neue Form der Beratung aufgetan: Interessierte können sich direkt im Internet bei den jeweiligen Finanzinstituten informieren. Außerdem können sie durch unabhängige Vergleichsportale herausfinden, wer die besten Konditionen anbietet – dazu gehört der Zinssatz, die Laufzeit und die Möglichkeit der Sondertilgungen. Neben der Online-Information ist aber auch ein Abschluss des Kredits möglich, wie bild.de beschreibt. Dies kann den Vorteil haben, dass durch weniger Verwaltungsaufwand seitens der Bank günstigere Zinsen angeboten werden. Wer das Darlehen aber lieber vor Ort abschließt, hat durch den Vergleich der Angebote der anderen Finanzinstitute außerdem eine bessere Verhandlungsbasis, um den Zins eventuell noch etwas zu drücken.

2. Welche Vorteile hat der Kreditnehmer?

Ein Kredit wird aus einem einzigen Grund aufgenommen: Der Interessierte benötigt Geld. Dies kann aus den unterschiedlichsten Gründen der Fall sein. Beispielsweise durch den Kauf einer Immobilie. Der Vorteil, der sich durch das Darleihen ergibt, ist daher nur das zur Verfügung gestellte Kapital. Er kann dieses ganz nach seinem Belieben ausgeben, ohne der Bank dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Nur das Zurückzahlen sollte er finanzieren können. Dies kann sich zum Teil um einige Jahre handeln, da Darlehenssummen meist sehr hoch ausfallen. Wer sich Kapital von einem Geldinstitut leiht, sollte sich deswegen immer bewusst darüber sein, dass er für einige Jahre verschuldet sein wird.

3. Welche Vorteile hat das Finanzinstitut?

Die Bank, die den Kredit vergibt, bekommt diesen mit den Jahren zurückbezahlt, nebst Zinsen. Das bedeutet, dass Darlehensnehmer nicht nur sein geliehenes Geld zurückzahlt, sondern auch noch etwas oben drauf. Eine Beispielrechnung: Es ist eine Hypothek von 30.000 Euro nötig, die Zinsen liegen derzeit bei 5,8%. Der Kreditnehmer erhält diesen Betrag zu dem angegebenen Zinssatz und vereinbart mit der Bank, die Schulden in 36 Monaten zurückzuzahlen. Monatlich fällt deswegen eine Rate von 907,93 Euro an; Insgesamt werden daher 32685,33 Euro zurückgezahlt, wegen des Zinssatzes von 5,8%. Die Bank macht daher einen Gewinn von 2685,33 Euro. Dies ist eine gängige Vorgehensweise, da das Finanzinstitut sich unter anderem durch die Hypothek finanziert. Die Zinsen sind deshalb ein Vorteil des Darlehensgebers.

 

4. Gibt es ein Widerrufsrecht?

Ein Verbraucherkredit ist ein ganz normaler Vertrag zwischen einem Kunden und einem Verkäufer. Dies bedeutet, dass ebenso wie beim Onlineshop ein befristetes Widerrufsrecht besteht. Wichtig ist dabei nur, dass es sich tatsächlich um einen Verbraucherkredit handelt; §491 BGB definiert diesen:

„ Die Vorschriften dieses Kapitels gelten für entgeltliche Darlehensverträge zwischen einem Unternehmen als Darlehensgeberund einem Verbraucher als Darlehensnehmer.“

In den weiteren Unterpunkten sind die Ausnahmen definiert, in denen es kein Verbraucherdarlehensvertrag ist; beispielsweise wenn sich die Haftung auf eine dem Kreditgeber zum Pfand überlassene Sache beschränkt oder wenn das geliehene Kapital binnen drei Monaten zurückzuzahlen ist.

5. Kann ein Kredit vorzeitig abbezahlt werden?

Es ist möglich, nicht nur die monatlichen Raten zurückzuzahlen, sondern auch größere Beträge. Sondertilgung wird dies genannt. Dadurch ist es möglich, den Kredit vor Ende der Laufzeit abzubezahlen. Allerdings bedeutet dies für das Finanzunternehmen, dass ihm Zinsen verloren gehen. In vielen Verträgen ist das Sondertilgungsrecht aufgeführt, sodass die Darlehensnehmer nichts zu befürchten haben. Ist es aber nicht dabei, kann eine Vorfälligkeitsentschädigung möglich sein; diese wird in Punkt 7 näher erläutert.

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Abbildung 2: Mit Erspartem ist ein Kredit vorzeitig abzubezahlen – dies lohnt aber nur bei einem Sondertilgungsrecht

Quelle: pixabay.com © OpenClips CC0 1.0

6. Ist ein Kredit umzuschulden?

Umschulden bedeutet, einen Kreditvertrag bei einer anderen Bank mit günstigeren Konditionen aufzunehmen und den laufenden Vertrag aufzulösen. Dies bedeutet allerdings einen Nachteil für das erste Geldinstitut: Ihm gehen so die vereinbarten Zinsen und der Rest des geliehenen Geldes verloren, mit denen es allerdings fest gerechnet hat. Aus diesem Grund verlangen sie auch in diesem Fall oft eine Vorfälligkeitsentschädigung. Trotzdem kann es sich für die Kreditnehmer aber zum Teil lohnen, die Umschuldung zu wählen: Die günstigeren Zinsen wirken sich langfristig sehr wahrscheinlich besser auf das eigene Kapital aus und eventuell schaffen sie es so, die Hypothek früher als geplant zurückzuzahlen. Allerdings muss der Darlehensgeber diesem Prozess zustimmen, da ein generelles Recht, früher aus dem Vertrag entlassen zu werden, nach dem Verstreichen des Widerrufsrechts nicht besteht, berichtet Focus.de.

7. Was ist die Vorfälligkeitsentschädigung?

Wenn ein Kreditnehmer früher als im Vertrag festgelegt aus der Vereinbarung austreten möchte, gehen dem Finanzinstitut Gelder verloren. Bei der Sondertilgung die vereinbarten Zinsen, bei der Umschuldung die Zinsen nebst dem noch offenen Restbetrag. Wenn im Kreditvertrag die Sondertilgung vereinbart ist, kann die Bank keine Vorfälligkeitsentschädigung erheben. Anders sieht dies allerdings bei der Umschuldung aus. Bei dieser will der Darlehensnehmer früher als geplant aus dem Vertrag heraus. Es liegt in der Kulanz der Bank, ob sie diesem zustimmt. Wenn sie dies tut, darf sie allerdings relativ frei ein Entgelt bestimmen, dass der Vertragsnehmer zu bezahlen hat. Dies wird Vorfälligkeitsentschädigung genannt; im Normalfall verlangt das Finanzinstitut aber nicht nur die Summe, die ihnen durch die Vertragsauflösung verloren geht, sondern einiges mehr. Es gilt daher, gut abzuwägen, ob sich die Umschuldung wirklich lohnt.

8. Kann die Vorfälligkeitsentschädigung umgangen werden?

Es ist möglich, diese Entschädigung zu umgehen. Dies ist allerdings nicht in allem Fällen möglich. Der sogenannte Widerrufsjoker hilft dabei, das Entgelt zu umgehen; Dafür ist es aber nötig, dass die Widerrufsklausel im Kreditvertrag Formfehler aufweist, sodass sie ungültig wird.

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Abbildung 3: Wenn die Zinsen sinken, ist es oft eine gute Möglichkeit, den Kredit auf einen Vertrag mit besseren Konditionen umzuschulden – Oft klappt dies aber nur mit dem Widerrufsjoker

Quelle: pixabay.com © PublicDomainPictures CC0 1.0

9. Wie funktioniert der Widerrufsjoker?

Von diesem Joker können Darlehensverträge profitieren, die zwischen dem 1.9.2002 und dem 11.6.2010 geschlossen wurden. Laut dem Ratgeber eines Vergleichsportals für Baufinanzierungen ist es möglich, dass in dieser Zeit abgeschlossene Kredite eine fehlerhafte und damit ungültige Widerrufsbelehrung enthalten. Damit dies sicher ist, muss die Belehrung überprüft werden; in den meisten Fällen sind falsche Belehrungen über den Beginn der Widerrufsfrist und die -folgen zu finden. Am besten ist es, wenn Betroffene die Beratung eines Fachanwalts in Anspruch nehmen, um abzuklären, ob der Widerrufsjoker in ihrem individuellen Fall eingesetzt werden kann. Ist er einzusetzen, können Kreditnehmer ihren Vertrag rechtlich wirksam kündigen, ohne dafür eine Vorfallausfallentschädigung zahlen zu müssen. Auf diese Weise ist es möglich, von den aktuell günstigen Zinsen zu profitieren, ohne dem bisherigen Darlehensgeber durch Auflösen des Vertrags ein Entgelt bezahlen zu müssen.

10. Was ist vor Einsatz des Jokers zu beachten?

Neben der fachlichen Beratung, die abklären sollte, ob der Widerrufsjoker überhaupt angewendet werden kann, sollte sich der Kreditnehmer nach alternativen Angeboten umsehen. Es bringt ihm immerhin nichts, sich aus dem Hypothekenvertrag zu befreien, aber dafür einen mit schlechteren Konditionen zu bekommen. Die neue Finanzierung sollte außerdem sichergestellt sein, da mit Widerruf eine Frist von 30 Tagen beginnt, in der die restliche Darlehensforderung an die Bank gezahlt werden muss. Wenn die alternative Finanzierung aber fest steht und der Widerrufsjoker anzuwenden ist, steht der Umschuldung nichts mehr im Wege. Am besten wird der Widerruf per Einschreiben an das Geldinstitut gesendet.

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