Neue Studie der Commerzbank: Fremdfinanzierung im Mittelstand äußerst unbeliebt

by Dirk Elsner on 14. Mai 2014

Vor einigen Wochen hatte wir für die CFOWorld auf die Debatte zur Investitionsneigung deutscher Unternehmen hingewiesen und den Vorwürfen, in Deutschland würde zu wenig investiert werden. Aggregierte Bilanzdaten einer Untersuchung der Bundesbank bestätigten allerdings keine “ausgeprägte Investitionsschwäche. Vor diesem Hintergrund ist ein Blick in eine neue Studie über “Investitionsstrategien im Mittelstand” interessant, die die Commerzbank heute vorstellt.

Das Frankfurter Institut hat gemeinsam mit TNS Infratest untersucht, welche Strategien Mittelständler bei ihren Investitionen verfolgen. Ein Investitionsfeuerwerk brennen die Unternehmen jedenfalls nicht ab. Die Autoren befragten 4.000 mittelständische Unternehmen ab 2,5 Mio. € Jahresumsatz zu ihrem Investitionsverhalten.

Ein Drittel investiert vordringlich in den Substanzerhalt, eine Minderheit legt einen klaren Schwerpunkt auf Wachstum. Die meisten mittelständischen Unternehmen halten ihre Investitionen für ausreichend und zielführend. Ein Investitionsstau bestehe aus ihrer Sicht nicht. Die grundsätzliche Bereitschaft, langfristigere Entscheidungen zu treffen und die entsprechenden Risiken einzugehen, ist seit 2012 signifikant angestiegen. 53 Prozent der befragten Unternehmen planen langfristig, 2012 waren das nur 37 Prozent.

Der Mittelstand fühlt sich finanziell zwar gut aufgestellt, nennt aber auch unsichere wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen als Investitionshindernis. Auch der Fachkräftemangel verzögere Investitionen nehmen. Folgende Barrieren sehen die Unternehmen:

  • 45 Prozent in schwankenden Rohstoff- und Energiepreisen,
  • 43 Prozent im anhaltenden Fachkräftemangel
  • 40 Prozent im insgesamt unsicheren wirtschaftlichen Umfeld
  • 36 Prozent in komplexen behördlichen Genehmigungsprozessen,
  • 35 Prozent in unsicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen
  • 25 Prozent berichten von unternehmensinternen Hindernissen

Keine Finanzierungsprobleme aber Kreditaversion

Die Studie bestätigt erneut, dass Unternehmen derzeit kaum Finanzierungsschwierigkeiten haben. Nur 17 Prozent der Befragten sehen bei der Planung und Durchführung von Investitionen noch Finanzierungsprobleme. 15 Prozent der Unternehmen gaben an, Investitionsprobleme aufgrund von fehlendem Eigenkapital zu haben.

Bestätigt wurde, dass die Fremdfinanzierung über Banken im Mittelstand äußerst unbeliebt ist. 66 Prozent der Unternehmen versuchen ihre Investitionen möglichst ohne Fremdkapital von Banken und Sparkassen Kredite zu tätigen. Die Studie diagnostiziert sogar eine regelrechte Kreditaversion: “Trotz, oder vielleicht gerade aufgrund geringer Finanzierungsprobleme halten die Unternehmen zur Fremdfinanzierung kritisch Abstand” (S. 24).

Ökonomen sehen diese Kreditaversion angeblich kritisch. Die Begründung dafür ist freilich reichlich dünn. Die Autoren schreiben (S. 25):

“Volkswirte sehen in der Nutzung von Fremdkapital mehrheitlich keine ungeliebte Lösung, sondern eine volks- und betriebswirtschaftlich sinnvolle Option, die Unternehmen bei Investitionsvorhaben gleichberechtigt prüfen sollten. Es stellt sich die Frage, ob eine „Kreditaversion“ der Unternehmen dazu führt, dass langfristige strategische Investitionen nicht getätigt werden, da diese aus dem Cashflow oder dem Eigenkapital allein nicht finanziert werden können oder sollen.”

Ich sehe die Zurückhaltung bei der Bankenfinanzierung für sich als unkritisch, solange alternative Finanzierungsquellen zur Verfügung stehen. Eher stimme ich dem Befund der Wirtschaftswissenschaftler zu, es werde nicht genug investiert. Wie Ökonomen die Investitionsneigung der öffentlichen Hand, von Großunternehmen und Mittelständlern bewerten, zeigt die folgende Grafik (S. 28):

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Banken als Partner nicht gefragt

Die befragten Mittelständler wünschen sich laut der Studie angeblich Bankpartner, die sie zu Investitionen motivieren und Impulse setzen. Die Umfragedaten lassen eine solche Wertung freilich fraglich erscheinen. Für gerade einmal 51 Prozent der befragten Unternehmen sind Banken eine wichtige Instanz, um die Wirtschaftlichkeit von Investitionsentscheidungen zu prüfen. 61% sehen in Banken keine unabhängigen Berater und gar 67 Prozent sehen Banken zu wenig als Motivator und Ideengeber für Investitionen. Hier muss sich die Finanzbranche dringend fragen, wie sie diese negativen Werte umdrehen kann.


Ich denke mal, dass im Laufe des Tages, die Studie zum Download bereit stehen wird. Ich werde dann einen entsprechenden Link hier ergänzen.

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soerens69 Mai 24, 2014 um 11:10

Obwohl mit der Kreditvergabe sieht es im Mittelstand besser als bei kleineren Unternehmen: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/finanzierung/kleine-unternehmen-bekommen-seltener-kredite/

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soerens69 Mai 14, 2014 um 11:29

Ein mittelständisches Online-Magazine berichten auch darüber: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/finanzierung/mittelstand-bei-investitionen-zurueckhaltend/
Bei der Finanzierung von Innovationen erwartet der gehobene Mittelstand aktuell keine Probleme. Trotz der derzeit guten Finanzierungsmöglichkeiten, sind Fremdfinanzierungen beim Mittelstand unbeliebt. Die Unternehmen versuchen eher, ihre Investitionen möglichst ohne Kredit und aus Bordmitteln zu finanzieren. Die befragt Ökonomen raten hingegen zu einem Finanzierungsmix, der auch aus Fremdkapital bestehen sollte.

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