Die FAZ über kalkulierte Authentizität von Top-Managern: Konstruierte Reputation

by Dirk Elsner on 30. Juli 2014

imageEndlich mal wieder einer der viel zu seltenen Artikel, die deutlich machen, dass in der heutigen Zeit weniger das Sein als der Schein zählt. Rainer Hank und Georg Meck befassen sich in dem am vergangenen Sonntag in der FAS erschienen Beitrag  “Woran Top-Manager scheitern” damit, dass eine lädierte Reputation Manager heute viel schneller zu Fall bringen als schlechte Leistung. Hank und Meck gehen dann auch auf das professionelle Storytelling für Manager ein, ohne diese freilich so zu nennen:

“Da die Manager die Gefahr des Reputationsverlustes kennen, wundert es nicht, dass sie entsprechend auf ihren Lebenslauf achten, noch mehr auf die Wahrnehmung dessen. Für teures Geld basteln Scharen von PR-Strategen in ihren Werkstätten an einem zuträglichen Bild des Vorstandschefs, raten ihnen, was geht und was nicht: Welches Hobby, welche Leidenschaft taugt zur Selbstdarstellung, welche nicht? Das geht so weit, dass die Herren Konzernlenker sich einflüstern lassen, welcher angebliche Lieblingsfilm, welches vorgeblich zuletzt gelesene Buch im halböffentlichen Small Talk Punkte bringt.”

So werde Reputation heute aufwendig konstruiert und es entstehe kalkulierte Authentizität.

Rainer Hank hatte dazu vor zwei Jahren in dem soliden Artikel “Der Erzähler” die Funktionsweisen des Storytellings an einigen Beispielen dargestellt. “Die Wirklichkeit, selbst die sogenannte „Realwirtschaft“ ist nichts als eine Story. …. Siegen wird, wer die strategisch überlegene Story hat und sie mit Absolutheitsanspruch verkaufen kann.“ Er zeigt diesen an den Beispielen Continental und Deutsche Bank. Wir lernen daraus, dass Glaubwürdigkeit nicht durch Annäherung der Story an die Wirklichkeit erreicht wird, sondern durch Widerspruchsfreiheit.

Und auch Carsten Knop hatte sich 2012 in “Die Einflüsterer” mit den strategischen Kommunikationsberatern befasst, die sich zwischen Journalisten und Unternehmen stehen und stets nur ihren Teil der Wahrheit erzählen.

Wie wichtig und vielleicht wie unsinnig das Reputationsmanagement für Top-Positionen sein kann, zeigt ausgerechnet das Beispiel Jogi Löw. Glaubt man der Fox-Doku “Joachim Löw – 4 Sterne für Deutschland”, die nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft ausgestrahlt wurde, dann wäre Löw beinahe nicht der Nachfolger von Klinsmann geworden, weil er zunächst nicht als öffentlich vermittelbar galt und nicht die Reputation eines Jürgen Klinsmann vorweisen konnte.

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