App-geschaltet: Warum ich einige Smartphone-Apps nicht mehr update

by Dirk Elsner on 13. August 2014

Endlich und Facebook sei Dank bekommt das Thema App und deren Nutzerrechte mal etwas Feuer. Facebook hat seine Messenger-App aktualisiert und beansprucht damit offensichtlich umfangreiche Rechte zur Nutzung der Smartphones der User. Im Play Store kann man das unter Berechtigungen nachlesen. Da sorgt endlich für Unruhe unter den Nutzern und hat hoffentlich auch darüber hinaus eine Wirkung auf andere App-Anbieter.

Foto Flickr/Kārlis Dambrāns, Rechte

 

App Berechtigungen und was sie bedeuten

Wenn man eine App aus dem Play Store installiert, bekommt man eine Liste mit den Berechtigungen angezeigt, welche die Anwendung benötigt. Diese verraten einem im Regelfall, auf welche Bereiche des Smartphone zugegriffen wird. Welche Bedeutungen die einzelnen Berechtigungen haben, erklärt Giga in diesem Artikel.

Außerdem: PCTipp.ch: Android: Welche App-Rechte sind gefährlich?

Ich habe mittlerweile diverse Apps, auch für die ich bezahlt habe, nicht mehr aktualisiert oder von meinem Smartphone geworfen, weil hier Rechte eingefordert werden, die mir nicht plausibel erscheinen und die für die Nutzung der App vollkommen überflüssig sind. So habe ich zum Beispiel nicht verstanden, warum die Radio App TuneIn Radio Pro meine Kontakte, meinen Kalender, meine Fotos möchte. Das ist vollkommen unangemessen zum Radio hören.  Ich möchte auch keine Erklärung dafür vom Anbieter, sondern nutze die App einfach nicht mehr.

Das Handelsblatt schreibt zu den Rechten, die Facebook sich herausnehmen will:

“Tatsächlich sind die AGBs der Messenger-App nicht ohne. Wer die Anwendung benutzen will, der muss ihr nicht nur erlauben, jederzeit SMS verschicken zu können. Das Programm will auch die Erlaubnis, Anrufe zu tätigen, das Netzwerk zu wechseln und Audiofiles oder Fotos machen zu können, listet der amerikanische Blogger Nick Russo empört auf.”

Jörg Schieb kommentiert das auf dem WDR-Blog:

“Facebook hat hier gleich zwei Mal eine Linie überschritten und den Bogen möglicherweise überspannt. Zum einen mögen Internetnutzer keinen Zwang. Doch sie werden gerade gezwungen, eine App zu verwenden. Dann kommt aber auch noch gleichzeitig ein erheblicher Mangel an Privatsphäre dazu. Das ist „too much“. Die Popularität des Facebook Messengers wird darunter enorm leiden.”

Erstaunlich ist dennoch, dass jetzt plötzlich die Aufregung groß wird, denn als es im Mai Google das Rechtemanagement des Play Stores änderte, regte sich fast niemand auf. Ob das jetzt ebenfalls nur ein Strohfeuer ist oder damit mittelfristig ein Umdenken bei den App-Entwicklern einsetzt, wird man sehen. Ich empfinde es aber als Zumutung, wenn App-Anbieter den Ärger lediglich als kommunikative Missverständnisse abtun.

Genau anschauen sollte man sich auch ab und zu das Kleingedruckte der Apps, insbesondere wenn man eigene Fotos und Video darüber teilt. 2012 und 2013 gab es heftigen Ärger, weil Instagram ursprünglich die honorarfreie Nutzung von Bildern für Werbezwecken vorgesehen hatte. Laut Spiegel Online hat das Unternehmen das wieder geändert weil es nicht in der Absicht Instagrams liege, Nutzer-Fotos zu verkaufen.

Für Blogger besonders gefährlich sind übrigens Dienste, die anbieten, die Verbreitung ihrer Texte zu fördern. Neulich hatte ich eine Anfrage für die Nutzung einer Plattform, die zwar einerseits attraktiv gewesen wäre für die Verbreitung meines Contents. Allerdings verlangte man im Kleingedruckten eine umfassende Abtretung von Rechten an den Texten, wie etwa die redaktionelle Weiterverarbeitung und Nutzung für andere Medien. Das ist natürlich ein absolutes No-Go.

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