Kredite mit Spionage-Funktion: Wie US-Banken schlechte Kunden gefügig machen

by Gastbeitrag on 7. Oktober 2014

Gastbeitrag von Markus Gärtner*

Die Wall Street feiert neue Rekorde. Und dafür bläht sie die nächsten Monster auf. Subprime-Kredite für Autofahrer, die sich den neuen PKW gar nicht leisten können, gehören dazu. Um die Autos trotzdem im Quartalsbericht als Umsatz-Posten unterzubringen, wird modernste Überwachungs- und Kontrolltechnik eingesetzt. Das ganze bringt uns dem Albtraum totaler Überwachung nochmals einen großen Schritt näher.

Und das geht so: Subprime-Kunden müssen sich, wie das DealBook der New York Times berichtet, einen ferngesteuerten Zündschloss-Unterbrecher einbauen lassen, bevor sie vom Parkplatz des Autohändlers nachhause fahren. Geraten sie mit der Tilgung ihres Autokredites auch nur ein paar Tage in Verzug, wird der Unterbrecher aktiviert. Das Auto kann nicht mehr starten.

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Sollte Walter White Kredit erhalten?

Damit kann der Kredit als sicher eingetragen werden. Doch ob das Geld tatsächlich jemals zurück gezahlt wird, ist fraglich. Im vergangenen Jahr wurde jeder vierte Autokredit als subprime eingestuft. Die Unterbrecher wurden bereits in über 2 Millionen Fahrzeuge eingebaut, heißt es im DealBook. Demnach schoss das Volumen der Subprime-Autokredite in den USA von Januar bis März auf 145 Mrd. Dollar in die Höhe.

Das entspricht der wirtschaftlichen Gesamtleistung von Vietnam in einem Jahr. Die Unterbrecher in den Subprime-Fahrzeugen erlauben es, das irrsinnige Risiko dieser Wiederauferstehung von gefährlichen und letztlich kriminellen Subprime-Krediten zu verstecken. Mit der Kontrolltechnik wird zudem nicht nur die Überwachung der US-Bürger einen entscheidenden Schritt vorangetrieben, sondern auch ein riesengroßer kollektiver Buchungstrick eingeführt.

Mehr noch: Dem Markt für Überwachungs-Technik wird ein enormer Schub verliehen, damit sich weitere Anwendungsbereiche erschließen lassen. GPS-Geräte, Sensoren und Unterbrecher sind in allen mobilen und Hausgeräten denkbar, vom Toaster über den Fernseher bis hin zum Kühlschrank.

Damit sind wir endgültig eingekreist. Und das ist nicht alles. Mit der Überwachungstechnik lassen sich obendrein wertvolle Kundenprofile anfertigen, für die Einzelhändler und Dienstleister viel Geld zu zahlen bereit sind. Die Banken, die die Subprime-Kredite vergeben, bekommen diese Infos kostenlos obendrauf.

In der neuen Milliardenindustrie der ungezügelten – und ungeschützten – Datenberge wird eine neue Einkommensquelle geschaffen. Auch für diese lassen sich von kreativen Bankern Derivate stricken, die an ahnungslose Kunden verkauft werden können. Und so geht die Wertschöpfungskette immer weiter. Kein Wunder, dass die Wall Street-Indizes nicht mehr zu bremsen sind.

Denn für den ganzen Wahnsinn stellen die Notenbanken zügellos immer neue Geld-Tsunamis bereit, zu plattgewalzten Zinsen versteht sich.


* Markus Gärtner ist freier Journalist und lebt und arbeitet in Vancouver. Seinen Beitrag, der ursprünglich hier erschienen ist, übernehme ich als Crossposting mit seiner Zustimmung.

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