Professionelle Vermögensverwaltung: Nach Piketty macht großes Geld großes Geld

by Dirk Elsner on 23. März 2015

In den letzten Wochen habe ich mich auf diversen Bahnfahrten durch das “Das Kapital im 21. Jahrhundert” von Thomas Piketty “gequält”. Ich schreibe gequält, weil es zum Teil echte Längen hat, die für die wissenschaftliche Auseinandersetzung nötig sein mögen, nicht aber für den normalen Leser mit wenig Zeit. Das Buch ist aber nicht durchgehend langweilig und konzentriert sich keineswegs nur auf die Ungleichheitsdebatte und darauf, wie sie sich beseitigen lässt. An vielen Stellen bietet das Buch interessante Einblicke, die wir in der öffentlichen Debatte nicht berücksichtigen. So lernt man etwa, dass die Inflation, die die EZB nun unbedingt herbeizwingen will, eher der Ausnahmezustand ist. Piketty und sein Team sehen eher die Preisstabilität als Normalzustand an. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Cxvcxv

In meiner aktuellen Kolumne für Capital habe ich mich auf eine Feststellung konzentriert, die ich spannend finde, auch wenn viele sie nicht überraschend finden mögen. In

Grosses Geld macht grosses Geld

befasse ich mich mit den Überrenditen, die sehr hohe Vermögen bei der Kapitalanlage erzielen. Mich haben die Erkenntnisse der Überrenditen für die untersuchten Großvermögen in dieser Deutlichkeit gewundert. Mein Bild war bisher von sehr viele Untersuchungen geprägt, die zeigen, dass professionell gemanagte Fonds und professionelle Anlageempfehlungen im Durchschnitt den Markt nicht schlagen (siehe zum Beispiel diesen Bericht). Theoretisch fundiert wird diese Feststellung durch die vom Ökonomienobelpreisträger Eugene F. Fama vertretene Effizienzmarkthypothese, die sich in dem Satz zusammenfassen lässt: „You can’t beat the market“.

Piketty konnte für seine Untersuchungen natürlich nicht die Daten aller Milliardäre in den USA ausweiten. Allerdings sind die Daten der Stiftungen von US-Universitäten verfügbar. Er schreibt:

“Es gibt in den Vereinigten Staaten derzeit mehr als achthundert öffentliche und private Universitäten, die eigene Stiftungsfonds verwalten. Die Größe dieser Fonds reicht von zweistelligen Millionenbeträgen (zum Beispiel der Ausstattung von 11,5 Millionen Dollar des North Iowa Area Community College, das 2012 auf Platz 785 rangierte) bis zu zweistelligen Milliardenbeträgen. An der Spitze des Rankings liegt unangefochten Harvard  (mit etwa 30 Milliarden Dollar zu Beginn der 2010er Jahre), gefolgt von Yale (fast 20 Milliarden) sowie Princeton und Stanford (mehr als 15 Milliarden).”

Er stellt daneben fest, dass die großen Vermögen kaum Gelder in Staatsanleihen investieren. Stiftungsvermögen von über 1 Milliarde US-Dollar legen ihre Mittel zu über 60% in solchen alternativen Anlageformen an, von denen die meisten den normalen Anlegern verschlossen bleiben.

Im Klartext bedeutet dies, Gelder, die in eher unregulierte Anlageformen fließen, erzielen eine höhere Rendite, wenn sie mit entsprechenden Sachverstand ausgesucht und kontrolliert werden können. “Normalanleger” können dies in der Regel nicht, weil die Informations- und Kontrollkosten viel zu hoch dafür sind. Allerdings könnten dies große Versicherungen und Pensionskassen. Gerade die werden aber durch die “finanzielle Repression” (der Ausdruck ist leider schon wieder out) in vermeidlich sichere Staatsanleihen getrieben. Nur diese werfen derzeit keine oder sogar negative Zinsen ab. Daneben spiegeln die niedrigen Zinsen ebenfalls die Risiken vieler Anlagen nicht angemessen wieder. Lebensversicherer, Pensionskassen und insbesondere auch Stiftungen sind die großen Verlierer der Niedrigzinspolitik, stellte gerade die Wirtschaftswoche wieder fest. Anja Welz schreibt:

“In den Stiftungsgesetzen der Bundesländer ist nur vorgegeben, dass "das Stiftungsvermögen erhalten bleiben muss". Hier bleibt unklar, ob es sich bei dieser Vorgabe lediglich um den nominalen oder den realen Kapitalerhalt handeln muss. Aus dieser Vorgabe interpretieren viele Banken und Anlageberatern fälschlicherweise, dass eine Stiftung ihr Kapital mündelsicher anlegen muss, dass es gesetzliche Begrenzungen für eine Aktienquote gibt und dass bestimmte Anlageklassen als Investitionsobjekte gänzlich ausgeschlossen sind.”

Vor dem Hintergrund der Analyse Pikettys verstärken damit die Auflagen eher die Ungleichheit, wenn verlangt wird, dass Geld möglichst sicher und werterhaltend anzulegen. Hier ist es an der Zeit eine Debatte über die Öffnung für alternative Finanzanlagen zu starten.

Piketty hält in dem entsprechenden Kapitel seines Buches übrigens auch fest, dass die Inflation nicht der Feind der Kapitalanlage ist. Daran sei nur insofern etwas Wahres, als die Inflation dazu zwingt, dem eigenen Kapital ein Minimum an Beachtung zu schenken. Wer seelenruhig auf einem Stapel Banknoten sitze, während die Inflation am Werk ist, werde diesen Stapel dahinschmelzen sehen und irgendwann ruiniert sein – mit oder ohne Steuer. “In diesem Sinne ist die Inflation durchaus eine Art Besteuerung müßigen, genauer: nicht investierten Reichtums. Aber es genügt, wie wir hinreichend betont haben, seinen Reichtum in reale Vermögenswerte zu investieren, namentlich in Immobilien oder Geldanlagen, von denen es ganz andere Volumina gibt als von Banknoten,
um sich dieser Inflationssteuer gänzlich zu entziehen.”

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