Recruiting 2.0 – wie die Wirtschaft dem Fachkräftemangel begegnen sollte

by Gastbeitrag on 20. August 2015

Gastbeitrag von D. Messing*

Der Fachkräftemangel ist eines der größten wirtschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahre in Deutschland. Dabei gibt es zum diesem Thema nicht nur viele Expertenmeinungen, sondern auch strittige Aussagen. In diesem Beitrag wollen wir über den Fachkräftemangel aufklären und mit aktuellen Zahlen und einigen Beispielen für alle interessierten Leser etwas Licht ins Dunkle bringen.

Definition & Die Zahlen – Stand 2015

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt bereits seit Jahren vor dem Szenario, dass wichtige Stellen sehr schwer oder halt gar nicht mehr besetzt werden können. Dabei bezieht sich das IW auf eigene Auswertungen, Umfragen in Unternehmen oder auch statistische Erhebungen prognostizierten einen verheerenden Mangel an Fachkräften im MINT-Bereich. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Bereits seit einigen Jahren (spätestens seit 2014) hört man die Klagen der Unternehmen nicht mehr so laut oder auch gar nicht mehr. Gründe dafür sind schnell gefunden: Die Akademisierung von jungen Leuten, die Verlagerung von Jobs ins (aktuell noch) günstigere Ausland, die Zuwanderung usw.

Doch wie sieht es 2015 aus? Gibt es den Fachkräftemangel noch? Ja, definitiv. Jedoch nicht so, wie sich viele Menschen diesen Mangel vorstellen. Besonders durch die Akademisierung (2014 haben mehr junge Leute ein Studium angefangen, als eine Ausbildung) droht in den nächsten 10 – 20 Jahren ein massiver Verlust an guten Arbeitskräften in wichtigen Berufen. Als Negativ-Beispiel muss hier leider das Handwerk herhalten. Trotz des nahenden Ausbildungsbeginns im September sind noch immer tausende Stellen unbesetzt. Dabei hat sich das Handwerk in den letzten Jahren enorm entwickelt. Auszubildende erhalten eine bessere Bezahlung, werden individueller gefördert, haben teilweise sehr gute Karrierechancen bis hin zur Übernahme von ganzen Betrieben. Auch im Ausbildungsmarketing wird viel gemacht, um die Berufe attraktiver zu gestalten. Leider ohne Erfolg, da Jugendlichen eher Studieren oder eine Ausbildung im Büro bevorzugen.

Leider trifft diese Entwicklung nicht nur das Handwerk. Auch der Handel oder die Industrie ist zunehmend von ausbleibenden Bewerbern betroffen.

Welche Signale benötigt die Wirtschaft – oder doch anders?

Die Wirtschaft muss sich mehr um junge Leute bemühen. Dabei darf es nicht um plumpe Versprechen gehen. An der Realität darf eine gesamte Branche nicht scheitern. Natürlich ist das Arbeiten auf dem Bau oder in der Handels-Filiale körperlich sehr viel anstrengender als eine Ausbildung in einer Bank. Dennoch muss Jugendlichen signalisiert werden, dass besonders diese Berufe Zukunft haben. Hier benötigt man seitens der Wirtschaft klare Zeichen in puncto Lohn und Familienfreundlichkeit. Auch die Politik sollte das Handwerk, die Industrie, die Pflege oder andere Berufe nicht als minderwertige oder zweitklassige Berufe stigmatisieren. Dazu gehört es aber, dass man diesen Berufen auch in der Realität viel mehr Anerkennung und Wertschätzung zukommen lässt.

Der Fachkräftemangel findet in den nächsten Jahren weniger in Bereichen statt, in denen sich studierte Menschen bewegen. Hier wird der Konkurrenzkampf eher höher. Viel mehr wird sich das Problem von kleinen und mittleren Betrieben verschärfen, welche gute Fachkräfte für gute Jobs suchen.

* Über die Autoren:

Dieser Gastbeitrag stammt von der Recruiting Agentur Junges Herz. Die Agentur beschäftigt sich mit dem Thema Nachwuchsgewinnung und Ausbildungsmarketing. Auch der Fachkräftemangel spielt in der täglichen Arbeit eine große Rolle.

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