Die Verarbeitungsschritte für Chatbots (Teil 1): Virtuelle Schnacker

by Dirk Elsner on 7. November 2016

Seit dem Frühjahr gibt es in der Techwelt einen Hype um das Thema Chatbots. “Eine Armee”, so die Technology Review, “automatisierter Textassistenten sollte uns künftig helfen, Alltagsprobleme zu lösen – von der Beantwortung einer Wissensfrage über die Reisebuchung bis hin zur Onlinebestellung.” Einkaufen, Informationen beschaffen, Geld überweisen und kommunizieren. Chatbots versprechen das, was auch Apps schon lange können, nur dass sie das auf Zuruf erledigen, dabei in einer einzigen Anwendung gestartet werden und vielleicht noch über besondere kognitive Fähigkeiten (vulgo künstliche Intelligenz) verfügen.

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Konnte auch gut schnacken, war aber kein Bot: Walter White

Aktuell sind diese virtuellen Schnacker eher spielerische Gimmicks mit mäßig positiver Nutzererfahrung. Dennoch wird es Zeit, diesen in der Probierphase steckenden Trend der Plauderassistenten aufzubohren. Ich nähere mich ihrer Funktionsweise über diese zweiteilige Reihe.

Chatbot: Was ist das?

Chat bedeutet im Englischen plaudern und Bot ist die Kurzform für Robot. Im Frühjahr bezeichnete die Süddeutsche Zeitung Chatbots als Trend der Stunde. Zu dieser Zeit hat gerade Facebook seinen Messenger für Drittanwendungen geöffnet. Seither können solche Bots in das Kommunikationsprogramme integriert werden und als virtuellen Butler dienen. Wird etwa er eine Info benötigt, schreibt man einfach dem Bot im Messenger eine Nachricht und erhält von diesem nach kurzer Zeit eine Antwort. Dies Techno-Diener könnten, so glaubt Stefan Porteck in der C´t,[1] “künftig nicht nur diverse einzelne Apps auf dem Smartphone ersetzen, sondern auch digitalen Assistenten wie Siri oder Google Now Konkurrenz machen.”

Wie bei manch anderem Hype wird das Thema derzeit hochgekocht bis alle verstanden haben, wie es funktioniert und wie man es anwenden kann. Im September gab es bereits die erste Fachkonferenz zu dem Thema. Die Webseite Botlist zählt diverse Chatbots auf und mit dem Chatbot Magazine findet man ebenfalls eine regelmäßige Publikationsplattform.

Vorläufer der Chatbots

Chatbots sind keine neue Erfindung. Ich hatte einmal in den 80er Jahren das Vergnügen mit ELIZA zu kommunizieren. Ich glaube, es war in einer Ausstellung am Lawrence Livermore National Laboratory südöstlich von San Francisco. ELIZA war ein vonJoseph Weizenbaum entwickeltes Computerprogramm und gilt manchen als Prototyp der Anwendungen, die wir heute Chatbots nennen. Weizenbaum wollte damals die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen einem Menschen und einem Computer über natürliche Sprache zeigen. Vor allem aber wollte er zeigen, dass Computer menschliche Kommunikationspartner nicht ersetzen können. ELIZA kann man hier in englischer Sprache und hier in deutscher Sprache ausprobieren.

Weizenbaums Programm stammt aus dem Jahre 1966 und hat nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun. In Wirklichkeit verstand das Programm nämlich kein Wort der menschlichen Gesprächspartner. Es arbeitete mit Heuristiken und reagierte auf bestimmte Schlüsselwörter.

Im Archiv von Spiegel Online findet man einen Artikel aus dem Jahr 2000 von Konrad Lischka: Chatbots „Ich hab immer ein Ohr für Dich…“ . Und wenn man ein wenig in den tiefen des Netzes sucht, wirft Google jede Menge weiterer Beiträge darüber aus.

Heute sind die Chatbots 2.0 im Prinzip Software-Agenten, die wir daran erkennen, dass sie z.B. auf Webseiten und in Kommunikationsprogrammen, wie den Facebook Messenger, Texte erfassen und antworten ohne menschlichen Eingriff finden.

Die Anwendersicht

Wie die Bots aus Anwendersicht funktionieren, stellt das folgende Video dar, das ich auf Twitter gefunden habe:

Durch Facebook sind die neuen Chatbots zwar wieder populär geworden, der Messenger ist aber längst nicht das erste Programm. So können in den Messenger Telegram schon etwa ein Jahr Chatbots integriert werden. .

Ein praktisches Anwendungsbeispiel, auf das ich mich im zweiten Teil dieser Reihe beziehen werde, lieferte Jo Bager im Beitrag “Chatbot, mach mal!” in der C´t 12/2016:

Facebook-Chat, 16 Uhr.

Kai: „Schon vom neuen X-Men-Film gehört?“

Paul: „Ja, soll ganz cool sein. Wollen wir da heute reingehen?“

Kai: „Ja, gerne. @kinobot: Wann und wo läuft heute der neue X-Men-Film?“

kinobot: „X-Men: Apocalypse läuft heute im Filmpalast um 20 Uhr und um 22.30 Uhr.“

Kai: „Gibt es für 22.30 noch Tickets?“

kinobot: „Anbei eine Übersicht der freien Sitzplätze.“

Kai: „Dann hätte ich gerne die Plätze 22 und 23 in der Reihe F.“

kinobot: „Ich habe die gewünschten Plätze gebucht. Der Betrag von 17 Euro wurde von Ihrer hinterlegten Kreditkarte abgebucht. Die Tickets liegen anbei.“

Anwendungen von Nachrichten bis Banking

Die meisten Bots sind bisher relativ banal. Manche senden Nachrichten, andere Fahrplaninformationen oder den Wetterbericht. Manche Bots melden sich automatisch, wie der „Netflixnewsbot“, sobald Netflix neue Filme oder Serien im Stream hat.

Bots können dabei nicht nur einfach Texte ausgeben, sondern auch spezielle Schaltflächen einblenden (beim Messenger Telegram geht das). Damit werden sie dann tatsächlich zu einer App in der App. Die Bank of America und MasterCard haben bereits angekündigt, Chatbots zu starten (genannt Erica und KAI, jeweils) für Routine-Transaktionen und finanzielle Beratung. Kunden sollen ihren Kontostand abfragen, Geld transferieren und grundsätzliche Fragen beantwortet können.

Noch gebrechlich, umständlich und unzuverlässig

Wer selbst einmal Chatbots ausprobiert hat, der wird derzeit eher ernüchtert sein. Man fragt sich derzeit noch eher was das soll. DAs FAzit von Stefan Porteck in der C´t:

“Aktuell merkt man auf den meisten Plattformen, dass es sich bei Chatbots noch um eine sehr junge Entwicklung handelt. Einzig bei spezialisierten Diensten wie Kik oder Slack machen die Bots zur Unterhaltung oder Arbeitserleichterung jetzt schon eine gute Figur und fügen sich nahtlos in ihr Ökosystem ein. Bis Bots aber flächendeckend Unmengen anderer Apps ersetzen, wird wohl aber noch einige Zeit vergehen.”

Aber wie bei allen neuen Technologien, brauchen auch die Bots nach dem Hype eine Zeit der Reife. Jetzt ist die Zeit des Probierens und des Lernens.

Im zweiten Teil dieser kurzen Reihe geht es dann um die konkreten Verarbeitungsschritte von Chatbots.

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