Auch EZB hat die Bonitätsklemme ausgemacht

Seit Monaten monieren Unternehmen die restriktive Kreditvergabe der Kreditwirtschaft. Im Oktober hat der Blick Log erstmals gefragt “Wie weit ist die Kreditklemme im deutschen Mittelstand?”. Und nach fast einem Jahr heißer Finanzkrise hat nun sogar die Europäische Zentralbank Mängel in der Kreditversorgung festgestellt. Es liege nämlich nunmehr entsprechende statistische Informationen vorliegen. Dazu das Handelsblatt:

“Wenn diese Entwicklung anhält, werden in diesem Jahr die Kredittilgungen die Neukredite um fünf Prozent übersteigen. Ähnlich stark ist das Kreditvolumen zuletzt in den ersten Monaten 2003 zurückgegangen. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber warnt vor Problemen in der Kreditversorgung. In einem Beitrag für das Jahrbuch Frankfurt Main Finance schreibt Weber, es gebe Anzeichen, „dass das Bankensystem die zusätzlich bereitgestellte Liquidität nicht für die Kreditvergabe nutzt.“

Dabei bestätigen diese Daten nur die Befürchtungen vom Ende vergangenen Jahres (siehe dazu FAZ v. 13.12.08: Große Angst vor der Kreditklemme). Die restriktive Kreditvergabe hat sich seit der damaligen Diagnose nicht gelockert, sondern verschärft.

Und tatsächlich wird die Kreditzurückhaltung in den nächsten Wochen und Monaten weiter zunehmen, wenn es den Unternehmen nicht rasch gelingt, aus dem Teufelskreis (mangelnde Liquidität = zurückgehende Umsätze = reduzierte Bontität) auszubrechen (siehe dazu:  Konzerne steuern auf gefährliche Engpässe zu). Die Liquiditätspolster vieler Unternehmen schwinden aber immer mehr.

Nunmehr merken verspätet auch die Politiker, dass sie konzeptionelle Fehler gemacht haben und der “Jumpstart” des Bankensystems nicht automatisch zu einer verbesserten Kreditvergabe führt. Das von Frank Wiebe skizzierte “Drei-Phasenmodell” der Banken zeigt das Dilemma: “Die Banken treten im zweiten Halbjahr in Phase III der Finanzkrise ein. Die erste Phase war der akute Einbruch, der beinahe in einem Absturz des Systems geendet hätte. Die zweite Phase war die Stabilisierung der Branche durch die Politik seit vergangenem Herbst. Die dritte Phase wird die Feuerprobe für die Branche: Jetzt muss sich zeigen, wie gut sie mit den Problemen der Realwirtschaft klarkommt. Es spricht viel dafür, dass sie einen erneuten Einbruch erlebt. Der wird aber hoffentlich nicht so tief sein wie im bisherigen Verlauf der Krise.”

In der Phase III wollen nun immer mehr Unternehmen Kredite erhalten, die nicht mehr in die Bonitätsraster der Institute passen. Die deutlich verschärften Kreditvergaberichtlinien bei gleichzeitiger Bonitätsverschlechterung führen rein sachlogisch zu einer höheren Ablehnungsquote bei Kreditanfragen. Die Banken deswegen wahlweise zu attackieren oder an sie zu appellieren, mag den Applaus des Publikums sichern, führt jedoch in der Praxis nicht weiter.

Fördern könnte der Staat jetzt zügig privatwirtschaftliche Alternativen zur Finanzierungsunterstützung. Die Banken selbst haben immerhin das Instrument des Schuldscheins wieder entdeckt. Diese könnten für einige Unternehmen eine Alternative darstellen, wie das Handelsblatt darstellt. Dabei refinanzieren sich die Banken dadurch, dass sie viele Schuldscheine in Asset-Backed-Securities-Anleihen bündeln und an risikobewusste Investoren  verkaufen. Die Betonung liegt auf risikobewusst, was in der Praxis heißt, die Papiere sind entsprechend risikobehaftet.

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