Studie: Wie meistern Familienunternehmen die Wirtschaftskrise? (mit Download)

Information über Studie im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen:

„Familienunternehmen galten bislang als Jobmotor und Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft. Doch auch sie sind in den Sog der weltweiten Krise geraten. Die vorliegende Studie  untersucht erstmals über alle Größen und Branchen hinweg, wie sie die aktuelle Krisenentwicklung erleben“, so Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen zu Ziel und Zweck der Studie, die sie beim Wittener Institut für Familienunternehmen der Privaten Universität Witten/Herdecke und der HAWK Hildesheim in Auftrag gegeben hat.

Die Wahrnehmung entspricht nicht der Bedrohungslage
An der Befragung im Juni und Juli 2009 haben über 250 Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung und Branchenzugehörigkeit teilgenommen. Erstes überraschendes Ergebnis: „Die Krisenwahrnehmung entspricht nicht der Bedrohungslage“, so Prof. Dr. Rudi Wimmer, federführender Projektleiter aus Witten/Herdecke. Fast 75% der befragten Unternehmen hat einen zum Teil dramatischen Nachfrageeinbruch zu beklagen, vielfach noch begleitet mit einem erheblichen Verfall des Preisniveaus. Dies führt zu Umsatzrückgängen, die mit den üblichen Kostensenkungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden können. „Noch profitieren viele Unternehmen von ihrem in den letzten Jahren angehäuften Eigenkapitalpolster und können die derzeitigen Erlöseinbrüche durch eigene Mittel ausgleichen“, so Wimmer.

Mit den für Familienunternehmen traditionellen Stärken punkten
Die befragten Familienunternehmen stützen sich zur Bewältigung der Krise auf die bewährten Stärken dieses Unternehmenstyps: hohe Eigenfinanzierungskraft, große Bereitschaft der Belegschaft, sich mit eigenen Opfern an der Bewältigung der Krise zu beteiligen, Intensivierung der Kunden- und Lieferantenbeziehungen, Rückendeckung durch die Familie und den Gesellschafterkreis.
Familie und Gesellschafterkreis stehen oft auch als zuverlässige Kapitalgeber im Hintergrund: Viele Familienunternehmen finanzieren sich neben dem Bankkredit an erster Stelle aus dem Cash-Flow (71,2%), an zweiter Stelle wird von 61,7% das Gesellschafterdarlehen als Finanzierungslösung genannt. „Dieses Ergebnis lässt sich in zweierlei Richtung interpretieren: Inhabergeführte Unternehmen zeigen auch in der Krise ein großes Autonomiebedürfnis und eine hohe Verantwortungsbereitschaft. Voraussetzung dafür ist allerdings eine handlungsfähige Familie bzw. eine funktionstüchtige Corporate Governance“, betont Hennerkes.

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Auch EZB hat die Bonitätsklemme ausgemacht

Seit Monaten monieren Unternehmen die restriktive Kreditvergabe der Kreditwirtschaft. Im Oktober hat der Blick Log erstmals gefragt “Wie weit ist die Kreditklemme im deutschen Mittelstand?”. Und nach fast einem Jahr heißer Finanzkrise hat nun sogar die Europäische Zentralbank Mängel in der Kreditversorgung festgestellt. Es liege nämlich nunmehr entsprechende statistische Informationen vorliegen. Dazu das Handelsblatt:

“Wenn diese Entwicklung anhält, werden in diesem Jahr die Kredittilgungen die Neukredite um fünf Prozent übersteigen. Ähnlich stark ist das Kreditvolumen zuletzt in den ersten Monaten 2003 zurückgegangen. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber warnt vor Problemen in der Kreditversorgung. In einem Beitrag für das Jahrbuch Frankfurt Main Finance schreibt Weber, es gebe Anzeichen, „dass das Bankensystem die zusätzlich bereitgestellte Liquidität nicht für die Kreditvergabe nutzt.“

Dabei bestätigen diese Daten nur die Befürchtungen vom Ende vergangenen Jahres (siehe dazu FAZ v. 13.12.08: Große Angst vor der Kreditklemme). Die restriktive Kreditvergabe hat sich seit der damaligen Diagnose nicht gelockert, sondern verschärft.

Und tatsächlich wird die Kreditzurückhaltung in den nächsten Wochen und Monaten weiter zunehmen, wenn es den Unternehmen nicht rasch gelingt, aus dem Teufelskreis (mangelnde Liquidität = zurückgehende Umsätze = reduzierte Bontität) auszubrechen (siehe dazu:  Konzerne steuern auf gefährliche Engpässe zu). Die Liquiditätspolster vieler Unternehmen schwinden aber immer mehr.

Nunmehr merken verspätet auch die Politiker, dass sie konzeptionelle Fehler gemacht haben und der “Jumpstart” des Bankensystems nicht automatisch zu einer verbesserten Kreditvergabe führt. Das von Frank Wiebe skizzierte “Drei-Phasenmodell” der Banken zeigt das Dilemma: “Die Banken treten im zweiten Halbjahr in Phase III der Finanzkrise ein. Die erste Phase war der akute Einbruch, der beinahe in einem Absturz des Systems geendet hätte. Die zweite Phase war die Stabilisierung der Branche durch die Politik seit vergangenem Herbst. Die dritte Phase wird die Feuerprobe für die Branche: Jetzt muss sich zeigen, wie gut sie mit den Problemen der Realwirtschaft klarkommt. Es spricht viel dafür, dass sie einen erneuten Einbruch erlebt. Der wird aber hoffentlich nicht so tief sein wie im bisherigen Verlauf der Krise.”

In der Phase III wollen nun immer mehr Unternehmen Kredite erhalten, die nicht mehr in die Bonitätsraster der Institute passen. Die deutlich verschärften Kreditvergaberichtlinien bei gleichzeitiger Bonitätsverschlechterung führen rein sachlogisch zu einer höheren Ablehnungsquote bei Kreditanfragen. Die Banken deswegen wahlweise zu attackieren oder an sie zu appellieren, mag den Applaus des Publikums sichern, führt jedoch in der Praxis nicht weiter.

Fördern könnte der Staat jetzt zügig privatwirtschaftliche Alternativen zur Finanzierungsunterstützung. Die Banken selbst haben immerhin das Instrument des Schuldscheins wieder entdeckt. Diese könnten für einige Unternehmen eine Alternative darstellen, wie das Handelsblatt darstellt. Dabei refinanzieren sich die Banken dadurch, dass sie viele Schuldscheine in Asset-Backed-Securities-Anleihen bündeln und an risikobewusste Investoren  verkaufen. Die Betonung liegt auf risikobewusst, was in der Praxis heißt, die Papiere sind entsprechend risikobehaftet.

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