Blogkommentare zur Finanzkrise: Vom Waterloo für Hedge-Fonds bis zum Unverständnis der Verteufelung von Leerverkäufen

by Dirk Elsner on 21. September 2008

Heute Nachmittag blicke ich in die Blogwelt, um zu schauen, wie dort der aktuelle Stand der Finanzkrise kommentiert wird und wie erste Reaktionen auf die Maßnahmen der US-Regierung aufallen.

Zeitenwende.ch schreibt unter der Überschrift „Waterloo für die Hedge-Fonds-Industrieum“ zum Verbot des Shortselling u.a.:

„Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Hegde Fonds nun mächtig sauer sind. Bis jetzt konnten sie mehr oder weniger im Dunkeln agieren. Die mangelnde Transparenz wurde zwar in Sonntagsreden von Politikern und Finanzbehörden immer wieder bemängelt, doch geschehen ist nichts. Der eine oder andere mag sich vielleicht noch daran erinnern, dass die deutsche Bundeskanzlerin beim G8-Treffen in Heiligendamm vor einem Jahr von den USA und Grossbritannien abserviert wurde, als sie die Regeln verschärfen wollte.“

Cashblog.netzrep.de schreibt im Wort zum Sonntag zum 700-Milliardenprogramm der US-Regierung:

„Genauer meine ich, sollte die Regierung in der Krise die Unternehmen mit einer Finanzspritze unterstützen? Ich persönlich halte dies für fatal, klar werden erst einmal Arbeitsplätze gesichert, wie lange ist aber fraglich. In den USA plant die Regierung eine Finanzspritze von 700 Milliarden US-Dollar für den Finanzsektor. Aber nicht nur im Finanzsektor buttert der Staat fleißig Geld rein.“

Finanzblog meint zum Versagen der Banken in dem Beitrag Droht eine Weltwirtschaftskrise?

„Damit haben die Investmentbanken das Bankgeschäft in eine Art Spielhölle verwandelt. Wie naive Bauern den Lichtern von Las Vegas, so sind die Banker den Verlockungen des schnellen Profits erlegen. Als Erste wurden die IKB und die Sachsen LB abgezockt. Neuerdings stellen die Spielhöllenbetreiber mit Entsetzen fest, dass in ihren Tresoren noch zu viel von dem Schrott lagert, den sie eigentlich ihren Kunden andrehen wollten, denn auch das gilt: Nicht alle Banken haben versagt.“

Grafiosch.com sieht in dem Plan der US-Regierung ein Schreckensszenario auf die UBS zukommen:

„Nach dem oben erwähnten Vorschlag kann die UBS nicht an diesem Rettungsplan partizipieren. Gemäss der US-Administration würden die Hypotheken über mehrere Auktionen gekauft, dabei wird der günstigste Bietende berücksichtigt.

Mit diesem Vorgehen kämmen sehr tiefe Marktpreise für diese faulen Kredite zustande, welche die Preise der Modellbewertungen in den Büchern UBS bei weitem unterschreiten werden. Dadurch müsste die UBS die Positionen weiter abgeschrieben. Die grossen US-Banken hätten auch nochmals Abschreibungen, aber mit dem Verweis ihre Bilanz seien nun von den schlechten US-Hypotheken befreit. Die UBS würde auf ihren Hypothekenpapieren sitzen bleiben und am Schluss dem US-Staat als quasi Monopolist gegenüber stehen. Die angeschlagene UBS wird dieses Szenario alleine wahrscheinlich nicht überleben.“

Bei den Sozialtheoristen lesen wir unter der Überschrift „Geld, ein Kommunikationsmedium voller Tücke“:

„Wenn die Geldmenge nicht auf Substanz zurückzuführen ist, wie etwa auf Gold (Amerika besitzt zurzeit runde 8000 Tonnen Gold, mit einem gegenwärtigen Wert von 151 Mrd. Dollar), fragt man sich, wie überhaupt Vertrauen im System aufgebaut werden kann (werden konnte). Die Geldmenge ergibt sich heute als Summe aller laufenden Kredite (und übersteigt die Goldbestände um eine Fantastilliarde). Aber Kredite sind nichts als der Glaube, dass man verliehene Werte auf Sicht zurückbekommt. Wenn man in diesem System nicht sozialisiert worden wäre, man könnte es nicht glauben.

Hinzu kommt, das diese Motivation, Geld zu verleihen dadurch unterstützt wird, dass man mittels Zins mehr Geld zurückbekommt. Das macht das Kreditwesen so attraktiv. Geld, das jetzt verliehen wird, kommt zurück und ist dann mehr Geld. Nur steckt hinter dem „mehr” keine echte Wertschöpfung, sondern absolut substanzfreie Geldschöpfung. Das ganze Kreditwesen, und damit das ganze Wirtschaftswesen und damit schlicht alles, ist ein reines Schneeballsystem, das nur durch stetiges Wachstum am Leben erhalten werden kann.“

Der SR Trading Börsenblog empört sich unter der Überschrift „Auf einmal sind die Spekulanten schuld“  über die pauschale Verteufelung der Leerverkäufe:

„Das ist ein massiver Eingriff in den “vollkommenen” Markt. Es ist nachweislich erwiesen, das Märkte an denen Leerverkäufe erlaubt sind effizienter arbeiten. Ökonomen argumentieren, wenn es keine Leerverkäufe gibt, wird eine Blase übertrieben lange oben gehalten bis sie schlussendlich doch zerbricht und platzt. Das zu späte Platzen zieht dann erhebliche Schäden für die Volkswirtschaft mit sich.“

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