Presseschau zum Werder Triumph Teil 2: Es kommt auf die Einstellung an, nicht auf die Aufstellung

by Dirk Elsner on 22. September 2008

Nach Teil 1 befassen sich auch heute viele Zeitungen mit dem Desaster der Bayern und dem Triumph der Bremer. Man sollte die Schlagzeilen genießen, denn in einer Woche kann es schon wieder ganz anders aussehen, wenn die Einstellung nicht stimmen sollte.

Bremer Nachrichten: Werder zeigt in München, wie stark es ist und wie sehr es auf die Einstellung ankommt

Sie müssen nur wollen. Als alle analysierenden, bilanzierenden und einordnend gesprochenen Sätze nach diesem 5:2 gegen den FC Bayern ausreichend oft durchgesiebt waren, blieb dieser Satz noch übrig. „Wenn wir in jedem Spiel so Gas geben, kann uns nix passieren“, hatte Werders Torwart Tim Wiese gesagt. Gefühlt ist nach einem solchen Spiel die Meisterschale schon vergeben.

Es endete deswegen 5:2, nur 5:2, weil es spätestens mit dem unfassbaren Zwischenstand von 5:0 kein Fußballspiel, sondern eine Droge war. Es wurde herausgezaubert von einer Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit ohne viereinhalb Stammspieler herumzauberte.

Welt: Zu schön, um wahr zu sein

Erstaunt über den deutlichen Erfolg gaben fast alle Spieler zu, dass sie das Erlebte selbst einen Tag danach noch nicht vollständig realisierten. Mit chirurgischer Präzision nahmen die Bremer ihren Dauerrivalen auseinander und führten 20 Minuten vor dem Abpfiff sogar mit 5:0. Erst die Ehrentore durch den ehemaligen Bremer Tim Borowski schönten aus Münchner Sicht das überraschende Ergebnis.

Der Sieg resultierte dabei nicht nur aus Münchner Nachlässigkeiten – vielmehr nahmen sich die Norddeutschen die harsche Kritik der vergangenen Wochen zu Herzen und wandelten diese in positive Energie um. Trotz der Ausfälle von Torsten Frings, Clemens Fritz, Daniel Jensen, Petri Pasanen sowie Hugo Almeida überzeugte das Team durch Aggressivität in den Zweikämpfen und mannschaftliche Geschlossenheit.

Schon unter der Woche rüttelte Baumann seine Kollegen in der Öffentlichkeit auf, als er einigen Kollegen unprofessionelles Verhalten vorwarf. „Wir haben ein Einstellungsproblem und einigen geht es wohl zu gut hier“, schimpfte der sonst eher ruhige Baumann.

Focus: Das Lächeln ist verschwunden

Nach der peinlichen 2:5-Niederlage des FC Bayern gegen Werder Bremen befand der Altmeister, Jürgen Klinsmann könne das Geschehene nun „nicht mehr weglächeln.“ In der Tat hatte Klinsmann zuvor eine Aura des Unnahbaren umgeben; bei kritischen Fragen setzte er jedes Mal ein geradezu zauberhaftes Lächeln auf und verteidigte seine „Jungs“ bis aufs Äußerste.

Bild: Super-Özil Werder feiert neuen Diego

Bei Werder rechnen sie insgeheim damit, dass sich Diego nächstes Jahr trotz Vertrag bis 2011 zu einem Top-Klub verabschiedet.

Gegen Bayern hat Özil gezeigt, dass er den Brasilianer beerben kann. Mitspieler Jurica Vranjes: „Özil kann der neue Diego werden! Er hat das Zeug dazu. Und hebt trotz des Lobes nicht ab.“

Kreiszeitung Syke: Die Wundertüte Werder

War’s die Brandrede von Frank Baumann, die das Feuer entfachte? Waren es die vielen Verletzten, die beim Rest der Mannschaft für eine Trotzreaktion sorgten? Waren es die Bayern selbst, gegen die man ohnehin immer 120 Prozent gibt? Oder hat sich einmal mehr die Wundertüte Werder geöffnet, aus der immer wieder sensationelle Spiele heraushüpfen, wenn die Mannschaft unter riesigem Erfolgsdruck steht und ihr kurz zuvor mit dem Finger gedroht worden war? „Es war wohl von allem etwas“, glaubte Bremens Sportchef Klaus Allofs nach dem unglaublichen Auftritt seiner Bremer beim historischen 5:2 (2:0)-Triumph in München herausgelesen zu haben.

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