Dem RESET der Finanzmärkte folgt neuer Kursturz dicht an Tiefststand der vergangenen Woche

by Dirk Elsner on 15. Oktober 2008

außerbörslicher Citi-Indikation DAX am 15. Oktober 2008

außerbörslicher Citi-Indikation DAX am 15. Oktober 2008

Richtig auf Talfahrt gingen die Kurse in Deutschland wieder einmal erst nach Börsenschluss. Der DAX hat seinen börslichen Tagesverlust in Höhe von 6,5% nachbörslich noch weiter ausgebaut und ist bis auf 4.695 Punkte gefallen. Damit ist er nur 42 Punkte von seinem außerbörslichen Schluss vom vergangenen Freitag entfernt. Der außerbörsliche Citi-Indikation DAX hat sich dabei wie immer an den Kursen der Wallstreet orientiert, wo der Dow Jones heute um über 733 Punkte nachgegeben hat. Das ist lt. CNN nach Punkten (nicht absolut) der zweitstärkste Kurseinbruch in der Geschichte des Index.

DOW Jones am 15.10.2008 kurz vor Schluss

DOW Jones am 15.10.2008 kurz vor Schluss

Anders als in der vergangenen Woche werden für den erneuten Kurssturz heute Rezessionsängste als Gründe genannt und nicht mehr eine Systemkrise. Dies ist einerseits beruhigend. Anderseits spiegelt sich in der heutigen Kursentwicklung auch ein großes Stück Irrationalität wieder, die ich als Ankereffekt ansehen würde.

Vorlieben und Urteile von Menschen werden von Ihrem Bezugsrahmen beeinflusst, z.B. von den Vergleichsmöglichkeiten oder Ausgangspunkten. In psychologischen Experimenten läßt sich nachweisen, dass Menschen quantitative Einschätzungen von einer Ausgangsgröße – dem Anker – abhängig machen, die ihnen gerade vor Augen schwebt, selbst wenn dies für die konkrete Fragestellung völlig irrelevant ist. Schätzungen hängen also typischerweise davon ab, von welchen Ausgangswerten man ausgeht. Diese Ausgangswerte wirken wie Anker, von denen sich selbst Experten nur mit grösster Mühe wegbewegen können.

Auf die aktuelle Marktlage übertragen bedeutet dieser Ankereffekt: Für die heutige Konjunkturdaten und -prognosen dient das aktuell relative niedrige Kursniveau als Referenz, also als Anker, von dem aus nun die schlechten Konjunkturnachrichten quasi „abgezogen“ werden. Hätten wir die gleichen Konjunkturdaten vor fünf Wochen erhalten, dann hätte es möglicherweise ebenfalls einen starken Kursrückgang gegeben, aber von einem deutlich höheren Ausgangsniveau aus. Dies zeigt einmal mehr, wie psychologisch anfällig die Märkte aktuell sind.

Persönlich kann ich mir nicht vorstellen, dass sich im Vergleich zu vergangenen Montag die Konjunkturerwartungen so starkt verschlechtert haben, dass ein Kursrückgang in dieser Höhe gerechtfertigt wäre. Wir haben halt weiterhin ultranervöse Marktteilnehmer und müssen sicher weiter mit diesen starken Schwankungen rechnen.

Nachbörslich hat der Future des Dow Jones weiter nachgegeben und notiert um 0 Uhr MESZ bei 8.423 Punkten. Damit ist ein sehr schwacher Börsentag in Asien und eine dunkle Börseneröffnung in Europa bereits vorgezeichnet.

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