Unnütze Schuldzuweisungsdebatte zur Finanzkrise

by Dirk Elsner on 6. November 2008

Auch wenn die amerikanische Wahl die Schlagzeilenhoheit in den letzten Tagen erobert hat, so bleibt die Finanzkrise uns dennoch weitere Wochen erhalten. Einseitig erfolgten in den letzten Wochen die Schuldzuweisungen, wer die Finanzkrise verursacht haben soll. Medien und Politik haben sich schon lange auf die Manager in den Banken eingeschossen, denen viele mittlerweile verantwortliche Handeln absprechen.

Einige Banker haben zurück geschossen und ihrerseits die Politik verantwortlich gemacht. So sagt der Fondschef der Allianz in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche: „Das Problem wurde substanziell durch die Politik verursacht, und zwar durch über lange Jahre niedrige Zinsen.“ Die niedrigen Zinsen seien die Verursacher für die Übertreibungen am US-Häusermarkt und an den Finanzmärkten. Das klingt so, als habe die Politik die Finanzmärkte erst zu ihrem schädlichen Handeln gezwungen.

Mich stört, dass jeder eine Erklärung dafür hat, warum es an den jeweils anderen gelegen hat. Hier eine kurze Übersicht der Schuldzuweisungen:

  • die Politik ist schuld wegen der mangelhaften Regulierung und zu laxer Kontrolle;
  • die Finanzmanger wegen ihrer Gier und „Teufelsinstrumenten wie Credit Default Swaps und Mortage Backed Securities;
  • die Anleger, weil sie nicht mit ihren Renditen zufrieden sind;
  • die Arbeitnehmer, weil sie von der Sicherung ihrer Arbeitsplätze profitieren, wenn Banken und Finanzinvestoren auch riskante Investitionen finanzieren;
  • die Verbraucher, weil sie immer wieder neue und bessere Produkte haben möchten zu niedrigen Preisen, für die zum Teil riskante Investitionen erforderlich sind,

Können wir nicht einmal aufhören, die Schuld ständig woanders suchen? Kann nicht jeder Beteiligte mal bei sich selbst schauen, was er zum Entstehen der Finanzkrise beigetragen hat? Diese Krise ist zu groß und ihre Beseitigung zu wichtig, als das wir uns dieses Kleinkrämertun leisten können.

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