Billige Fußballrechte: Ergebnis ist kein Grund, sich zu feiern

by Dirk Elsner on 29. November 2008

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Immerhin bringen die Zuschauer noch Geld in die Stadien, noch

Mich wundert die Kommentierung über die Vergabe der Bundesligarrechte. Offensichtlich übernehmen die Medien kritiklos die Ansage von Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball, der die 1,65 Mrd. € als „vorzeigbares Ergebnis in schwieriger Wirtschaftslage“ bezeichnete (Glückwunsch für die PR-Abteilung). Insgesamt bringt das Rechtepaket der Liga mit 1,65 Milliarden Euro für 4 Spielzeiten pro Saison nur 7 Mio. € pro Saison mehr ein als bisher.

Zur ursprünglichen Erwartung fehlen mindesten 100 Mio. € pro Saison

Im Sommer noch erwarteten Liga und Vereine durch den Vertrag mit der Kirch-Gruppe mindestens rund 100 Mio. Euro mehr. Dieser Betrag hätte sogar noch gesteigert werden können, wenn es den Kirch-Vertretern gelungen wäre, zusätzliche Erlösquellen zu generieren. An diesen wäre die DFL prozentual beteiligt gewesen.

Ein vorzeigbares Ergebnis kann diese Vereinbarung aus Sicht der Vereine nicht sein. Sie müssen kochen, weil ihre Erwartungen (und möglicherweise auch erste Planungen) viel höhere Erlöse beinhalteten. Bisher halten sie sich aber mit öffentlicher Kritik zurück. Klar, in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise würde das sofort wieder als Gier ausgelegt werden und würde schlechte PR geben.

Abstand zu anderen Ligen vergrößert sich weiter

Diese Erlösminderungen müssen die Verein schon deswegen schmerzen, weil die jetzt abgeschlossene Vereinbarung eine deutliche Lücke zu anderen Ligen öffnet. Die qualitativ als schlechter geltende französische League 1 hat einen Vertrag über 668 Mill. € pro Saison ausgehandelt. Im Dreijahresvertrag mit verschiedenen Abnehmern erlöst die englische Premier-League 910 Mill Pfund pro Jahr. Im Vergleich dazu liegen die Erlöse der DFL auf Zweitliganiveau.

Ich bleibe daher bei meiner Auffassung: Hätte die DFL schneller Klarheit mit dem Kartellamt und der Kirch-Gruppe geschaffen, hätte man noch im Sommer die ursprünglich avisierte Vereinbarung realisieren können. Die hätte mindestens 500 Mio. € pro Saison einbringen können.

Es drohen auch Einnahmeausfälle bei Stadionbesuchern

Den Vereinen droht übrigens noch von anderer Seite Ungemach. Einige Clubs haben offensichtlich mit ihren Eintrittpreisen die Schmerzgrenze überschritten. So waren etwa für das sonst stets ausverkaufte Nordderby zwischen Hamburg und Bremen in der vergangenen Woche noch einige tausend Tickets zu bekommen. Der Verein hatte hier einen besonderen Zuschlag erhoben, der auch vereinsintern für erhebliche Kritik sorgte. In Bielefeld hat man nach dem Stadionumbau die Preise für die neugebaute Tribüne erheblich angehoben. Selbst bei Topspielen sind dort viele freie Pätze zu sehen.

Es wird also Zeit, sich Gedanken zu machen, wie neue Einnahmequellen generiert werden können. Andernfalls droht ein noch größerer Abstand zu den Topligen Europas.

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