Wohl bekannt ist, dass der sonst solide Unternehmer Adolf Merckle mit VW-Aktien spekuliert hat und ihn bzw. seine Unternehmen dies einen dreistelligen Millionenbetrag gekostet hat. Nun ringt er mit den Banken um die Lösung seiner Finanzprobleme.
Hans Ruedi Ramsauer vergleicht im Blog Zeitenwende die Mikroebene des Unternehmers aus dem Schwabenland mit der großen Makrokrise, die uns leidlich bekannt ist. In beiden Fällen sorgte eine finanzielle Bombe für Kettenreaktion.
Die Gruppe hat nach Presseinformationen mit 30 (!) Banken verhandelt, offenbar aber bisher ohne konkrete Einigung. Immerhin erhält Merckle mehr Zeit für die Verhandlungen. Merckles Sohn Ludwig informierte darüber, dass die Familie in den Verhandlungen «erhebliche Sicherheiten» und Einlagen aus ihrem privaten Vermögen angeboten habe.
Nach Lesart der Unternehmensgruppe sind übrigens nicht die Fehlspekulationen schuld an der finanziellen Klemme. Hintergrund der Krise seien Kapitalerhöhungen vor allem bei HeidelbergCement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. «Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt.» Durch die Finanzkrise sei deren Wert abgestürzt. «Dadurch wurden im Wertpapiergeschäft erhebliche Verluste gemacht, wodurch der jetzige Liquiditätsengpass bei der (Muttergesellschaft) VEM entstanden ist. Danach kamen noch die Verluste bei VW hinzu.» In Bankenkreisen wird der Finanzierungsbedarf von Merckle auf 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro geschätzt. Der Liquiditätsengpass könne kurzfristig nur durch die Mitwirkung der Banken ausgeglichen werden.
Ursprünglich hatte Merckle sich eine Landesbürgschaft in Höhe von 150 Mio. € gewünscht. Dies wurde aber vom Land mit Verweis auf die Vermögenswerte der Gruppe abgelehnt. Nun wird der Verkauf von Beteiligungen gefordert, damit der Gruppe neue Gelder zufließen. Top-Kandidat dabei ist der Generikahersteller Ratiopharm.
Allerdings dürfte ein quasi „Notverkauf“ in diesen Zeiten, den Beteiligungswert erheblich drücken. Mit einem schnellen Verkauf ist daher nicht zu rechnen. Die Banken werden sich bis dahin wohl mit einer Überbrückung zufrieden geben müssen. Merckle dürfte trotz des Drucks der Banken die bessere Verhandlungsposition haben. Ein zu billiger Verkauf wäre weder in seinem Interesse, noch wäre es ein Vorteil für die Banken. Eine Verlängerung des Stillhalteabkommen ist daher keine Überraschung.
Weitere Informationen
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