Wunschanalyse Beiersdorf – bestens für die Krise gerüstet

by sharewise on 18. Dezember 2008

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de). Für die Chartanalyse haben wir Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com) um seine Meinung gebeten. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse des Hamburger Nivea-Herstellers Beiersdorf gewünscht.

Beiersdorf laut Sharewise.com:

Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
7 Mitglieder Ø 46,37 € 7
16 Analysten Ø 49,41 € 10 4 2

Beiersdorf (WKN 520 000, ISIN DE0005200000)


Firmenlogo von Beiersdorf

„KONSUMER“ – KOMISCHER BEGRIFF FÜR NIVEA

Die Anbieter von Artikeln für den Massenmarkt werden in der Finanzwelt in zwei Gruppen unterteilt: „Consumer Basics“ und „Consumer Discretionary“. Damit werden die Massenprodukte unterteilt in solche, die man immer kauft und solche, die man nur dann kauft, wenn man Geld übrig hat. Nivea beispielsweise kauft man immer. Auch Hansaplast Pflaster für die Wehwehchen Ihrer Kinder und Tesafilm zum Einpacken der Weihnachtsgeschenke. Diese Produkte kommen aus dem Hause Beiersdorf.

Beiersdorf wird daher zum Bereich „Consumer Basics“ gezählt, denn die Produkte werden gekauft, ungeachtet der konjunkturellen Situation. Wenn Ihr Kind ein Pflaster braucht, dann haben Sie eines, egal, ob wir uns in einer Krise oder in einer Boomzeit befinden. Und die Pflegeprodukte von Nivea beispielsweise werden ebenfalls in Krisenzeiten stärker nachgefragt: Weniger Arbeit führt bei vielen Menschen zu mehr Zeit morgens vorm Spiegel, so hat Nivea pünktlich zur Krise nun eine Pflegeserie für Männer an den Start gebracht.

Derzeit läuft es bombig für Beiersdorf – und dennoch ist der Kurs in diesem Jahr um 30% eingebrochen. Ich führe das natürlich auf die allgemeine Börsensituation zurück, denn die Unternehmensmeldungen sind überaus positiv.

AKTIENHAUSSE IN WIRTSCHAFTSKRISE

Das Geschäft von Beiersdorf ist „nicht-zyklisch“, also unabhängig von Konjunkturzyklen. Der Aktienkurs hingegen kann als „anti-zyklisch“ bezeichnet werden, also gegenläufig zu den Konjunkturzyklen. Das liegt daran, dass Aktionäre in rauen Zeiten, in Zeiten unsicherer Wirtschaftsleistung und in Zeiten drohender Rezession ihre Gelder aus den zyklischen Aktien abziehen und nach Alternativen Ausschau halten. Und als Alternative für raue Zeiten ist ein Unternehmen, das diese rauen Zeiten überstehen wird, schon gut genug. Also werden die Aktien solcher Unternehmen gekauft, der Kurs steigt.

Also: Während das Geschäft von Beiersdorf von der Krise völlig unberührt bleiben dürfte, steigt die Aktie einfach nur aus dem Grund, weil sie als sicherer Hafen gesehen wird.

VORTEILHAFTE PREISENTWICKLUNG

Soeben habe ich eine Analyse der HSBC Bank gelesen, in der aufkommender Kostendruck als Grund für die Abwertung von Aktien genannt wird. Lächerlich! Da hat jemand die Produktpalette von Beiersdorf nicht verstanden. Preisdruck und Kampf um Ladenflächen gab es in den vergangenen Jahren. Doch in diesem Jahr, in dem die Rohstoffpreise durch die Decke gingen, gab es überall Preiserhöhungen.

Insbesondere der Ölpreis, der zeitweilig über 147 US$/Fass sprang, zwang die Branche zu kräftigen Preiserhöhungen. Sie wurden durchgesetzt und von den Konsumenten akzeptiert. Der Umsatz von Beiersdorf wächst in diesem Jahr um 8%. Die Gewinnmargen konnten konstant gehalten werden, trotz steigender Rohstoffpreise. Da ist von Margendruck nichts mehr zu sehen.

In den vergangenen Jahren bestand tatsächlich ein hoher Margendruck und das Ergebnis ist ein schlankes Unternehmen Beiersdorf. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren die Kosten herunter gefahren und ist flexibler geworden.

Nun wurde die Branche mit hohen Rohstoffpreisen überrascht, die Folge waren Preiserhöhungen. Doch haben Sie heute schon mal bei Ihrer Tankstelle nach dem Benzinpreis geschaut? Der Ölpreis ist von 147 US$/Fass auf jetzt 40 US$/Fass eingebrochen. Das ist niedriger als vor zwölf Monaten. Aber Preissenkungen bei den Produkten dürfen Sie eher nicht erwarten.

Mit anderen Worten: Beiersdorf wird in den nächsten Monaten durch die gesunkenen Rohstoffkosten viel Geld bei den Produktionskosten einsparen. Am Beispiel Nivea wird das schnell ersichtlich: Nivea-Creme besteht zum größten Teil aus Öl. Bei der Produktion wird viel Öl eingesetzt. Die Plastik-Tuben (wenn Sie nicht gerade die Metall-Dose kaufen) sind pures Öl, denn Plastik wird aus Öl gewonnen. Und schließlich richten sich die Transportkosten zu den Absatzmärkten nach den Ölpreisen. Beiersdorf wird, wenn es der Prognose gemäß den Umsatz um 8% steigern kann, eine regelrechte Gewinnexplosion erleben!

WILLKOMMEN IM DAX

Vergangene Woche wurde bekannt gegeben, dass Beiersdorf per 22. Dezember 2008 in den DAX aufgenommen wird. Es wundert mich nicht, dass ein Finanzwert – die Hypo Real Estate – herausgenommen und durch einen Consumer-Wert, eben Beiersdorf, ersetzt wird. Und vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ist der nicht-zyklische Wert sicher eine gute Wahl.

Wenn ein neuer Wert in den DAX aufgenommen wird, dann reagieren alle Fonds und Zertifikate, die den DAX abbilden. Es muss, den Fondsbedingungen folgend, Beiersdorf entsprechend der Gewichtung im DAX nun auch für den Fonds bzw. das Zertifikat gekauft werden. Dadurch entsteht eine Nachfrage, die kurzfristig für einen kleinen Kursschub sorgt. Beiersdorf wird mit einer Gewichtung von etwa 0,77% zwar kein Schwergewicht im DAX, aber der Nachfrageschub wird schon spürbar sein.

BEWERTUNGSNIVAEU  IN ORDNUNG

Zu sagen, Beiersdorf ist günstig bewertet, wäre übertrieben. Ein KGV von 18 ist nicht gerade günstig, vor allem nicht in Krisenzeiten. Doch Beiersdorf hat 1,3 Mrd. Euro Bargeld in der Kasse liegen und wenn Sie eben dieses Bargeld von der aktuellen Marktkapitalisierung abziehen, dann bleibt ein KGV von 15 für das Geschäft. Und das ist mehr als in Ordnung.

Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise, in der gerade Unternehmen mit einem hohem Barbestand handlungsfähig bleiben und unabhängig von den Problemen der Banken agieren können, ist dieser hohe Barbestand ein Garant für die Zukunftsfähigkeit Beiersdorfs.

Die Dividendenrendite von 1,8% ist ebenfalls solide aber nicht besonders hoch: Auch hier zeigt sich, dass Beiersdorf lieber das Geld im Unternehmen hält, solange die Finanzkrise wütet. Für das  nächste Jahr wird eine Dividendenrendite von 2,1% prognostiziert.

CHARTANALYSE: KONSOLIDIERUNG HÄLT NOCH AN

Die Chartanalyse wird in Zusammenarbeit mit Christian Kämmerer erstellt (www.TA4YOU.com):

Wie aus der letzten Analyse bekannt, möchte ich heute wieder mit einem so bezeichneten „Big Picture“ starten. Konkret bedeutet dies, dass ich mir den Chart der Beiersdorf Aktie aus größerer Entfernung, in Form eines 10-Jahres-Charts, betrachte um mögliche Unterstützungs- und Widerstandszonen definieren zu können. Dem folgend ergänze ich den 10-Jahres-Chart mit einem 1-Jahres-Chart um Ableitungen zur zukünftigen Entwicklung anhand zweier Szenarien zu skizzieren. Hintergrund der Szenarien ist die Tatsche, dass die Technische Analyse nicht statisch ist und es sich zudem um eine Momentaufnahme handelt. Im Grunde müsste also jedes Verhalten der Aktie fortlaufend kommentiert werden. Und um dies zu vermeiden, gebe ich dem Chart die Chance sich zu entwickeln und folglich entsprechende Szenarien abzuarbeiten.

Beiersdorf, Chart, 10 Jahre

Im Anschluss an das markierte Allzeithoch von ca. 56 Euro im Juli des Jahres 2007 verdaut die Aktie mehr oder weniger den steilen Anstieg seit Ende 2004. Dieser Kursanstieg beförderte die Aktie innerhalb der darauf folgenden Jahre um mehr als 110% nach oben, um das bereits erwähnte Hoch vom Juli 2007 auszubilden. Seither konsolidiert – wie in der Kapitelüberschrift beschrieben – die Aktie den Anstieg und kann sich dennoch trotz der weltweiten Finanzkrise bisher recht gut behaupten. Entscheidend, um nicht zu schreiben maßgeblich, ist das Verteidigen des Kursniveaus von 36 Euro auf Tages- und insbesondere Wochenschlusskursbasis. Sodann bestehen aus mittelfristiger Betrachtung realistische Chancen, dass die Beiersdorf Aktie ihre Konsolidierung beendet und den Widerstandsbereich von 43 Euro überwinden kann. Näheres zu den einzelnen Handels- und Schlüsselmarken jetzt im Fazit inklusive 1-Jahres-Chart.

Beiersdorf, Chart, 1 Jahr

Chance/Risiko-Verhältnis: 60/40 – neutrale Tendenz mit mittelfristig positiven Aussichten bis in die Region von zunächst 52 Euro. Der Kurslevel von 36 Euro darf hierbei jedoch nicht unterschritten werden. Daher aus charttechnischer Sicht empfohlener StopLoss: 36 Euro!

LONG Szenario:
Ein klares strategisches Kaufsignal generiert die Beiersdorf Aktie erst mit einem Ausbruch über den Kreuzwiderstand von 43/44 Euro. Im Einklang dieses Ausbruchs sollte auch der 200-Tage-Durchschnitt, aktuell bei rund 45 Euro, erobert werden können. Etabliert sich die Aktie oberhalb dieses Ausbruchsniveaus, werden mittelfristig Kurse von über 52 Euro möglich. Doch Vorsicht, ein nochmaliger Abwärtslauf bis ca. 37/38 Euro kann nicht ganz ausgeschlossen werden – und wäre unter Umständen die ideale Kaufgelegenheit für Langfristanleger.

SHORT Szenario:
Der sich kurzfristig andeutende Kursrücksetzer auf etwa 37/38 Euro genügt der Aktie im Sinne eines weiteren Rücklaufs innerhalb der Trading Range nicht. Folglich generiert die Aktie mit einem Tagesschlusspreis unterhalb der Marke von 36 Euro weiteres Abwärtspotenzial bis zunächst 33 Euro sowie anschließend rund 28 Euro. Durch den Bruch der starken Unterstützungszone von 36 Euro hat sich das Chartbild zusehends eingetrübt und im Falle eines Worst-Case erscheint gar das Kursniveau von etwa 24 Euro erreichbar – die schleichende Konsolidierung hätte sich dann zu einer Korrektur formiert.

Soweit die Charttechnik von Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com).

FAZIT

Die Charttechnik ist für kurzfristig orientierte und aktive Anleger eine gute Methode, um die besten Einstiegspunkte zu finden. Wer also das Risiko eingehen kann, gegebenenfalls den Einstieg zu verpassen, der kann versuchen, den günstigsten Einstiegskurs zu erwischen.

Als langfristig orientierter Anleger habe ich mir angewöhnt, nach der grundsätzlichen Entscheidung für eine Aktie eine Position auf dem aktuellen Niveau zu eröffnen, sofern die Aktie nicht gerade in den vorangegangenen Tagen abgehoben ist. Sie sollten also nicht den Kursen hinterher laufen, Sie sollten aber eben auch nicht versuchen, den Tiefpunkt zu erwischen.

Beiersdorf ist in den vergangenen Tagen ausverkauft worden. Grund dafür ist die aufkeimende Hoffnung, dass die Krise im nächsten Jahr eben doch nicht so schlimm wird, wie noch im Oktober befürchtet. Anleger haben Beiersdorf-Aktien verkauft und holten sich lieber konjunktursensible Werte wie Daimler, Linde oder ThyssenKrupp ins Depot. In meinen Augen ist das eine gute Gelegenheit, um einzusteigen.

Der Kurs fiel von 46 auf derzeit 40,50 Euro. Hier würde ich eine erste Position eröffnen. Sollte dieser Ausverkauf bei Beiersdorf-Aktien weiter gehen, so würde ich entsprechend der Chartanalyse zu Kursen um etwa 37 Euro nachkaufen. Aufgrund der starken Volatilität an den Börsen würde ich einen StopLoss Kurs nur auf Basis der Tagesschlusskurse berücksichtigen, da im Tagesverlauf schon mal heftige Schwankungen zu kurzfristigen Tiefstkursen führen können, die jedoch schnell wieder korrigiert werden. Auch würde ich den StopLoss etwas großzügiger setzen, als den knapp an der Untergrenze gefundenen Wert der Chartanalyse: Statt 36 Euro würde ich also erst unter 35 Euro verkaufen.

Auf Sicht von einem Jahr erwarte ich einen deutlichen Gewinnsprung bei Beiersdorf und dadurch einen Kurs deutlich über 50 Euro.

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