Selbstmorde im Zeichen der Finanzkrise

by Dirk Elsner on 13. Januar 2009

Die Legende von den aus dem Fenster springenden Spekulanten während der Weltwirtschaftskrise erhält in diesen Wochen viel neue Nahrung. Die Opferliste der aktuellen Finanzkrise wächst, wie verschiedenen Publikationen (siehe unten) zu entnehmen ist: Adolf Merckle: Der deutsche Milliardär warf sich am ersten Montag des Jahres vor einen Zug.

Barry Fox: Im Mai vergangenen Jahres sprang Fox, der neun Jahre für Bear Stearns gearbeitet hatte, aus seiner Wohnung im 29. Stock. Das geschah kurz nachdem Fox erfahren hatte, dass er nicht von JP Morgan übernommen wird.

Steven Good: Beinah zeitgleich mit dem Pharma-Milliardär Merckle brachte sich  um. Der Chef eines großen US-Immobilienauktionshauses wurde am Dienstag tot in einem Wald nahe Chicago gefunden.

Thierry de La Villehuchet: Auch ein Opfer des Milliardenbetrügers Bernard Madoff nahm sich das Leben. Der französische Fondsmanager schnitt sich einen Tag vor Weihnachten in seinem New Yorker Büro die Pulsadern auf, nachdem er für europäische Kunden 1,5 Mrd. Euro bei Madoff investiert hatte.

Eric Von der Porten: Im Dezember nahm sich in den USA der Hedge-Fonds-Manager das Leben.

Christen Schnor: Kurz vor Weihnachten beging der Top-Manager  vom Finanzriesen HSBC in London Selbstmord. Schnor, der früher lange in der Konzernleitung der Winterthur-Gruppe arbeitete, erhängte sich in einem Londoner Fünf-Sterne-Hotel.

Alex Widmer: Anfang Dezember nahm sich der Chef der drittgrößten Schweizer Bank Julius Bär in Zürich das Leben. Auch er erhängte sich.

Kirk Stephenson: Bereits im Oktober 2008 verabschiedete sich der Multimillionär von seiner Familie, fuhr mit seinem Wagen auf einen Parkplatz nahe London, ging zu einer Fußgängerüberführung, kletterte über das Geländer und warf sich vor einen Schnellzug. Stephenson hatte erst ein paar Monate zuvor Aktien der Schweizer Großbank UBS gekauft. Das Geldhaus verlor im Zuge der Finanzkrise bald darauf dramatisch an Wert. Der Investor musste durch sein Investment rund 250 Mio. Euro an Abschreibungen vornehmen.

Neben diesen namentlich bekannten Personen, sind auch weitere Fälle bekannt geworden, ohne dass Namen überliefert sind.

Im September 08 stürzte sich der Chef einer Private-Equity-Firma in Großbritannien vor einen Zug.

Im November erschoss sich in Brasilien ein Trader auf dem Parkett der Börse in São Paulo.

Ein arbeitsloser Buchhalter aus Kalifornien zerstörte nicht nur sein eigenes Leben. Nach seinem finanziellen Ruin erschoss er seine Ehefrau, seine drei Kinder und seine Schwiegermutter, bevor er sich selbst richtete.

Anfang Dezember meldete das staatliche russische Zentrum für Sozialpsychiatrie mehr Selbstmorde im Riesenreich. Russland hat ohnehin schon eine der weltweit höchsten Selbstmordraten.

In den USA, dem Ursprungsland der Finanzkrise, schoss sich im Herbst eine 90-jährige Amerikanerin während der Zwangsräumung ihres Hauses in die Brust. Sie überlebte, doch ihr Protestselbstmordversuch erregte die Öffentlichkeit derart, dass die Bank auf die Räumung verzichtete.

Quellen

FTD: Der letzte Schritt

Welt: Tödliche Krise

Huffington Post: Financial Crisis Suicide Numbers Mounting

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