WEF: Kommt überhaupt etwas aus Davos?

by Dirk Elsner on 30. Januar 2009

Mark Zuckerberg, founder Facebook, and Jet Li, famous martial arts star

Show in Davos für Zuckerberg (links) und Jet Li (Foto: flickr/Robert Scoble)

Gestern habe mal reingeschnuppert in das World Economic Forum. Fasziniert haben mich nur die Möglichkeiten, die das Internet bietet (und das nach 15 Jahren eigener Nutzung). Man kann aus der Distanz an einem so medienwirksamen Ereignis live teilnehmen oder sich die Aufzeichnungen ansehen. Die aus wirtschaftlicher Sicht bisher interessantesten Beiträge habe ich auf einer eigenen Seite zusammengestellt.

So etwas wie Aufbruchstimmung oder gar eine Richtung für einen Weg aus der Wirtschaftskrise wurde in den von mir gesichteten Beiträgen nicht vermittelt. Auf dem „Gipfel der Verunsicherung“ (Handelsblatt) werden die bisherigen Rezepte und Maßnahmen durchgekaut, im Zweifel mal kritisiert. Immer wieder gern genommen sind auch düstere Szenarien, wie die vom Beelzebub Nouriel Roubini.

Mangels alternativer Visionäre wird den Dunkelmännern  hier eine Bühne bereitet. Ich fürchte, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Vorhersagen eines Roubinis zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Leider ergeben die Videos kein vollständiges Bild. Hinter den Kulissen und am Rande der Veranstaltung sollten viele interessante Ideen von weniger bekannten Persönlichkeiten präsentiert und diskutiert werden.Vermittelt wird davon nichts. Das ist bedauerlich.

Leider ist das WEF vor allem auch eine PR-Veranstaltung für Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler, die schon eine große Bekanntheit erlangt haben. Diese Personen drängen sich vor die Kameras und kauen immer den gleichen Rotz durch. Diese Eigendarstellungen schmecken genau so, wie ich das geschrieben habe: nach Rotz. Gerade zu der Eigen-PR würde mich mal der Bericht eines Journalisten interessieren. Welche Personen drängeln sich denn so richtig penetrand in den Vordergrund.

Einen kleinen Eindruck, wie es in Davos hinter den Kulissen abläuft, vermittelt Richard Quest in seinen übersetzen Blogbeiträgen vom Handelsblatt: „Gerade als ich heute morgen durch die Lobby spazierte, war Roach da und hielt Hof; Kameras nahmen seine Worte auf, Journalisten drängelten sich, um zu hören, wie schlecht die Lage sich seiner Meinung nach entwickeln würde“, schreibt er.

Heute Abend werde ich es mir ersparen, in die Videos zu schauen.

Ausgewählte Schlagzeilen

HB: Ratlosigkeit in Davos

Die Presse: Trübe Stimmung in Davos

FTD: Davos-Splitter Nach Putins Regeln

scobleizer: The real problem with Davos: not enough focus on small business

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