Gechickte Strategie: Sich aktiv dem Spott stellen – “Bielefeld-Verschwörung” wird verfilmt

by Dirk Elsner on 17. Februar 2009

Die Bielefeld-Verschwörung ist eine Satire, die die Existenz der Stadt Bielefeld anzweifelt, um die in sich geschlossene unangreifbare Argumentationsstruktur von Verschwörungstheorien auf humorvolle Weise herauszustellen. Die Bielefeldverschwörung wurde erstmals 1994 im deutschsprachigen Usenet veröffentlicht, kursiert seither als Running Gag im Internet und wurde so Teil der Internet-Folklore, ist in der Wikipedia zu lesen.

Sucht man im ostwestfälischen Leitmedium der Neuen Westfälischen (NW) nach der Bielefeld Verschwörung, dann erhält man aus den letzten drei Jahren nur vier Treffer. Dies mag darauf hindeuten, dass man sich in der Stadt am Teutoburger Wald bisher nicht gern mit dem impliziten Spott auseinandersetzen wollte.

Dies hat sich nun geändert, denn  am vergangenen Wochenende konnte man in der NW lesen, dass die “Bielefeld-Verschwörung” verfilmt werden soll. Unter der Überschrift “Irgendwo im Nirgendwo” schreibt das Blatt über ein Projekt der Universität, das mit der Verschwörung spielen und für die Stadt werben will. „Wir probieren etwas Einmaliges“, sagt Fabio Magnifico über den geplanten Agententhriller, der von und mit Studenten gedreht wird. Die Story: In Bielefeld verschwinden Menschen, Flüsse und Gebäude auf rätselhafte Weise. Ein Professor und Studenten kommen einer mächtigen Person auf die Spur, die Bielefeld als Versuchslabor benutzt. An verschiedenen Orten wird gedreht, darunter Sparrenburg, Fernsehturm, Rathaus, Jahnplatz, Altstadt, Ishara – und Griechenland, das auch in der Verschwörungstheorie auftaucht. Unter der Sparrenburg schläft ein Drache, irgendwo in der Stadt befindet sich der Einstieg nach Atlantis.

Und auch die FAZ stellt die Frage Gibt es Bielefeld? und schreibt über den Thriller, der bis zum Frühjahr 2010 entstehen soll.

Die Strategie ist geschickt, denn die Bielefelder greifen den Spott auf, drehen ihn um und setzen ihn für die Stadt ein. Vielleicht wäre das ja mal eine Strategie, die auch die einige Banken einsetzen könnten, um daraus Maßnahmen zur Imagewende einzuleiten. Dies wäre allemal besser als die beißende Kritik schweigend auszusitzen.

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