Interview mit Käuferportal-Gründer: „Privatinvestoren sind in solchen Zeiten besonders vorsichtig“

by Dirk Elsner on 20. Februar 2009

Der Blick Log hat sein erstes Interview geführt. Passend zu den Themen dieses Blogs steht dabei der Umgang des Mittelstands und in diesem Fall speziell eines mutigen Unternehmers mit der Finanzkrise im Fokus. Das Interview habe ich per Mail mit Robin Behlau, einem der beiden Gründer von KäuferPortal geführt.

Behlau hat das Portal, das Angebote für eine Vielzahl gewerblicher Produkte und Dienstleistungen vermittelt, zusammen mit Mario Kohle im Juli 2008 gegründet. Unterstützt wurden sie vom Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski und einem Netzwerk erfahrener Investoren und Business-Angels.

Die Betaphase startete das Portal ausgerechnet einen Tag nach dem Lehman-Konkurs am 16. September. Der offizielle Launch erfolgte am 13.10.08, dem Tag an dem der erste Entwurf des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes veröffentlicht wurde. In einer heißeren Phase der Finanzkrise konnte man kaum starten. Daher war ich gespannt auf die Antworten meiner Fragen, die ich Robin Behlau zugesendet habe.

Blick Log: Wie gestaltet sich der Umgang mit den Banken in der „Finanzkrise“? Spürt man hier größere Zurückhaltung, werden mehr Sicherheiten verlangt?

Robin Behlau: Da wir komplett Eigenkapital finanziert sind, kann ich das gar nicht so explizit beantworten. Prinzipiell kann ich mir schon vorstellen, dass die Banken vorsichtiger geworden sind.

Wir selbst haben uns vor der Gründung in einem Gespräch mit einer Bank um eine Förderung bemüht. Es stellte sich allerdings als sehr schwierig heraus, dem Kredithaus die Struktur eines Start-ups zu erläutern. Im Endeffekt hat es dann leider nicht geklappt. Auch jobmensa.de, ein befreundetes Start Up, hat diese Zurückhaltung spüren können.

Blick Log: Besteht der Eindruck, dass der/die Finanzinvestor(en) noch mehr Informationen haben wollen und noch genauer hinschauen?

Robin Behlau: Natürlich. Sowohl die Banken als auch die Privatinvestoren sind in solchen Zeiten besonders vorsichtig. In der Vergangenheit wurden viele Fehler begangen und Kredite sehr leichtfertig vergeben. Deshalb sichern sich die Geldgeber nun genau ab und achten darauf, dass das zu finanzierende Unternehmen entweder auf gesunden Füßen steht oder gute Chancen hat, am Markt bestehen zu können.

Blick Log: Wie hoch war überhaupt der Aufwand für die Erstellung des Businessplans?

Robin Behlau: Einen richtigen Business Plan in dem Sinne haben Mario und ich gar nicht geschrieben. Wir hatten vielmehr eine Business Plan Präsentation, die wir den Investoren vorstellten. Das hatte den Vorteil, dass es erstens schneller ging, und man nicht extra einen seitenlangen Text ausformulieren musste. Zweitens haben wir es eigentlich immer bevorzugt mit den Leuten direkt zu sprechen und unsere Idee im Dialog vorzustellen. Außerdem ist es oftmals schwieriger weniger zu sagen, dafür aber punktiert, anstatt auf vielen Seiten um den heißen Brei herum zu reden.

Blick Log: In welchem Umfang müsst ihr jetzt an Investoren und Banken „reporten“?

Robin Behlau: Einmal in Monat legen wir die Bücher für unsere Investoren offen. Das dient aber nicht nur dem Selbstzweck sondern auch der Selbstkontrolle. In diesen so genannten „Reports“ legen wir auch unsere KPI bzw. unsere Treiber für das Geschäftsmodell offen. So behalten auch wir selbst einen guten Überblick und können die Entwicklung einschätzen, ohne uns in etwas zu verrennen.

Blick Log: Habt ihr Kontakte zu anderen direkten oder indirekten Finanziers wie Leasinggesellschaften, Kreditversicherungen und wie gestaltet sich hier die Zusammenarbeit?

Robin Behlau: Den Kontakt zu den klassischen Finanziers wie Leasinggesellschaften oder Kreditversicherungen haben wir nicht. Wir befinden uns aber auf der Suche nach weiteren VC-Gesellschaften und Investoren und stehen momentan mit einigen im Dialog, um uns weitere Finanzmittel zu sichern, auch wenn wir sie momentan noch nicht so akut brauchen.

Blick Log: In welchem Umfang müsst ihr in die persönliche Haftung gehen?

Robin Behlau: Mario und ich haften beschränkt, im Zuge des GmbH- Gesetztes.

Blick Log: Nutzt Käuferportal.de auch öffentliche Mittel, wie etwa KfW, Bürgschaften etc.? Wenn ja, wie hoch war der Aufwand in Mann-Stunden bzw. Mitarbeiter-Tagen diese Mittel zu bekommen?

Robin Behlau: Im Moment noch nicht, da es sich als schwierig heraus gestellt hat, diese Mittel zu bekommen. Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, klassische Investoren kennen zu lernen. Dafür haben Mario und ich beispielsweise die Venture Lounge in Bonn und die Angel Lounge in Hamburg besucht. Längerfristig lautet unser Ziel natürlich die Profitabilität. Wir sind also nicht abgeneigt, auf solche Mittel irgendwann nichtmehr angewiesen zu sein.

Weitere Informationen zu Kaeuferportal.de habe ich aus einer Presseinformation übernommen:

Käuferportal.de, Vermittler von qualifizierten Kundenanfragen für den B2B-Sektor, hilft kleinen mittelständischen Unternehmen und Selbständigen den Zeitaufwand für die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen erheblich zu senken. Interessant ist dies vor allem beim Kauf von Geräten mit langer Nutzungsdauer oder unregelmäßig benötigten Serviceleistungen. Unternehmen, die für ihren Geschäftsbetrieb beispielsweise Bürotechnik, wie Kopierer, Telefonanlagen oder Plotter brauchen, können ihre Gesuche innerhalb weniger Minuten bei Käuferportal.de einstellen. Anschließend erhalten sie bis zu drei auf den individuellen Bedarf zugeschnittene Angebote von qualifizierten Verkäufern. Mittelfristig sollen über die B2B-Plattform Produkte aus insgesamt 60 Kategorien vermittelt werden – vom Toner über den Gabelstapler bis hin zu gewerblichen Dienstleistungen, wie beispielsweise Videoproduktionen für den unternehmenseigenen Imagefilm.

Noch mehr Information gibt es auf der Website.

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