Kreditkartenluftblase: American Express hat nicht geschockt und funkt auch kein SOS

by dels on 18. März 2009

Aufregung gab es am Montag und Dienstag, weil American Express angeblich SOS meldete. Immerhin waren die Überschriften diesmal gemäßigter bei der Veröffentlichung von Daten dieses Kreditkartenanbieters  als im November als z.B. das Handelsblatt titelte: Die nächste Monsterwelle rollt.

Die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung mag anscheinend bei American Express die Anlehnung an die Seefahrt. Was da zu lesen war kann nicht ernsthaft überrascht haben: “Nun scheint es aber so, dass sie doch noch hart erwischt werden: American Express hat wegen der steigenden US-Arbeitslosigkeit im vergangenen Monat einen Anstieg der Kreditausfälle verzeichnet.” Weiter zu den Fakten heißt es in dem Artikel:

“Von Dezember auf Januar stieg die Quote fauler Kredite von sieben auf 8,3 Prozent. Im Januar 2006 hatten dagegen nur zwei Prozent der American-Express-Kunden ihre Schulden nicht bezahlt. Vieles spricht dafür, dass die Quote noch schlechter wird. Bis Jahresende werden die US-Kreditkartenanbieter bis zu neun Prozent ihrer Kredite abschreiben müssen. In den vorangegangenen Jahren lag die Quote stets deutlich unter fünf Prozent.”

Ich denke, es lässt sich wenig dagegen einwenden, dass die “Zahlungsausfälle bei den US-Kreditkartenanbietern im Februar auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen” sind, wie es in einem weiteren Artikel heißt. Und wenn die Financial Times Deutschland dramatisiert, dass Ausfallquoten auch bei anderen Kreditkartenemittenten auf 9% steigen, dann muss man zwei Dinge dazu wissen.

  1. Auch in normalen Zeiten erwarten die Unternehmen Ausfälle, die bei etwa 5% liegen. Bei insgesamt einer Billion Kreditkarten Forderungen macht die Erhöhung 40 Mrd. US$ aus. Das ist allerdings wenig im Vergleich zu an anderen Stellen reporteten Vermögensverlusten.
  2. Die Kreditkartenemittenten haben sich in der Vergangenheit und sicher auch jetzt nicht gerade großzügig bei ihren Zinsen gezeigt. Zwar sind auf Credicards.com keine Vergleichszinsen für American Express aufgeführt, aber die Bank of America berechnet bis zu 19% Zinsen.

Machen wird doch zu 2. mal eine kleine Nebenrechnung. Die Bank of America (BoA) vergibt Kredite über Kreditkarten über 100 Mio. US$ (fiktive Zahl). Der Zins für risikofreies Kapital beträgt für 360 Tage etwa 2% (reale Zahl), aufgrund der Bonität der Bank zahlt BoA einen Aufschlag von 2,85% (reale Zahl), insgesamt refinanziert sie sich also für 4,85% und muss nach einem Jahr  104,84 Mio. US$ zurückzahlen. Auf der Aktivseite vergibt sie revolvierende Kreditkartenkredite über 100 Mio. US$. Davon fallen 8% aus. Auf die übrigen 92 Mio. US$ erhält sie sagen wir im Durchschnitt 16% (unterjährige Zinseszinseffekte lasse ich mal weg). Sie erhält also nach einem Jahr 106,72 Mio. US$. Da bleiben 1,88 Mio. US$ übrig trotz Abschreibungen in Höhe von 8 Mio. US$.

Selbst bei einem weiteren Anstieg der Ausfälle, hält sich die Dramatik hier in Grenzen. Von einer Kreditenkartenblase, die uns um die Ohren fliegt muss man hier nicht sprechen, zumal die Kartengeber flux dabei sind, die Zinsen zu erhöhen, wenn das Risiko steigt. Das ist bei Kreditkarten einfacher als bei Hypothekenkrediten. Und American Express hat bereits seine Strategie angepasst. Das Handelsblatt schreibt dazu:

“Inzwischen hat das Management auch einen erneuten Strategiewechsel eingeläutet. Und der heißt: Zurück zu den Wurzeln. American Express möchte die in den vergangenen Jahren umworbenen weniger solventen Kunden jetzt gerne wieder loswerden. Kunden mit geringer Bonität bot das Unternehmen eine Prämie in Höhe von 300 Dollar, wenn sie ihre Schulden begleichen und ihr Konto kündigen. Einige auf jüngere Leute ausgerichtete Kreditkartenmodelle wurden wieder eingestellt.

Stattdessen wirbt American Express nun wieder gezielt um wohlhabende Kunden. Doch von denen hat das Unternehmen viele durch die Kürzung ihrer Kreditrahmen verprellt. Und der Ruf ist angekratzt, auch wenn American Express betont, dass im Bereich der Kundenbetreuung keine Stellen gestrichen worden seien. “

Für American Express gibt es aber noch einen weiteren Grund für diesen Strategiewechsel. Die Gesellschaft zahlt nämlich am Kapitalmarkt deutlich höhere Risikoprämien als die Bank of America. Aktuell beträgt der Spread 629 Punkte. In dem oben aufgeführten Beispiel würde die Gesellschaft also drauf zahlen, es sei denn sie berechnet ihren Kunden noch höhere Zinsen als die BoA.

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