Ein Jahr Blick Log und ein neuer Anfang

by Dirk Elsner on 4. August 2009

Genau heute vor einem Jahr startete ich das Blick Log Projekt mit dem ersten Beitrag. Kaum zu glauben, um eine Platitude zu gebrauchen, dass der Blog nun das erste Lebensjahr vollendet hat. Es war ein sehr spannendes Jahr, allein wenn man auf das schaut, was die Wirtschaftswelt zu bieten hatte. Nein, es war nicht ein sehr spannendes Jahr. Es war das spannendste Jahr überhaupt in der globalen Wirtschaftswelt, vor allem weil eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise nie zuvor so intensiv dokumentiert und kommentiert wurde.

Von Anfang an hatte ich mit diesem Blog das zweifelhafte Vergnügen, dieses Wirtschaftsjahr in Form von Blogeinträgen und ungezählten Links (die besten Links zur Finanzkrise sind über diese Übersichtsseite zu erreichen)  ausführlich zu dokumentieren. Wenn ich die Zeit und das Budget hätte, dann ließe sich auf dieser Basis eine spannende Dokumentation schreiben. Die Gliederung dafür steht ja praktisch schon durch die Mindmaps der Finanzkrise.

Das i-Tüpfelchen wäre natürlich gewesen, wenn es meinem und anderen Wirtschaftsblogs gelungen wäre, mehr Aufmerksamkeit durch traditionelle Medien zu erhalten. Dabei ist gerade die inhaltliche (sicher nicht immer die stilistische) Qualität vieler nationaler und internationaler Blogs mittlerweile ausgesprochen hoch. Möglicherweise ist dies aber genau das Problem der Wirtschaftsblogs. Wir schreiben nicht in leicht konsumierbaren Häppchen, sondern holen häufig schwer Verdauliches an die Oberfläche. Und Wirtschaft scheint nur ein Randthema in der Onlinewelt zu bleiben.

Ich sehe Blogs übrigens nicht als Konkurrenz zu den etablierten Medien, denn es wäre vermessen mit dem geringen Zeitaufwand und Budget gegen Wirtschaftsklassiker wie das Handelsblatt, die FTD oder die FAZ antreten zu wollen. Blogs haben dort ihre Berechtigung, wo es gilt ein tieferes Bild von Ereignissen und Sachverhalten zu vermitteln. Ich vergleiche dies gern mit meinem wegen des Bloggens vollständig zurückgestellten Hobby, dem Fotografieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten, ein bestimmtes Motiv abzubilden. Das beginnt bei den Lichtverhältnissen, der Aufnahmeposition, der Wahl der Ausrüstung, den Belichtungseinstellungen, dem Filmmaterial usw. Und nach der Belichtung geht es weiter über das Beschneiden des Fotos und dem Postprocessing. Am Ende steht eine Abbildung von einer Realität, die so ist, wie der Fotograf sie darstellen will.

Kein Foto bildet also die Realität so ab, wie sie wirklich ist. Der Fotograf trifft eine bewusste und häufig eine unbewusste Auswahl. Etwa so ist das mit Berichten aus der Wirtschaftswelt. Traditionelle Medien präsentieren uns das, was sie für relevant halten. Objektiv ist das nie und kann es nicht sein. Während die klassischen Medien letztlich auf etwas zoomen, was ihrer Meinung den Kern dessen trifft, was die Leser konsumieren wollen, versuchen Blogs die gleichen Sachverhalte anders zu belichten, einen anderen Aufnahmestandpunkt oder eine andere Tiefenschärfe zu wählen. Im Postprocessing fehlt es manchmal am letzten Feinschliff, dennoch müssen wir uns nicht verstecken.

Wenn man dieser Untersuchung glauben darf, nutzen 37% aller Wirtschaftsjournalisten Blogs. Ob und in welchem Umfang aus Blogs aber Ideen aufgegriffen werden, bleibt unklar. Dabei täte es in der Tat gut, sich nicht immer auf Pressestellen von Unternehmen und Verbänden oder gar die gefühlt stets gleiche Clique sogenannter “Meinungsführer” aus Wirtschaft und Politik zu berufen.

Wer einen eigenen Blog startet, sollte den Zeitaufwand dafür richtig abschätzen. Es ist doch mehr als man vorher denkt, wobei man ja glücklicherweise selbst die Anzahl der Artikel bestimmen kann. Dennoch, es gibt so viele Facetten aus dem Wirtschaftsleben, über die es zu schreiben lohnt, dass ich längst nicht alles habe notieren können. In meinem Arbeitszimmer stapeln sich Artikel, die ich gern in der einer oder anderen Form hier aufgegriffen, kommentiert oder weitergesponnen hätte.

Dabei konnte ich gerade in den vergangenen sechs Monaten meine Zeit dank meiner freiberuflichen Tätigkeit gut selbst einteilen und auch mal “frei für den Blog” nehmen. Das ist nun seit dem 1. August vorbei. Ich bin nun von der Unternehmensberatung Innovces engagiert, die neben Banken jetzt den Mittelstandssektor adressieren wird.

Der Blog wird natürlich weiter betrieben, denn er macht weiterhin verdammt viel Spaß. Sicher werde ich nicht mehr die Artikelfrequenz der letzten Monate halten können. Dafür habe ich aber dem Blog am vergangenen Wochenende ein neues Layout spendiert. Das bisherige Design kam mir zuletzt zu düster rüber.

Bedanken möchte ich mich abschließend für die vielen tollen Rückmeldungen von vielen Lesern, das hohe Niveau der Kommentare und die vielen neuen Kontakte mit sehr anspruchsvollen und anregenden Diskussionen. Allein das ist schon Motivation genug, den Blog weiter zu betreiben.

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